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US-Arbeitsmarktbericht im Fokus: Zinspfad und KI-Aktien entscheiden

Der Mai-Jobsbericht, Broadcom-Quartalszahlen und steigende Inflation bestimmen die Richtung an der Wall Street.

US-Arbeitsmarktbericht im Fokus: Zinspfad und KI-Aktien entscheiden

Die Wall Street blickt auf eine ereignisreiche Woche: Der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für Mai wird am 5. Juni veröffentlicht und könnte die Weichen für die künftige Geldpolitik der Federal Reserve stellen. Gleichzeitig testen die Quartalsergebnisse von Broadcom (AVGO) die Stärke des boomenden KI-Sektors. Der S&P 500 hat im bisherigen Jahresverlauf bereits mehr als 10% zugelegt.

Technologieaktien haben den Markt zuletzt wieder nach oben geführt. Nachdem Tech-Werte und andere Megacaps im März stark unter Druck geraten waren, trieben starke Gewinnprognosen rund um den KI-Boom die Erholung an. „Diese Gruppe erlebte eine deutliche Korrektur", erklärte Chuck Carlson, Chief Executive Officer bei Horizon Investment Services. „Was diesen Markt wirklich angetrieben hat, war die Tatsache, dass Anleger die wiederhergestellten Bewertungen in dieser Gruppe betrachteten, sahen, dass die Gewinne immer noch mit recht hohen Raten wuchsen, und begannen zu kaufen."

Inflation bleibt zentrales Risiko

Ein entscheidender Faktor für die Marktentwicklung ist die anhaltend hohe Inflation. Daten vom Donnerstag zeigten, dass der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) in den zwölf Monaten bis April um 3,8% stieg – der stärkste Anstieg seit Mai 2023. Als Treiber gelten höhere Energiepreise infolge des seit drei Monaten andauernden Iran-Krieges. Die Federal Reserve orientiert sich an den PCE-Inflationskennzahlen für ihr 2%-Ziel.

Liz Ann Sonders, Chef-Anlagestrategin am Schwab Center for Financial Research, bringt die Lage auf den Punkt: „Sollte ein robuster Arbeitsmarktbericht zusammen mit weiter steigenden Inflationszahlen veröffentlicht werden, würde dies meiner Meinung nach den Ausblick für die Fed-Politik weiter verändern." Sie ergänzt: „Wäre der Bericht schwächer als erwartet, könnte dies die Befürchtungen zerstreuen, dass die Fed zu einem restriktiveren Kurs übergehen muss."

Laut einer Reuters-Umfrage rechnen Analysten für den Mai-Beschäftigungsbericht mit einer Arbeitslosenquote von 4,3% und einem Stellenzuwachs von 96.000. Angelo Kourkafas, Senior Global Investment Strategist bei Edward Jones, warnt: Ein Zuwachs von mehr als 150.000 Stellen könnte für Aktien problematisch werden, falls dies Befürchtungen über eine „überhitzte" Wirtschaft schürt – und damit auch die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben treibt.

Broadcom als Stimmungstest für den KI-Sektor

Kourkafas verweist zugleich auf das GDPNow-Modell der Atlanta Federal Reserve, das nach einem starken ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 3,8% für das zweite Quartal prognostiziert. Dies deute darauf hin, dass die Märkte „weniger besorgt über ein rezessives Szenario sein sollten, sondern eher darüber, ob wir von einer potenziell überhitzten Wirtschaft sprechen."

Die Quartalsergebnisse von Broadcom am Mittwoch gelten als wichtiger Stimmungstest für den gesamten Halbleitersektor. Das Unternehmen ist das sechstgrößte in den USA nach Marktkapitalisierung. Seit dem Jahrestiefststand des Marktes am 30. März ist der Philadelphia SE Semiconductor Index (SOX) um rund 80% gestiegen, Broadcom-Aktien kletterten in diesem Zeitraum um 45%. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum um 19% zu.

Anleiherenditen als Belastungsfaktor

Die Terminmärkte preisen derzeit eher eine Zinserhöhung als eine Zinssenkung in diesem Jahr ein – trotz der eindringlichen Forderungen von Präsident Donald Trump nach einer Lockerung der Geldpolitik. Die 10-jährige US-Staatsanleiherendite liegt aktuell bei etwa 4,46%. Carlson betont, dass steigende Renditen ein Risiko für Aktien darstellen, da höhere Anleiherenditen höhere Kreditkosten für Verbraucher und Unternehmen bedeuten.

Neben dem Arbeitsmarktbericht stehen in der kommenden Woche auch Berichte zur Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor auf dem Programm. Ein weiterer wichtiger Inflationsbericht in der darauffolgenden Woche wird zu den letzten Datenpunkten vor der ersten Fed-Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh am 16. und 17. Juni gehören. Auch Entwicklungen im Iran-Krieg bleiben ein Unsicherheitsfaktor, der die Vermögenspreise kurzfristig beeinflussen kann.

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