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US-Bundesstaaten wollen stillgelegte Ölbohrlöcher für saubere Energie nutzen

Immer mehr US-Bundesstaaten verabschieden Gesetze zur Umwidmung maroder Bohrlöcher als Alternative zur begrenzten Bundesförderung.

US-Bundesstaaten wollen stillgelegte Ölbohrlöcher für saubere Energie nutzen

Mehrere US-Bundesstaaten treiben die Umnutzung stillgelegter Öl- und Gasbohrlöcher für saubere Energie voran. Texas und New Mexico verabschiedeten bereits im vergangenen Jahr entsprechende Gesetze, Alabama folgte in diesem Jahr. In Pennsylvania wartet ein ähnlicher Gesetzentwurf auf seine Genehmigung, und Oklahoma plant, im nächsten Jahr entsprechende Rechtsvorschriften einzuführen.

Hintergrund ist die wachsende Kritik am Förderprogramm der US-Bundesregierung, das unter der Biden-Administration zur Versiegelung stillgelegter Bohrlöcher eingerichtet wurde. Bemängelt wird, dass Steuerzahler für die Altlasten von Öl- und Gaskonzernen aufkommen müssen und die Maßnahmen nicht weit genug gehen. Die Bundesstaaten suchen daher eigene Wege, ein kostspieliges und umweltbelastendes Problem in eine neue wirtschaftliche Chance zu verwandeln.

Geothermie und Energiespeicherung als vielversprechendste Ansätze

Als praktikabelste Nutzungsformen für die umgewidmeten Bohrlöcher gelten unterirdische Energiespeicherung und Wärmeerzeugung. Eine kleinere Anzahl von Standorten eignet sich für die geothermische Stromerzeugung. Darüber hinaus werden einige Standorte auf ihre Eignung für die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung geprüft.

„Wenn wir diese Bohrlöcher so umwidmen können, dass sie wieder produktiv zur sauberen Grundlastenergie wie der Geothermie beitragen, ist das offensichtlich ein großer Gewinn", sagte der Abgeordnete Arvind Venkat, Hauptsponsor der Gesetzgebung in Pennsylvania. Sein Statement verdeutlicht die politische Motivation hinter den neuen Gesetzen: Aus einem Umweltproblem soll ein Energiegewinn werden.

Das Ausmaß des Problems: Millionen stillgelegte Bohrlöcher

Nach Angaben der US-Umweltschutzbehörde EPA gibt es in den Vereinigten Staaten etwa 4 Millionen stillgelegte Öl- und Gasbohrlöcher. Die Interstate Oil & Gas Compact Commission (IOGCC) identifizierte bis 2023 rund 141.000 sogenannte „Orphan Wells" – nicht versiegelte Bohrlöcher ohne bekannten Eigentümer. Diese herrenlosen Anlagen stellen ein besonderes Problem dar, da kein Unternehmen für ihre Sanierung verantwortlich gemacht werden kann.

Die Umweltfolgen sind erheblich: Eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift National Science Review veröffentlichte Studie ergab, dass stillgelegte Öl- und Gasbohrlöcher in den USA im Jahr 2022 rund 200.000 Tonnen Methan emittierten. Das entspricht dem jährlichen Kohlendioxidausstoß von 1,3 Millionen Autos – eine beträchtliche Klimabelastung.

Gesundheitsrisiken für Millionen Anwohner

Neben den Klimaauswirkungen bestehen erhebliche Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. Etwa 14 Millionen Menschen in den USA leben im Umkreis von einer Meile um ein dokumentiertes verwaistes Bohrloch, erklärte Adam Peltz, Direktor und leitender Anwalt bei der gemeinnützigen Organisation Environmental Defense Fund. Die Bohrlöcher können undicht werden, das Grundwasser verunreinigen und krebserregende Luftschadstoffe wie Benzol freisetzen.

Einige der Bohrlöcher stammen noch aus den Ölbooms des 19. und 20. Jahrhunderts, als es kaum Regulierungen gab. Viele sind jedoch jüngeren Datums, und ihre Stilllegung ist das Ergebnis unternehmerischer Nachlässigkeit. Obwohl die Bundesstaaten von Öl- und Gasunternehmen in der Regel verlangen, Bohrlöcher nach der Nutzung ordnungsgemäß zu versiegeln, bleibt die Durchsetzung dieser Pflicht eine anhaltende Herausforderung.

Die Initiative der Bundesstaaten zeigt, dass die USA zunehmend auf regionaler Ebene nach pragmatischen Lösungen suchen – und dabei versuchen, aus einem jahrzehntealten Umweltproblem einen Beitrag zur Energiewende zu machen.

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