US-Börsen auf Rekordhoch: Starke Gewinne und sinkende Zinssorgen
Über 86 % der S&P 500-Unternehmen übertrafen die Erwartungen – und ein schwacher Jobsbericht dämpft die Zinsfantasien der Fed.

Die US-Aktienmärkte befinden sich in einer Phase bemerkenswerter Stärke und markieren neue Höchststände. Treiber dieser Rallye ist eine außergewöhnlich starke Berichtssaison: Mehr als 86 % der S&P 500-Unternehmen übertrafen die Erwartungen der Analysten. Der Index steuert damit auf das siebte Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum zu.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht für Juli. Die US-Wirtschaft verlor im Juli überraschend 23.000 Stellen, während Analysten mit einem Stellenzuwachs gerechnet hatten. Auch die Daten für Mai und Juni wurden deutlich nach unten korrigiert. In der Folge sanken die Renditen für US-Staatsanleihen spürbar.
Die nachlassenden Arbeitsmarktdaten verringerten zugleich den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve. Laut CME Group sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 43 bis 44 %. Dennoch bleibt der nächste Verbraucherpreisindex (CPI) ein entscheidender Indikator für die künftige Geldpolitik – Anleger beobachten ihn mit großer Aufmerksamkeit.
Rekordgewinne im S&P 500 – Energie und Tech führen das Feld an
Die Gewinne im S&P 500 stiegen insgesamt um rund 50 % – das stärkste Wachstum seit dem Jahr 2021. Besonders der Energiesektor stach hervor: Getrieben durch gestiegene Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen legte er um 147 % zu. Kommunikationsdienste verbuchten ein Plus von 117 %, zyklische Konsumgüter stiegen um 92 % und der Technologiesektor wuchs um 70 %.
Zu den herausragenden Einzelwerten zählt Microsoft, das seinen Marktwert um beeindruckende 450 Milliarden US-Dollar steigerte. Amazon profitierte von einem beschleunigten Wachstum im Cloud-Geschäft. Caterpillar verzeichnete ein Umsatzplus von 24 %, während auch Airbnb und Atlassian mit starken Ergebnissen überzeugten. Auf der Verliererseite enttäuschte Trade Desk mit verfehlten Umsatzprognosen.
Konzentration der Gewinne gibt Anlass zur Vorsicht
Trotz der positiven Stimmung mahnen Marktbeobachter zur Zurückhaltung. Phil Blancato von Osaic warnt vor der starken Konzentration des Gewinnwachstums: Allein Alphabet und Amazon waren für rund 71 % des Gesamtanstiegs verantwortlich. Ohne diese beiden Schwergewichte würde das Wachstum des S&P 500 auf lediglich 32 % sinken.
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Zur AktienanalyseHinzu kommt eine ambitionierte Bewertung des Marktes. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei etwa 28 – deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt von 22,5. Für deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder entsprechende ETFs investiert sind, bedeutet dies: Der Markt preist bereits viel Optimismus ein, was das Rückschlagpotenzial bei negativen Überraschungen erhöht.
Geopolitische Risiken und die weitere Inflationsentwicklung bleiben zentrale Unsicherheitsfaktoren. Als nächste wichtige Gradmesser für die Stabilität des Marktes gelten die kommenden Quartalsberichte von Cisco und Applied Materials. Ihre Ergebnisse dürften Aufschluss darüber geben, ob die breite Unternehmenslandschaft mit den Wachstumsraten der Tech-Giganten mithalten kann.


