US-Anleiherenditen steigen: Fed-Vertreter fordern weitere Zinserhöhungen
Steigende Ölpreise und hawkishe Fed-Signale treiben die Renditen amerikanischer Staatsanleihen am Freitag deutlich nach oben.

Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind am Freitag spürbar gestiegen. Ausschlaggebend waren steigende Ölpreise sowie Aussagen mehrerer Fed-Vertreter, die sich für weitere Zinserhöhungen aussprachen, um die Inflation zu bekämpfen. Der Markt reagierte damit auf ein Bündel von Signalen, das die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve widerspiegelt.
Um 8:40 Uhr ET kletterte die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe um knapp 2 Basispunkte auf 5,225 Prozent. Die richtungsweisende 10-jährige Staatsanleihe legte um mehr als 3 Basispunkte auf 4,696 Prozent zu. Besonders deutlich war der Anstieg bei der 2-jährigen Schatzanleihe, deren Rendite um mehr als 5 Basispunkte auf 4,283 Prozent stieg. Zur Erinnerung: Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent – und Renditen bewegen sich stets entgegen den Anleihekursen.
Fed-Abstimmung: Drei Mitglieder votieren für Zinserhöhung
Der Renditeanstieg steht in direktem Zusammenhang mit der jüngsten Sitzung der US-Notenbank. Am Mittwoch hatte die Fed mit 9 zu 3 Stimmen beschlossen, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert zu lassen. Die drei überstimmten Mitglieder sprachen sich am Freitag öffentlich für Zinserhöhungen aus, um die nach wie vor erhöhte Inflation einzudämmen. Solche dissidenten Stimmen innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) werden von den Märkten stets aufmerksam beobachtet, da sie die künftige Richtung der Geldpolitik andeuten können.
Unterstützung für eine restriktivere Geldpolitik lieferten auch die jüngsten Inflationsdaten. Der Kern-PCE-Index – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, das Nahrungsmittel und Energie ausklammert – stieg im Monatsvergleich um 0,1 Prozent und im Jahresvergleich um 3,3 Prozent. Damit liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent. Von Dow Jones befragte Ökonomen hatten beim Monatsanstieg 0,2 Prozent erwartet, beim Jahreswert lagen sie mit 3,3 Prozent genau richtig.
Schwaches BIP-Wachstum trübt das Bild
Gleichzeitig zeigen die Konjunkturdaten eine nachlassende Wirtschaftsdynamik. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal lediglich um 1,5 Prozent – und blieb damit hinter der Konsensschätzung von Dow Jones in Höhe von 1,8 Prozent zurück. Diese Kombination aus hartnäckiger Inflation und schwächerem Wachstum stellt die Fed vor ein klassisches Dilemma: Zu starke Zinserhöhungen könnten die Konjunktur weiter abwürgen, während ein zu zögerliches Vorgehen die Inflation verfestigen könnte.
Für den weiteren Verlauf des Freitags stehen noch wichtige Wirtschaftsdaten auf dem Programm. Erwartet werden der Arbeitskostenindex für das zweite Quartal sowie die Zahlen zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan. Beide Indikatoren dürften weitere Hinweise auf den Zustand der US-Wirtschaft und die Stimmung der Konsumenten liefern.
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Zur AktienanalyseBlick auf die kommende Woche
In der nächsten Woche rücken die Arbeitsmarktdaten in den Fokus der Anleger. Auf dem Programm stehen der JOLTs-Bericht zu den offenen Stellen für den Monat Juni sowie der viel beachtete Bericht über die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft – die sogenannten Nonfarm Payrolls – für den Monat Juli. Diese Daten gelten als wichtige Indikatoren für die Stärke des US-Arbeitsmarkts und werden maßgeblich beeinflussen, wie die Fed ihre nächsten geldpolitischen Schritte gestaltet. Für deutsche Anleger mit Engagements in US-Anleihen oder Dollar-Positionen bleibt die Entwicklung der amerikanischen Geldpolitik damit ein zentrales Thema.

