Unruhen und Krisen erschüttern Bangladeschs Textilindustrie
Deutsche Modehändler kämpfen mit Lieferverzögerungen und steigenden Produktionskosten

Die Unruhen in Bangladesch, die durch zunächst friedliche Studierenden-Proteste Ende Juni ausgelöst wurden und Anfang August eskalierten, haben das Land nachhaltig erschüttert. Über 600 Menschen verloren ihr Leben, darunter auch Textilarbeiterinnen. Die politische Situation im Land ist weiterhin angespannt, nachdem die langjährige Regierungschefin Sheikh Hasina nach Indien geflohen ist und nun der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus eine Übergangsregierung führt. Obwohl viele Textilfabriken ihre Produktion wieder aufgenommen haben, ist der Alltag in Bangladesch, dem achtgrößten Land der Erde nach Einwohnerzahl, noch weit von Normalität entfernt. Proteste setzen sich fort, und die Infrastruktur bleibt stark beschädigt.
Die andauernden Unruhen und eine parallel verlaufende Flutkatastrophe, von der 5,7 Millionen Menschen betroffen sind, haben die Textilindustrie des Landes schwer getroffen. Diese Branche ist von enormer Bedeutung, da sie einen großen Teil der Exporte Bangladeschs ausmacht und viele westliche Modeunternehmen, darunter auch zahlreiche deutsche, von den günstigen Produktionskosten abhängig sind. Hunderte Lastwagen stehen vor dem Hafen von Chittagong, und die Lieferketten sind unterbrochen, da benötigte Materialien wie Stoffe, Garne und Chemikalien nicht ins Land gelangen. Steffen Günner, Geschäftsführer Einkauf des Dienstleisters Bay City, berichtet von gravierenden Verzögerungen in der Produktion und einem Gasmangel, der den Betrieb in den Fabriken weiter einschränkt.
Für deutsche Modehändler hat dies weitreichende Folgen. Laut Branchenschätzungen werden etwa 20 bis 25 Prozent der Waren deutscher Modeunternehmen in Bangladesch gefertigt. Unternehmen wie KiK und Zalando beziehen einen erheblichen Teil ihrer Produkte aus dem Land. Trotz der schwierigen Umstände halten die meisten Unternehmen an Bangladesch fest, was vor allem auf die niedrigen Lohnkosten und die hohe Produktionskapazität des Landes zurückzuführen ist. Gisela Burckhardt von Femnet betont, dass die Löhne in Bangladesch zu den niedrigsten weltweit gehören, was das Land weiterhin attraktiv für die Modeindustrie macht.
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Zur AktienanalyseDie Unruhen und die wirtschaftlichen Herausforderungen werden jedoch langfristige Folgen haben. Steigende Produktionskosten und höhere Kreditanforderungen an Fabrikbesitzer werden laut Experten zu Preissteigerungen führen. Die Inflation im Land liegt bereits bei zwölf Prozent, und eine kürzlich beschlossene Mindestlohnerhöhung um 56,25 Prozent ab Dezember wird die Produktionskosten weiter in die Höhe treiben. Hinzu kommen steigende Transportkosten, insbesondere bei der Luftfracht, die in vielen Fällen bereits den Warenwert übersteigen. Experten sind sich einig, dass die aktuellen Preise langfristig nicht haltbar sind.


