US-Einzelhandelsumsätze im Mai überraschend stark gestiegen
Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze legten im Mai um 0,9 Prozent zu und übertrafen damit deutlich die Erwartungen der Ökonomen.

Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Mai kräftiger gestiegen als erwartet. Das Census Bureau des US-Handelsministeriums meldete am Mittwoch einen Anstieg von 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert. Im April hatte der Zuwachs nach einer Abwärtsrevision bei 0,4 Prozent gelegen – ursprünglich war ein Plus von 0,5 Prozent gemeldet worden.
Ein wesentlicher Treiber des Anstiegs waren die höheren Benzinpreise, die die Einnahmen an den Tankstellen in die Höhe trieben. Die Benzinpreise waren inmitten des US-israelischen Krieges mit dem Iran auf ein Vierjahreshoch gestiegen. Inzwischen sind sie jedoch wieder zurückgegangen: Der nationale Durchschnittspreis im Einzelhandel sank in der Berichtswoche erstmals seit April unter 4 US-Dollar pro Gallone. Die USA und der Iran hatten sich am Sonntag auf Bedingungen zur Beendigung des Krieges und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus geeinigt.
Steuerrückerstattungen und Börsenrallye stützten Konsum
Neben den Benzinpreisen trugen auch Steuerrückerstattungen sowie eine Börsenrallye zu den erhöhten Konsumausgaben bei. Allerdings geschah dies auf Kosten der Ersparnisse: Die Sparquote fiel im April auf ein Vierjahrestief. Ökonomen von PNC Financial wiesen darauf hin, dass Haushalte ihre Rückerstattungen schneller ausgeben als in den Vorjahren, wobei höhere Benzinausgaben einen Großteil der Differenz ausmachen.
Besonders auffällig war dieses Muster bei einkommensschwächeren Haushalten. Laut PNC Financial haben Haushalte im untersten Quartil der Rückerstattungshöhe im Jahr 2026 bereits mehr als 60 Prozent ihrer Rückerstattungen aufgebraucht – gegenüber 43 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Da die Steuererklärungssaison nun vorbei ist und ein Großteil der Rückerstattungen aufgebraucht wurde, rechnen Analysten mit einer Verlangsamung der Konsumausgaben.
Kerndaten deuten auf solides Wachstum hin
Die sogenannten Kern-Einzelhandelsumsätze – also die Umsätze ohne Automobile, Benzin, Baumaterialien und Gastronomie – stiegen im Mai um 0,7 Prozent, nach einem Zuwachs von 0,5 Prozent im April. Diese Kennzahl gilt als verlässlichster Indikator für die Konsumausgaben im Bruttoinlandsprodukt (BIP), da sie volatile Komponenten herausrechnet.
Die Konsumausgaben insgesamt, die mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen, wuchsen im ersten Quartal mit einer annualisierten Rate von 1,4 Prozent. Die Gesamtwirtschaft legte im selben Zeitraum mit einer Rate von 1,6 Prozent zu. Der BIP-Tracker der Atlanta Fed signalisiert für das laufende Quartal ein deutlich stärkeres Wachstum von 2,8 Prozent.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFed dürfte Leitzins unverändert lassen
Für die US-Geldpolitik dürften die Einzelhandelsdaten keine unmittelbaren Konsequenzen haben. Die Federal Reserve wird ihren Leitzins voraussichtlich in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Zwar hat die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung angesichts des steigenden Preisdrucks zugenommen, doch rechnen Ökonomen in diesem Jahr nicht mit einer geldpolitischen Straffung – unter anderem mit Verweis auf die zuletzt sinkenden Ölpreise.
Für deutsche Anleger und Exporteure ist die Entwicklung des US-Konsums von besonderer Bedeutung: Die USA sind der wichtigste Einzelhandelsmarkt der Welt, und eine Abschwächung der amerikanischen Nachfrage hätte spürbare Auswirkungen auf die globale Konjunktur und damit auch auf exportorientierte deutsche Unternehmen.


