US-Dienstleistungssektor wächst im Juni langsamer, Beschäftigung erholt sich
Der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor sank im Juni auf 54,0 Punkte, bleibt aber im Wachstumsbereich.

Der US-Dienstleistungssektor hat im Juni an Dynamik verloren. Das Institute for Supply Management (ISM) meldete am Montag, dass sein Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor von 54,5 Punkten im Mai auf 54,0 Punkte im Juni gesunken ist. Da jeder Wert oberhalb der 50-Punkte-Marke Wachstum signalisiert, befindet sich der Sektor weiterhin auf Expansionskurs – wenn auch mit geringerem Tempo.
Der Dienstleistungssektor ist für die US-Wirtschaft von zentraler Bedeutung: Er macht mehr als zwei Drittel der gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung aus. Ein Rückgang des PMI-Wertes ist daher ein wichtiges Signal für die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft.
Nachlassender Schwung nach Vorzieheffekten
Als wesentlicher Grund für die Abschwächung gilt das Nachlassen von Vorzieheffekten. Unternehmen hatten zuvor verstärkt Bestellungen aufgegeben, um sich gegen die Folgen des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran abzusichern. Dieser viermonatige Konflikt hatte die Rohstoffpreise, darunter auch Öl, deutlich in die Höhe getrieben. Nach der Einigung auf einen Waffenstillstand sanken die Ölpreise im vergangenen Monat wieder auf das Vorkriegsniveau, was den Preisdruck im Dienstleistungssektor etwas milderte.
Der Teilindex für Auftragseingänge spiegelt diese Entwicklung wider: Er fiel von 57,3 im Mai auf 55,1 im Juni. Die Auftragsbestände nahmen im selben Zeitraum jedoch zu. Eine ähnliche Dynamik war bereits in der ISM-Umfrage für das verarbeitende Gewerbe der Vorwoche zu beobachten gewesen.
Der Preisindex für von Dienstleistungsunternehmen gezahlte Vorleistungen sank von 71,3 im Mai auf 67,7 im Juni – ein Rückgang, der jedoch auf einem nach wie vor hohen Niveau verbleibt. Ökonomen warnen, dass die Kerninflation auch bei sinkenden Ölpreisen erhöht bleiben könnte. Als Treiber werden massive Unternehmensinvestitionen in künstliche Intelligenz genannt, die die Preise für Güter wie Halbleiter und Elektronik weiter nach oben treiben.
Lieferketten weiterhin angespannt
Die Lieferketten bleiben ein Belastungsfaktor. Der Index für Lieferzeiten sank zwar leicht von 55,2 im Mai auf 54,4 im Juni, liegt aber weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Ein Wert über 50 signalisiert in diesem Teilindex längere Lieferzeiten. Ökonomen weisen darauf hin, dass die angespannten Lieferketten in diesem Fall keine starke Nachfrage widerspiegeln, sondern strukturelle Engpässe.
Positiv stach der Beschäftigungsindex hervor: Der Teilindex für die Beschäftigung im Dienstleistungssektor stieg von 47,9 im Mai auf 51,2 im Juni und kehrte damit in den Wachstumsbereich zurück – nach drei aufeinanderfolgenden Monaten des Rückgangs. Dies deutet auf eine anhaltende Stabilität am US-Arbeitsmarkt hin, auch wenn das Beschäftigungswachstum insgesamt im Juni deutlich nachgelassen hat und Revisionen zeigten, dass der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft in den Vormonaten schwächer war als ursprünglich gemeldet.
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Zur AktienanalyseKonjunktur und Fed-Ausblick
Das Wachstumsmodell der Federal Reserve von Atlanta schätzt, dass das US-Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal mit einer annualisierten Rate von 1,2 Prozent wächst – nach einem Wachstum von 2,1 Prozent im ersten Quartal, das allerdings von nahezu stagnierenden Konsumausgaben begleitet wurde. Das schwächere Wachstum spiegelt teilweise ein größeres Handelsbilanzdefizit bei Waren wider.
Die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Aktualisierte Quartalsprognosen zeigten jedoch, dass die Entscheidungsträger mit einer weiteren Erhöhung der Kreditkosten in diesem Jahr rechnen. Die Mehrheit der Ökonomen teilt diese Erwartung. Die ISM-Daten bestärkten Beobachter in ihrer Einschätzung, dass der Arbeitsmarkt in einem Zustand von „wenig Neueinstellungen, wenig Entlassungen" verharrt – ein Gleichgewicht, das der Fed bei ihrer Zinsentscheidung Spielraum lässt.


