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US-Aktien vs. China: Warum Amerika die Nase vorn hat

KI-Investitionen und starke Industrie treiben US-Märkte, während schwache Binnennachfrage Chinas Wirtschaft weiter bremst.

US-Aktien vs. China: Warum Amerika die Nase vorn hat

Investing.com – Die Schere zwischen den US-amerikanischen und chinesischen Aktienmärkten klafft immer weiter auseinander. Während KI-Investitionen und eine anziehende Industrietätigkeit die US-Märkte beflügeln, leidet China unter schwacher Binnennachfrage und einer anhaltenden Immobilienkrise. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Yardeni Research.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der MSCI China Index bewegt sich seit 2010 weitgehend seitwärts. Der MSCI U.S. Index legte im gleichen Zeitraum hingegen etwa das Siebenfache zu. Noch drastischer fällt der Vergleich bei Technologieaktien aus: Der Invesco China Technology ETF stagniert seit der globalen Finanzkrise, während der Invesco QQQ ETF um das rund Siebzehnfache gestiegen ist.

Chinas strukturelle Schwächen

Die Ursachen für die chinesische Underperformance sind vielschichtig. Die Immobilienkrise und ein dauerhaft schwaches Verbrauchervertrauen gelten als zentrale Belastungsfaktoren für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Konsumstimmung hat sich bislang nicht auf das Niveau vor der Pandemie erholt.

Besonders alarmierend: Das reale Wachstum der chinesischen Einzelhandelsumsätze sank im April um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der erste negative Wert außerhalb der Pandemiezeit. Gleichzeitig stieg die Industrieproduktion um 4,1 Prozent. Diese Kombination aus schwachem Konsum und wachsender Fabrikproduktion hat zu erheblichen industriellen Überkapazitäten geführt.

Die Folge: Chinesische Hersteller sind zunehmend auf Exporte angewiesen, um ihre Produktion abzusetzen. Auch der Kreditmarkt sendet Warnsignale. Das Wachstum der Bankkredite verlangsamte sich im Mai auf 5,5 Prozent – das schwächste Tempo seit dem Jahr 2001. Dies unterstreicht die gedämpfte Binnennachfrage zusätzlich.

USA profitieren von KI-Boom und Industrieaufschwung

In den Vereinigten Staaten zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die Industrieproduktion tendiert seit Mitte 2024 nach oben. Zwar stieg die Produktion im Mai nur um 0,1 Prozent, doch technologiebezogene Branchen stützten das Wachstum spürbar. Halbleiter und andere High-Tech-Fertigungssektoren zählten zu den stärksten Treibern.

Ein zentraler Wachstumsmotor ist die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 hat sich die Technologieproduktion merklich beschleunigt. Die wachsende Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren gilt zudem als langfristiger Treiber für Versorgungsunternehmen und Stromerzeuger – ein Sektor, der von Investoren zunehmend in den Blick genommen wird.

Zusätzlichen Rückenwind könnten höhere Verteidigungsausgaben liefern. Die Trump-Administration strebt an, die Militärausgaben im kommenden Jahr zu erhöhen, was der heimischen Industrieproduktion weiteren Auftrieb geben dürfte.

Für deutsche Anleger verdeutlicht die Analyse von Yardeni Research, wie unterschiedlich die strukturellen Wachstumstreiber in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt aufgestellt sind. Während die USA von einem technologiegetriebenen Investitionszyklus profitieren, kämpft China mit hausgemachten Nachfrageproblemen – und ein schnelles Ende dieser Divergenz ist derzeit nicht in Sicht.

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