US-Arbeitsmarkt: 70.000 neue Jobs im Januar erwartet – Arbeitslosenquote stabil
Beschäftigungswachstum nimmt zu, doch Handelspolitik und Einwanderungsbeschränkungen bremsen weiterhin die Neueinstellungen.

Der US-Arbeitsmarkt hat im Januar voraussichtlich an Dynamik gewonnen. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen dürften außerhalb der Landwirtschaft rund 70.000 neue Stellen entstanden sein, nach 50.000 im Dezember. Die Arbeitslosenquote wird stabil bei 4,4 Prozent erwartet. Der ursprünglich für letzten Freitag geplante Arbeitsmarktbericht des US-Arbeitsministeriums verzögerte sich aufgrund des dreitägigen Government Shutdown.
Der moderate Stellenzuwachs geht vor allem auf geringere Entlassungen in saisonabhängigen Branchen zurück. Einzelhandel und Lieferdienste hatten zur Weihnachtszeit weniger Aushilfen eingestellt als üblich. Da im Januar traditionell die meisten feiertagsbedingten Kündigungen erfolgen, fielen diese nun entsprechend niedriger aus. Die Schätzungen der befragten Ökonomen reichen von einem Verlust von 10.000 bis zu einem Zuwachs von 135.000 Stellen.
Die Handelspolitik der Trump-Regierung belastet den Arbeitsmarkt weiterhin erheblich. Die anhaltende Unsicherheit über Importzölle bremst Neueinstellungen, während eine strengere Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen das Arbeitskräfteangebot einschränkt. "Die Menschen verlassen weiterhin das Land. Ich denke, das hat einige der Beschäftigungszahlen belastet", erklärt Ron Hetrick, leitender Arbeitsmarktökonom bei Lightcast.
Bevölkerungswachstum auf Rekordtief
Das US Census Bureau meldete letzte Woche einen dramatischen Rückgang des Bevölkerungswachstums. In dem im Juni 2025 endenden Jahr stieg die Einwohnerzahl lediglich um 1,8 Millionen Personen oder 0,5 Prozent auf 341,8 Millionen. Dies ist der niedrigste prozentuale Zuwachs seit Jahrzehnten. Ökonomen schätzen, dass die Wirtschaft monatlich nur noch 10.000 bis 50.000 neue Stellen schaffen muss, um mit dem Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter Schritt zu halten.
Die Federal Reserve dürfte angesichts dieser Entwicklung ihre abwartende Haltung beibehalten. Im vergangenen Monat beließ die US-Notenbank ihren Leitzins in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Eine stabile Arbeitslosenquote könnte dazu führen, dass die Fed bis zum Ende der Amtszeit von Notenbankchef Jerome Powell im Mai keine Zinsänderungen vornimmt.
Technische Anpassungen belasten Statistik
Mit dem Januar-Bericht nimmt das Bureau of Labor Statistics wichtige methodische Änderungen vor. Das sogenannte Birth-and-Death-Modell, mit dem Arbeitsplatzgewinne durch Unternehmensgründungen oder -verluste durch Schließungen geschätzt werden, wird aktualisiert. Dieses Modell stand in der Vergangenheit in der Kritik, weil es die Beschäftigtenzahlen überschätzt haben soll. Ökonomen von Goldman Sachs rechnen damit, dass die Aktualisierung das Stellenwachstum um 30.000 bis 50.000 Jobs nach unten korrigieren könnte.
Zudem veröffentlicht die Behörde ihre jährliche Benchmark-Revision. Bereits im vergangenen Jahr schätzte das BLS, dass die Wirtschaft in den zwölf Monaten bis März 2025 wahrscheinlich 911.000 Stellen weniger geschaffen hat als ursprünglich angenommen. Für die aktuelle Revision erwarten Ökonomen eine Abwärtskorrektur zwischen 750.000 und 900.000 Stellen.
Lohnwachstum kühlt sich ab
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Zur AktienanalyseDas jährliche Lohnwachstum dürfte sich im Januar weiter abgekühlt haben. "Die Löhne kühlen ab, es ist schwieriger, einen Job zu finden, wenn man seinen verliert, und es ist schwieriger, eine Stelle zu bekommen, wenn man ein frischgebackener Absolvent ist", warnt Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG. Sie spricht von einem "weitgehend eingefrorenen Arbeitsmarkt", obwohl die Wirtschaft auf dem Papier robust wachse.
Die Unsicherheit über Importzölle bleibt ein zentrales Problem für Unternehmen. Trumps Drohung im vergangenen Monat mit zusätzlichen Zöllen gegen europäische Verbündete wegen der Grönland-Frage sowie die Ankündigung, Venezuela unter vorübergehende amerikanische Kontrolle zu stellen, sorgen für zusätzliche Verunsicherung. "Jedes Mal, wenn sich ein Zoll ändert, müssen Unternehmen ihre Inputkosten für die von ihnen hergestellten Produkte neu kalkulieren", erklärt Hetrick.
Ökonomen erwarten dennoch, dass Steuersenkungen die Neueinstellungen im Jahresverlauf ankurbeln werden. Die Sorge um Arbeitsplätze und die hohe Inflation haben allerdings die Zustimmung der Amerikaner zu Präsident Trumps Wirtschaftspolitik untergraben.


