US-Handelsminister Lutnick nennt Kanada „miserabel" und attackiert USMCA
US-Handelsminister Howard Lutnick verschärft den Ton gegenüber Kanada und bezeichnet das gemeinsame Handelsabkommen als „schlechten Deal".

US-Handelsminister Howard Lutnick hat Kanada im Vorfeld neuer Handelsgespräche scharf kritisiert. Bei einer Medienveranstaltung von Semafor in Washington bezeichnete er das US-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) als „schlechten Deal", der grundlegend überarbeitet werden müsse. Berichte, wonach Kanada die Gespräche verzögere, seien „die schlechteste Strategie, die ich je gehört habe. Sie sind miserabel", so Lutnick.
Präsident Donald Trump sei der Ansicht, das USMCA müsse „neu überdacht und korrekt neu konzipiert" werden, wenn im Juli neue Verhandlungen beginnen, erklärte Lutnick weiter. Zudem sagte er: „[Premierminister Mark] Carney hat ein Problem mit uns." Ein Sprecher des Handelsministeriums erklärte anschließend, Lutnick sei falsch zitiert worden. „Minister Lutnick beschrieb unser unfaires Handelsungleichgewicht mit Kanada und erklärte, wie Kanada von unserer 30 Billionen US-Dollar schweren Wirtschaft schmarotzt", so der Sprecher.
Das USMCA war 2020 unter Trump selbst unterzeichnet worden, um das frühere Nafta-Abkommen zu ersetzen. Die nun angekündigte Neuverhandlung markiert eine deutliche Kehrtwende gegenüber dem eigenen handelspolitischen Erbe der ersten Trump-Amtszeit.
Kanadischer Boykott trifft US-Wirtschaft hart
Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich seit Trumps Rückkehr an die Macht im Januar 2025 erheblich verschlechtert. Trump hatte einen Handelskrieg entfacht, Strafzölle gegen den engsten Verbündeten verhängt und Kanada wiederholt als den „51. Bundesstaat" der USA bezeichnet. Als Reaktion darauf starteten kanadische Verbraucher einen breiten Boykott amerikanischer Produkte und Reiseziele.
Der kanadische Konsumboykott kostet die USA allein im Warenhandel monatlich mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Die US-Warenexporte nach Kanada beliefen sich im Jahr 2025 auf insgesamt 336,5 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 3,8 Prozent oder 13,4 Milliarden US-Dollar gegenüber 2024, wie der US-Handelsbeauftragte Ende März berichtete.
Die stille Revolte in Kanada zeigt sich in vielen Bereichen: „Made in Canada"-Schilder in Geschäften, „Canada is not for sale"-Hüte und die Kündigung von Verträgen mit Elon Musks Starlink durch Provinzregierungen. Amerikanische Produkte, insbesondere Alkohol, werden in den meisten staatlich geführten Läden nicht mehr verkauft. Kenneth Frankel, Präsident des Canadian Council for the Americas, sagte: „Die kanadischen Verbraucher treffen ihre Wahl und fühlen sich durch ihre Entscheidungen gestärkt."
Tourismuseinbruch und Milliardenverluste
Kanada ist die wichtigste Quelle für internationale Besucher in den USA. Im Jahr 2024 verzeichneten die USA 20,4 Millionen Besuche aus Kanada, die laut dem US-Reiseverband Ausgaben in Höhe von 20,5 Milliarden US-Dollar generierten. Doch diese Zahlen sind seit Trumps Machtantritt stark rückläufig. Die Royal Bank of Canada berichtete, dass die Zahl der aus den USA zurückkehrenden Kanadier im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gesunken ist.
Michael Pearce von Oxford Economics bezifferte den Schaden: „Die Tourismuseinnahmen fielen von 21,8 Milliarden auf 17,1 Milliarden US-Dollar, was einen Verlust von 4,7 Milliarden US-Dollar bedeutet." Besonders betroffen sind Grenzregionen. Mark Fisk, Sprecher der Michigan Smart Trade Alliance, sagte, Kanadas Boykott sei „eindeutig schädlich" für die Wirtschaft des US-Bundesstaates Michigan, der eine Grenze mit Ontario teilt.
Alkoholsektor besonders stark betroffen
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Zur AktienanalyseDas Liquor Control Board of Ontario, einer der weltweit größten Einkäufer und Einzelhändler von Alkohol, schätzte den jährlichen Absatz von US-Produkten auf 965 Millionen Kanadische Dollar (rund 705 Millionen US-Dollar), bevor Ontarios Premierminister Doug Ford den Handel im März 2024 stoppte. „Bis die Zölle aufgehoben werden, bleibt US-Alkohol aus den Regalen verbannt", erklärte Ford gegenüber der Financial Times.
Die „Toasts Not Tariffs Coalition", die den amerikanischen Alkoholsektor vertritt, lobbyiert beim Weißen Haus für ein Ende des Handelskriegs. In einem Brief vom 15. April an den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer schrieb die Koalition, dass Kanadas Verbot von US-Wein einen Exportrückgang von etwa 81 Prozent verursacht habe. Spirituosen erlitten im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 63 Prozent oder 149 Millionen US-Dollar. Innerhalb eines Jahres wandelte sich der Handelsüberschuss bei Wein mit Kanada von 254 Millionen US-Dollar in ein Handelsdefizit von 90 Millionen US-Dollar.
Premierminister Carney hat seinerseits eine Reihe von „Buy Canada"-Beschaffungsrichtlinien eingeführt, die darauf abzielen, die Abhängigkeit des Landes von US-Zulieferern zu verringern – insbesondere im Verteidigungssektor. Die Fronten zwischen beiden Ländern bleiben damit verhärtet, während die Neuverhandlung des USMCA im Juli näher rückt.


