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UniCredit nähert sich Mehrheitskontrolle bei Commerzbank trotz Widerstand

Die italienische Großbank hält nun rund 49,65 Prozent der Stimmrechte – Berlin und Commerzbank-Führung stemmen sich vehement dagegen.

UniCredit nähert sich Mehrheitskontrolle bei Commerzbank trotz Widerstand

UniCredit SpA rückt der Übernahme der Commerzbank AG immer näher. Nach Abschluss des jüngsten Übernahmeangebots am 3. Juli sicherte sich die italienische Großbank weitere 17,6 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Zusammen mit bestehenden Beteiligungen und verschiedenen Finanzinstrumenten hält UniCredit nun insgesamt rund 47,6 Prozent am Frankfurter Geldhaus.

Da Commerzbank eigene Aktien ohne Stimmrecht hält, entspricht dieser Anteil effektiv 49,65 Prozent der gesamten Stimmrechte. UniCredit selbst erklärte, das Ergebnis habe die eigenen Erwartungen übertroffen. Die physische Abwicklung der angedienteten Aktien werde zwar noch mehrere Monate in Anspruch nehmen, doch der Markt geht bereits davon aus, dass UniCredit faktisch die Kontrolle über die Bank ausübt.

Commerzbank und Berlin stemmen sich gegen die Übernahme

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt die Übernahme weiterhin formell ab. Der Vorstand signalisierte zwar die Bereitschaft zu einem „konstruktiven Dialog", besteht jedoch darauf, dass eine Fusion nur mit Zustimmung der Unternehmensführung, der Mitarbeiter und der deutschen Bundesregierung erfolgen dürfe.

Berlin bleibt das größte Hindernis. Die Bundesregierung hält einen Anteil von 12 Prozent an der Commerzbank und hat UniCreats Vorgehen als „aggressiv und feindlich" bezeichnet. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bekräftigte, dass die Regierung nicht beabsichtige, ihre Anteile an UniCredit zu verkaufen. Im Mittelpunkt der Bedenken steht die Sorge, dass eine Übernahme das weitverzweigte internationale Netzwerk der Commerzbank gefährden könnte – ein Netzwerk, das für den deutschen Mittelstand und exportorientierte Unternehmen als unverzichtbar gilt.

UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt seit rund zwei Jahren das Ziel, einen bedeutenden europäischen Bankenkonzern zu schaffen. Er stellt milliardenschwere Einsparungen in Aussicht, plant jedoch auch den Abbau von rund 7.000 Stellen. Kritiker in Deutschland ziehen Parallelen zur früheren Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch UniCredit: Jener Deal steigerte zwar die Profitabilität der Muttergesellschaft, ging aber mit erheblichem Stellenabbau und einem wahrgenommenen Bedeutungsverlust der Tochter einher.

Regulatorische Risiken und Ermittlungen in Polen

Neben dem Machtkampf im Aufsichtsrat sieht sich Commerzbank mit weiteren externen Belastungen konfrontiert. In Polen durchsuchte die Wettbewerbsbehörde UOKiK die Büros der Commerzbank-Tochter mBank sowie von ING Bank Slaski und der Kreditauskunftei BIK. Im Fokus steht die Frage, ob ein gemeinsames Kreditbewertungssystem Verbraucher bei mehrfachen Kreditanfragen benachteiligt. mBank hat den Durchsuchungsbefehl angefochten und die Vorwürfe als „unbegründet" zurückgewiesen.

Auf europäischer Ebene prüfen die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Wettbewerbsbehörden das geplante Übernahmevorhaben eingehend. Ein zentraler Punkt ist dabei die Frage, ob UniCredit bereits jetzt eine faktische Kontrolle über Commerzbank ausübt. Sollte die EZB dies bejahen, müsste UniCredit die Risiken der Commerzbank direkt in der eigenen Bilanz berücksichtigen – mit erheblichen Folgen für die Kapitalanforderungen der italienischen Bank.

Ausblick: Verhandlungen oder Eskalation?

Trotz der öffentlich zur Schau gestellten Feindseligkeit deuten Insiderberichte darauf hin, dass beide Seiten letztlich an den Verhandlungstisch gezwungen werden könnten. UniCredit hat signalisiert, dass sie bei ausreichender Aktionärsunterstützung auf der Hauptversammlung 2027 einen Wechsel im Commerzbank-Management anstreben könnte – ein Schritt, der die aktuelle Führung umgehen würde.

Der weitere Verlauf hängt maßgeblich von den Entscheidungen der Regulierungsbehörden und der Fähigkeit UniCredits ab, den politischen Widerstand in Berlin zu überwinden. Die zentrale Frage bleibt, ob eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann oder ob der Konflikt weiter eskaliert.

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