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UNHCR plant weiteren Stellenabbau wegen drastisch sinkender Finanzmittel

Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet 2026 mit 15% weniger Mitteln und kündigt dringende Reformen sowie weitere Entlassungen an.

UNHCR plant weiteren Stellenabbau wegen drastisch sinkender Finanzmittel

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) steht vor einer schweren Finanzkrise. Hochkommissar Barham Salih warnte die Mitgliedstaaten in einem Brief vom 15. Mai, die Organisation habe „keine Wahl" als weitere Stellen abzubauen und dringende Reformen einzuleiten. Für das Jahr 2026 rechnet das UNHCR mit verfügbaren Mitteln von knapp über 3 Milliarden US-Dollar – rund 15% weniger als im Jahr 2025.

Die Lage ist bereits jetzt angespannt: Im Jahr 2025 verzeichnete die Behörde einen Rückgang der verfügbaren Mittel um etwa 30% gegenüber 2024. Als Hauptursache nennt Salih gekürzte Beiträge der Vereinigten Staaten und anderer Geberländer sowie die Umschichtung von Mitteln in den Verteidigungssektor. Das UNHCR finanziert sich hauptsächlich über freiwillige Spenden und ist damit besonders anfällig für politische Kurswechsel bei seinen Geldgebern.

Hunderte Mitarbeiter ohne feste Stelle

Besonders problematisch ist die aktuelle Personalsituation innerhalb der Organisation. Es gibt deutlich mehr internationales Personal als verfügbare Stellen, was bedeutet, dass hunderte Mitarbeiter zwischen zwei Positionen stehen und weiterhin bezahlt werden. „Bedauerlicherweise werden wir dann die Verträge von Mitarbeitern kündigen müssen, die bis Ende September keine Stelle finden konnten", erklärte Salih in dem Reuters vorliegenden Schreiben.

Diese Situation verursacht der Organisation erhebliche Zusatzkosten. Salih bezifferte den finanziellen Schaden auf etwa 185 Millionen US-Dollar für den Zeitraum 2026 bis 2028. „Diese Situation ist weder finanziell noch operativ tragbar", schrieb der Hochkommissar weiter. Bereits im vergangenen Jahr hatte das UNHCR den Abbau tausender Stellen angekündigt.

Die Krise trifft das UNHCR zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Weltweit steigt die Zahl der durch Krieg und Verfolgung vertriebenen Menschen weiter an. Die Organisation betreut unter anderem Menschen in der Ukraine, im Sudan und in anderen Konfliktregionen. Der wachsende Bedarf steht damit in einem dramatischen Widerspruch zu den schrumpfenden Ressourcen.

Zweckgebundene Spenden verschärfen die Krise

Ein weiteres strukturelles Problem verschärft die Lage zusätzlich: der wachsende Anteil streng zweckgebundener Spenden. Solche Mittel, über die das UNHCR nicht frei verfügen kann, stiegen von 24% der Einnahmen im Jahr 2024 auf 44% im Jahr 2025. Für 2026 erwartet Salih, dass dieser Anteil die 50%-Marke überschreiten wird. Der Hochkommissar forderte die Geberländer daher auf, flexiblere Finanzmittel bereitzustellen.

Das UNHCR ist mit seiner Notlage nicht allein unter den UN-Organisationen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte angekündigt, ihre Belegschaft bis Mitte dieses Jahres um fast ein Viertel – mehr als 2.000 Stellen – zu reduzieren, nachdem die USA ihren Rückzug als größter Geldgeber erklärt hatten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus teilte den Mitgliedern zuletzt jedoch mit, dass sich die finanzielle Lage stabilisiert habe und 90% des Budgets für die nächsten zwei Jahre bereits finanziert seien.

Für das UNHCR hingegen bleibt die Lage ernst. „Es wird immer deutlicher, dass unsere prognostizierte finanzielle Lage für dieses Jahr dringende Schritte erfordert", betonte Salih in seinem Schreiben. Wie viele Stellen konkret abgebaut werden sollen, ließ die Organisation zunächst offen. Eine Anfrage von Reuters um Stellungnahme blieb am Montag zunächst unbeantwortet.

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