US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken trotz Iran-Kriegsrisiken
Die wöchentlichen Erstanträge fielen auf 207.000 – besser als erwartet, doch der Iran-Konflikt belastet den Ausblick erheblich.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist in der Woche zum 11. April saisonbereinigt um 11.000 auf 207.000 gesunken. Das teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Vorfeld mit 215.000 Anträgen gerechnet – der tatsächliche Wert fiel damit deutlich besser aus als prognostiziert.
Die Anträge bewegen sich damit weiterhin innerhalb ihrer diesjährigen Spanne von 201.000 bis 230.000. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich auf den ersten Blick robust, doch hinter den Zahlen wächst die Unsicherheit. Ökonomen warnen, dass der anhaltende Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran zunehmend als Belastungsfaktor wirkt.
Iran-Konflikt als wachsendes Risiko für den Arbeitsmarkt
Seit Kriegsbeginn Ende Februar sind die Ölpreise um mehr als 35 Prozent gestiegen. Die Preise für Benzin und Diesel haben stark angezogen, was sich bereits im März in höheren Verbraucher- und Erzeugerpreisen niedergeschlagen hat. Präsident Donald Trump hat zudem eine Blockade der Straße von Hormus verhängt und damit den Seehandel von und nach Iran gestoppt.
Carl Weinberg, Chefökonom bei High Frequency Economics, warnte vor den mittelfristigen Folgen: „Ab einem gewissen Punkt werden die erhöhten Energiekosten und Materialpreise die Unternehmen dazu veranlassen, Randbelegschaften zu entlassen, um ihre Gewinnmargen zu schützen." Er verwies dabei auf historische Parallelen: „Bedenken Sie, dass es beim Ölpreis-Schock von 1973 etwa drei Monate dauerte, bis die Anträge in nennenswertem Umfang zu steigen begannen."
Der Beige-Book-Bericht der Federal Reserve vom Mittwoch untermauerte diese Einschätzung. Mehrere Fed-Distrikte stellten demnach eine erhöhte Nachfrage nach Zeitarbeitern und Vertragsbediensteten fest, da Unternehmen bei der Zusage von Festanstellungen weiterhin vorsichtig blieben. Der Nahostkonflikt wurde in dem Bericht ausdrücklich „als eine Hauptquelle der Unsicherheit angeführt, die die Entscheidungsfindung in Bezug auf Einstellungen, Preisgestaltung und Kapitalinvestitionen erschwerte, wobei viele Unternehmen eine abwartende Haltung einnahmen."
Folgeanträge steigen – Junge Erwachsene besonders betroffen
Die sogenannten Folgeanträge – also die Zahl der Personen, die nach der ersten Woche weiterhin Arbeitslosenhilfe beziehen – stiegen in der Woche zum 4. April um 31.000 auf 1,818 Millionen. Dieser Indikator gilt als Maßstab für die Dynamik bei Neueinstellungen. Die Folgeanträge sind zwar von den hohen Ständen des Vorjahres zurückgegangen, was jedoch teilweise darauf zurückzuführen sein dürfte, dass Betroffene ihren Leistungsanspruch erschöpft haben – in den meisten US-Bundesstaaten ist dieser auf 26 Wochen begrenzt.
Besonders angespannt ist die Lage für junge Erwachsene. Die Arbeitslosenquote der 20- bis 24-Jährigen lag im März bei 6,4 Prozent – deutlich über der Gesamtarbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Die offiziellen Daten erfassen zudem keine arbeitslosen jungen Erwerbstätigen mit begrenzter oder keiner Erwerbshistorie, was die tatsächliche Lage dieser Gruppe noch schwieriger erscheinen lässt.
Fed behält Spielraum – Märkte reagieren verhalten positiv
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Zur AktienanalyseDer Arbeitsmarkt befand sich bereits vor dem Krieg in einer Art Wartestellung. Ökonomen führten dies auf die Unsicherheit durch Trumps weitreichende Importzölle und Massendeportationen zurück. Der Nahostkonflikt füge nun lediglich eine weitere Ebene der Unsicherheit hinzu.
Eine anhaltende Stabilität am Arbeitsmarkt dürfte der Federal Reserve nach Einschätzung von Experten Spielraum geben, die Zinssätze vorerst unverändert zu lassen. Die US-Notenbank beließ ihren Leitzins im vergangenen Monat in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidungsträger beobachten dabei genau, welche Inflationsfolgen der Krieg langfristig mit sich bringt.
An den Finanzmärkten reagierten Anleger verhalten positiv auf die Daten: Die US-Aktienmärkte eröffneten leicht im Plus, der Dollar legte gegenüber einem Korb von Währungen zu, und die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen.


