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US-Dollar unter Druck: Nahost-Eskalation und Inflationsdaten verunsichern Anleger

Neue US-Angriffe im Iran und ein Dreijahreshoch bei der US-Inflation belasten den Devisenmarkt und trüben die geldpolitischen Aussichten.

US-Dollar unter Druck: Nahost-Eskalation und Inflationsdaten verunsichern Anleger

Der US-Dollar geriet am Donnerstag ins Wanken, nachdem die USA eine neue Runde von Angriffen auf mehrere Ziele im Iran durchgeführt hatten. Gleichzeitig verunsicherten steigende Verbraucherpreise die Anleger hinsichtlich der künftigen Geldpolitik der Federal Reserve. Der Dollar-Index, der den Greenback gegenüber sechs wichtigen Handelspartnern misst, gab auf 99,903 nach.

Die Devisenmärkte zeigten sich in dieser Woche insgesamt verhalten. Eine erneute Spirale von Vergeltungsschlägen zwischen den USA und dem Iran hatte die Hoffnungen auf ein baldiges Friedensabkommen im Nahen Osten zunichtegemacht. Präsident Donald Trump drohte mit weiteren Angriffen, sollte kein Friedensabkommen zustande kommen.

Märkte zeigen Nachrichtenmüdigkeit

Trotz der Eskalation fiel die Marktreaktion diesmal weniger volatil aus als in der Vergangenheit. Nick Twidale, Chefmarktanalyst bei ATFX Global, kommentierte die gedämpfte Reaktion: „Wir beobachten am Markt derzeit eine gewisse Nachrichtenmüdigkeit. Eine Eskalation dieser Art hätte vor einigen Wochen wahrscheinlich dazu geführt, dass der Preis für Brent-Öl wieder über 100 Dollar pro Barrel gestiegen wäre und der Dollar kräftig zugelegt hätte."

Twidale beschrieb die zentrale Frage, die Anleger derzeit beschäftigt: „Es läuft darauf hinaus, dass sich die Märkte wieder nach etwas Gewissheit sehnen. Wird dieser Konflikt und die Schließung der Meerenge zum neuen Status quo – oder handelt es sich um eine weitere ‚Verhandlungstaktik', die die Friedenshoffnungen zurück an den Verhandlungstisch bringt?" Die jüngste Eskalation trieb dennoch die Ölpreise nach oben.

Der Euro festigte sich leicht auf 1,1547 Dollar und entfernte sich damit etwas von seinem Zehnwochentief der Vorwoche. Im Fokus stand dabei die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank, die bereit scheint, die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation anzuheben. Das Britische Pfund notierte bei 1,3379 Dollar.

US-Inflation auf Dreijahreshoch – Fed bleibt vorerst abwartend

Der US-Verbraucherpreisindex stieg in den zwölf Monaten bis Mai um 4,2 Prozent – der stärkste Zuwachs seit April 2023. Dennoch sind Ökonomen weiterhin der Ansicht, dass die Hürden für eine geldpolitische Straffung hoch liegen. Die sogenannte Kerninflation, die volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, stieg im Monatsvergleich lediglich um 0,2 Prozent, nachdem sie im April noch um 0,4 Prozent zugelegt hatte. Dies schürte Hoffnungen, dass der Preisdruck durch den Energieschock eingedämmt werden könnte.

Händler haben dennoch eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis Dezember vollständig eingepreist. Das ist eine drastische Kehrtwende gegenüber den Erwartungen von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr, die noch vor dem Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar vorherrschten. Eine deutliche Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen prognostiziert jedoch, dass die US-Notenbank die Zinsen für den Rest des Jahres 2026 unverändert lassen wird.

Tani Fukui, Senior Director für globale Wirtschafts- und Marktstrategie bei MetLife Investment Management, erklärte, die Inflationsdaten böten zwar eine gewisse Entlastung, reichten jedoch nicht aus, um die Erwartungshaltung des Marktes bezüglich weiterer Zinserhöhungen zu ändern. Es wird erwartet, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen stabil halten wird – es ist zugleich die erste Sitzung unter der Leitung von Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden.

Warsh steht vor kommunikativer Bewährungsprobe

Fukui betonte die Bedeutung der bevorstehenden Fed-Sitzung für die Marktstimmung: „Es ist wichtig, dass Warsh eine entschlossene Verpflichtung zur Inflationsbekämpfung signalisiert, da der Anleihemarkt andernfalls negativ reagieren könnte. Er muss zwar keine unmittelbar bevorstehenden Zinserhöhungen ankündigen, aber er muss verdeutlichen, dass die Inflation weiterhin eine Priorität darstellt."

Für deutsche Anleger ist die Gemengelage besonders relevant: Ein schwächerer Dollar und eine straffere EZB-Politik könnten den Euro weiter stützen, während die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten die Energiepreise und damit auch die Inflation in Europa beeinflusst. Die Kombination aus geopolitischen Risiken und geldpolitischer Unsicherheit dürfte die Devisenmärkte auch in den kommenden Wochen in Atem halten.

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