US-Anleiherenditen fallen nach Nahostkonflikt-Waffenstillstand deutlich
Ein zweiwöchiger Waffenstillstand im Nahostkonflikt lässt Anleiherenditen und Ölpreise massiv einbrechen.

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind am Mittwoch kräftig gefallen, nachdem ein zweiwöchiger Waffenstillstand im Nahostkonflikt bekannt gegeben wurde. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe – die Benchmark für die staatliche Kreditaufnahme – brach um rund 10 Basispunkte auf 4,24 Prozent ein. Anleger schichteten verstärkt in US-Anleihen um, was die Kurse steigen und die Renditen sinken ließ.
Auch die übrigen Laufzeiten gaben deutlich nach. Die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe, die sich eng an den kurzfristigen Zinsentscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve orientiert, sank um 10,1 Basispunkte auf 3,732 Prozent. Die 30-jährige Staatsanleihe verlor 7 Basispunkte und rentierte zuletzt bei 4,843 Prozent. Zur Erinnerung: Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent – also einem Hundertstel von einem Prozent. Renditen und Anleihekurse entwickeln sich dabei stets gegenläufig.
Waffenstillstand beendet fünfwöchigen Konflikt
Der Rückgang der Kreditkosten steht im direkten Zusammenhang mit nachlassenden Inflationssorgen, die der rund fünf Wochen andauernde Konflikt ausgelöst hatte. Gemäß den Bedingungen der Vereinbarung hat US-Präsident Donald Trump zugestimmt, die Angriffe auf die iranische Infrastruktur einzustellen. Im Gegenzug wird Teheran die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus „in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften" gewährleisten, wie der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einer offiziellen Erklärung mitteilte.
Die Straße von Hormus gilt als eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch diese enge Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel wird ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels abgewickelt. Eine Blockade dieser Wasserstraße hätte massive Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung und damit auf die Inflation.
Ölpreise brechen massiv ein
Mit dem Ende der Feindseligkeiten kehrten die Energiepreise rasch ihren Kurs um. Die weltweite Referenzsorte Brent fiel im frühen Handel unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel und notierte bei 93,78 Dollar – ein Rückgang von 14,2 Prozent. Die US-amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) verlor sogar 16 Prozent und sank auf 94,77 Dollar pro Barrel. Dieser drastische Preisrückgang bei Rohöl dürfte den Inflationsdruck in den kommenden Wochen spürbar dämpfen.
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist dieser Rückgang von besonderer Bedeutung, da sinkende Energiepreise die Inflation in der Eurozone ebenfalls entlasten könnten. Der Ölpreis ist ein zentraler Treiber der Gesamtinflation und beeinflusst sowohl Kraftstoffpreise als auch die Produktionskosten vieler Unternehmen.
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Zur AktienanalyseBlick auf Fed-Protokoll und Inflationsdaten
Am späteren Mittwoch wird das Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) veröffentlicht. Investoren werden die Mitschriften genau analysieren, um ihre Erwartungen an weitere Zinssenkungen der Fed neu zu kalibrieren. Ebenfalls im Tagesverlauf erscheinen die neuesten Daten der Mortgage Bankers Association zum 30-jährigen Festzins – ein wichtiges Barometer für die Erschwinglichkeit von Wohnraum in den USA.
Die monatlichen und jährlichen Kerninflationsdaten für März werden am Freitag veröffentlicht. Diese Zahlen dürften zeigen, inwieweit der Konflikt der vergangenen Wochen bereits Spuren in den Verbraucherpreisen hinterlassen hat – und wie stark der nun eingetretene Waffenstillstand die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten beeinflussen könnte.


