Ungarischer Forint legt nach Orbáns Wahlniederlage kräftig zu
Der Forint steigt um rund 2 % auf 367,81 pro Euro – in Schlagdistanz zu einem Vierjahreshoch.

Der ungarische Forint hat nach der überraschenden Wahlniederlage von Ministerpräsident Viktor Orbán kräftig zugelegt. Im dünnen asiatischen Handel stieg die Währung um rund 2 % auf 367,81 pro Euro und legte gegenüber dem US-Dollar um etwa 1,6 % auf 315 zu. Damit notiert der Forint in Schlagdistanz zu einem Vierjahreshoch – ein deutliches Signal, dass Investoren den Machtwechsel in Budapest positiv aufnehmen.
Eine Rekordwahlbeteiligung beendete die 16-jährige Regierungszeit Orbáns. Sein Mitte-Rechts-Herausforderer Peter Magyar, der die Tisza-Partei anführt und einst ein Verbündeter Orbáns war, übernimmt nun die Macht. Magyar hatte die Wahl als Entscheidung zwischen Ost und West stilisiert – und die ungarische Bevölkerung stimmte mehrheitlich für eine pro-europäische Ausrichtung des Landes.
Investoren setzen auf Freigabe eingefrorener EU-Mittel
Bereits in den Tagen vor der Wahl hatten Investoren ungarische Aktien, Anleihen und die Währung nach oben getrieben. Die Erwartung: Eine pro-europäische Wende könnte den Weg für die Freigabe eingefrorener EU-Mittel in Höhe von rund 18 Milliarden Euro (21 Milliarden US-Dollar) ebnen. Diese Gelder wurden der Orbán-Regierung wegen Rechtsstaatsbedenken von der Europäischen Union eingefroren. Ungarische Dollar-Anleihen stabilisierten sich im frühen asiatischen Handel nach einer jüngsten Rally, verzeichneten aber ebenfalls nur geringe Volumina außerhalb der üblichen Handelszeiten.
Das Wahlergebnis hat auch Auswirkungen über Ungarn hinaus. So blockiert Orbán derzeit einen EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine. Ein Regierungswechsel in Budapest könnte diesen Weg freimachen. Ukrainische Dollar-Anleihen wurden zu Beginn des asiatischen Handels allerdings noch nicht gehandelt.
Goldman Sachs: Reibungsloser Machtwechsel erwartet
Analysten von Goldman Sachs kommentierten das Ergebnis in einer Mitteilung vom Sonntag: „Orbán hat seine Niederlage eingestanden, was auf einen reibungslosen Machtwechsel hindeutet." Die Investmentbank verwies zudem auf das wirtschaftspolitische Programm der Tisza-Partei. Diese habe sich verpflichtet, die Maastricht-Kriterien bis 2030 zu erfüllen, um einen künftigen Beitritt zur Eurozone vorzubereiten.
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Zur AktienanalyseGoldman Sachs erläuterte die möglichen Konsequenzen: „Sollte es der Partei mit diesem Ziel ernst sein, wäre einer der ersten Schritte eines Euro-Konvergenzprogramms die Senkung des ungarischen Inflationsziels von derzeit 3 % auf das Niveau der Eurozone von 2 %." Eine solche Entwicklung würde laut den Analysten einen deutlichen Rückgang der langfristigen Renditen Ungarns implizieren – was wiederum ungarische Staatsanleihen für internationale Investoren attraktiver machen würde.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Ungarn aus mehreren Gründen relevant. Zum einen ist Ungarn EU-Mitglied und ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Zum anderen könnten die Freigabe der EU-Mittel und eine engere wirtschaftliche Anbindung Ungarns an die Eurozone die Stabilität in der gesamten Region stärken. Der Maastrichter Vertrag, auf den Goldman Sachs verweist, bildet die rechtliche Grundlage der Gemeinschaftswährung und legt klare Kriterien für einen Euro-Beitritt fest – darunter Vorgaben zu Inflation, Staatsverschuldung und Wechselkursstabilität.

