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Ungarn drohen Stromausfälle: Donau-Dürre zwingt Kernkraftwerk Paks zur Abschaltung

Rekordtiefe Wasserstände der Donau zwingen Ungarns einziges Kernkraftwerk zur vollständigen Abschaltung – mitten in der größten Hitzewelle.

3. August 2026 3 Min
Ungarn drohen Stromausfälle: Donau-Dürre zwingt Kernkraftwerk Paks zur Abschaltung

Ungarn steht vor einer beispiellosen Energiekrise. Das Kernkraftwerk Paks, das bis zu 40 Prozent des ungarischen Stroms erzeugt, muss wegen rekordtiefer Wasserstände der Donau vollständig abgeschaltet werden. Das 2-Gigawatt-Kraftwerk ist zur Kühlung auf den Fluss angewiesen und verfügt über keine alternative Wasserversorgung – ein fataler Umstand ausgerechnet in den heißesten Tagen des Jahres.

Premierminister Péter Magyar wandte sich am Sonntag in einer Videobotschaft an die Bevölkerung und warnte eindringlich: „Wir stehen vor den fünf kritischsten Tagen. Ab morgen wird das Kernkraftwerk Paks die Stromerzeugung einstellen, genau dann, wenn die heißesten Tage mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius bevorstehen. Unser Stromsystem, unsere öffentlichen Versorgungsbetriebe und wir alle werden unter enormen Druck geraten."

Der Betreiber des Kraftwerks bestätigte, dass er sich auf eine kontrollierte Abschaltung des letzten in Betrieb befindlichen Reaktors vorbereite. Magyar betonte ausdrücklich, dass von der kontrollierten Abschaltung kein Sicherheitsrisiko ausgehe. Das in den 1980er Jahren mit sowjetischer Technologie errichtete Kraftwerk musste bisher noch nie vollständig vom Netz genommen werden.

Regierung greift zu Notmaßnahmen

Bereits am Samstag erließ die Regierung ein Dekret, das es ihr erlaubt, die Energieversorgung der größten Industriekunden zu drosseln, falls das Stromnetz unter unhaltbaren Druck gerät. Magyar erklärte, ein Krisenstab werde noch am Sonntag zusammentreten, um zu entscheiden, ob „ab morgen obligatorische Strombeschränkungen für große Industrienutzer auferlegt werden müssen". Solche Maßnahmen sollen jedoch nur als letztes Mittel eingesetzt werden.

Parallel dazu hat die Regierung ein Bündel an Energiesparmaßnahmen eingeführt. Dazu gehören:

  • Einstellung des Schienengüterverkehrs während der Stoßzeiten
  • Geschwindigkeitsreduzierungen für Züge zur Stromeinsparung
  • Abschalten der dekorativen Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden

Magyar appellierte zudem an Unternehmen und Haushalte, den Stromverbrauch zu senken – insbesondere durch die Reduzierung von Klimaanlagen und das Verschieben des Ladens von Elektrofahrzeugen auf Zeiten außerhalb der Abendstunden, wenn das Netz am stärksten belastet ist.

Solarenergie hilft tagsüber – aber nicht nachts

Ungarn hat in den vergangenen Jahren rund 8 Gigawatt an Solarkapazität installiert. Tagsüber deckte Solarenergie laut Daten des Netzbetreibers MAVIR zeitweise bis zu 80 Prozent des ungarischen Stromverbrauchs. Sobald die Sonne jedoch untergeht, muss Budapest alle fossilen Kraftwerke hochfahren und Strom aus einem bereits angespannten regionalen Markt importieren – zu hohen Preisen.

Die Krise betrifft nicht nur Ungarn. Das rumänische Kernkraftwerk Cernavodă, das ebenfalls die Donau zur Kühlung nutzt, steht ebenfalls vor einer kontrollierten Abschaltung. Am Rhein haben extreme Hitze und Dürre die Pegelstände auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gedrückt, was einen der wichtigsten Handelskorridore Deutschlands stört und Hersteller zur Produktionsdrosselung zwingt.

Wirtschaftliche Folgen könnten gravierend sein

Die wirtschaftlichen Konsequenzen für Ungarn dürften erheblich sein. Experten erwarten, dass Unternehmen die Produktion einstellen müssen, die landwirtschaftliche Erzeugung außergewöhnlich schwach ausfallen wird und teure Stromimporte die Inflation anheizen könnten. Dies würde den Spielraum der ungarischen Zentralbank für Zinssenkungen zur Wachstumsförderung weiter einschränken.

Besonders brisant ist die Lage für den Staatshaushalt. Das Haushaltsdefizit des Landes war bereits vor den Notmaßnahmen auf dem Weg, 8 Prozent des BIP zu erreichen – ein Wert, der durch die kumulativen Auswirkungen von Hitze und Dürre noch weiter steigen dürfte. Der frühere Premierminister Viktor Orbán hatte die Fiskalpolitik vor den Wahlen gelockert und damit die Ausgangslage verschlechtert. Der ungarische Forint, Anfang des Jahres noch eine der weltweit am besten abschneidenden Währungen, fiel Ende der Woche gegenüber dem Euro auf ein Dreimonatstief.

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