Uniper setzt trotz US-LNG-Dominanz auf globale Diversifizierung der Gasquellen
Deutschlands größter Gasimporteur will Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas durch neue Partnerschaften reduzieren.

Uniper begegnet den wachsenden Bedenken über Europas Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssiggas mit einer klaren Diversifizierungsstrategie. Carsten Poppinga, Chief Commercial Officer des Energiekonzerns, betonte auf der LNG2026-Konferenz in Doha, dass das Unternehmen seine Bezugsquellen gezielt erweitern werde. "Wir haben es nicht mit einer Regierung zu tun, sondern mit Unternehmen, die in einem bestimmten System agieren, und ich vertraue diesem System", erklärte Poppinga gegenüber Reuters.
Die Europäische Union hat ihre LNG-Importe aus den USA massiv ausgebaut: 2025 beliefen sich die Lieferungen auf fast 60 Millionen Tonnen – nahezu das Vierfache des Volumens von 2021. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge des Wegfalls russischer Gaslieferungen. Deutschland importierte 2025 insgesamt 1.031 Terawattstunden Pipeline-Gas und LNG, ein Plus von über 16 Prozent im Jahresvergleich.
Bei den deutschen Gasimporten führt Norwegen mit 44 Prozent, gefolgt von den Niederlanden mit 24 Prozent und Belgien mit 21 Prozent. Rund 10 Prozent aller Importe erfolgten über die während der Energiekrise rasch errichteten LNG-Terminals des Landes. Von diesen LNG-Mengen stammten bemerkenswerte 96 Prozent aus den Vereinigten Staaten.
Neue Partnerschaften und Märkte
Uniper hat bereits konkrete Schritte zur Diversifizierung unternommen. Im April 2025 unterzeichnete das Unternehmen einen LNG-Vertrag mit dem australischen Energiekonzern Woodside Energy. Die Lieferungen stammen sowohl aus dessen globalem Portfolio als auch aus dem Louisiana-Projekt in den USA. Poppinga kündigte an, weitere Bezugsquellen im Nahen Osten und Argentinien zu erschließen.
"Wir werden einen großen Anteil an US-LNG im Portfolio in Europa haben, daran führt kein Weg vorbei", räumte der Uniper-Manager ein. Gleichzeitig betonte er: "Das Einzige, was ich sage, ist, dass man diese Diversifizierung braucht. Man muss Partner aus verschiedenen Regionen der Welt haben." Die genaue Gewichtung müsse jedes Unternehmen individuell festlegen.
Marktausblick bleibt optimistisch
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Zur AktienanalyseTrotz Befürchtungen eines LNG-Angebotsüberschusses durch neue Projekte aus den USA und Katar bis 2029 zeigt sich Poppinga zuversichtlich. Er erwartet eine "Neuausbalancierung" des Marktes, wobei die steigende Nachfrage in Asien zusätzliche Mengen aufnehmen sollte. Für längerfristige europäische Gaspreise prognostiziert er eine Stabilisierung bei etwa 20 bis 25 Euro pro Megawattstunde.
"Es mag einige Zeit dauern, aber ich glaube nicht an einen strukturellen, langanhaltenden Angebotsüberschuss", erklärte der Uniper-Manager. Diese Einschätzung unterstreicht das Vertrauen des Konzerns in die wirtschaftliche Vernunft von US-LNG als kostengünstigste Lösung, ohne dabei die Notwendigkeit strategischer Diversifizierung aus den Augen zu verlieren.


