US-Inflation bleibt hartnäckig – Lohnwachstum verliert weiter an Boden
Im Juli stieg der US-Verbraucherpreisindex erneut, während das Lohnwachstum der Inflation nicht standhalten konnte.

Die US-Inflation zeigt sich weiterhin zäh: Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg von Juni auf Juli um 0,1 Prozent, wie das Bureau of Labor Statistics (BLS) am Mittwoch mitteilte. Im Jahresvergleich sank die Inflationsrate zwar leicht von 3,5 auf 3,4 Prozent, doch die Entlastung für Verbraucher bleibt gering. Die Kosten für Güter und Dienstleistungen bleiben auf breiter Front erhöht – angetrieben vor allem durch volatile Energiepreise.
Besonders besorgniserregend ist das Verhältnis zwischen Inflation und Lohnentwicklung. Das Lohnwachstum lag laut BLS im vergangenen Monat bei lediglich 3,2 Prozent – und damit unterhalb der Inflationsrate. Zusätzlich sanken die durchschnittlichen Stundenlöhne im Vergleich zum Vorjahr real um 0,2 Prozent. Für Millionen amerikanischer Arbeitnehmer bedeutet das: Ihr Gehalt kauft weniger als noch vor einem Jahr.
Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union, brachte die Lage auf den Punkt. „Die Inflation hat in den letzten vier Monaten die Lohnzuwächse zunichtegemacht", schrieb sie auf X. „Für Amerikaner mit mittlerem und niedrigem Einkommen ist dies das entscheidende Thema. Es ist wahrscheinlich, dass künftig der Gürtel enger geschnallt werden muss."
Energiepreise als Haupttreiber der Teuerung
Die Energiepreise bleiben der zentrale Inflationstreiber in diesem Jahr. Zwar verzeichneten die Benzinpreise im Juli einen monatlichen Rückgang von 2,9 Prozent, doch dieser Rückgang dürfte laut dem Bericht bereits der Vergangenheit angehören. Der Strompreis stieg im Monatsvergleich um 0,1 Prozent. Rohöl der Sorte Brent erreichte am frühen Mittwochmorgen die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel, während US-Rohöl auf knapp 84 US-Dollar kletterte. Der landesweite Durchschnittspreis für Normalbenzin stieg ebenfalls wieder auf 4,03 US-Dollar pro Gallone.
Neben Energie verteuerten sich laut BLS-Bericht auch medizinische Versorgung, Flugpreise, Kommunikation, Bildung und Freizeitangebote. Die Wohnkosten legten im Juli um 0,1 Prozent zu und machten damit „etwa zwei Drittel des monatlichen Anstiegs aller Posten" aus. Auch Lebensmittel wurden teurer: Der entsprechende Index stieg um 0,1 Prozent, wobei Restaurantbesuche und Take-away-Essen mit einem Plus von 0,3 Prozent besonders ins Gewicht fielen. Zu den wenigen Kategorien, die günstiger wurden, zählen laut BLS die Kraftfahrzeugversicherungen.
Fed unter Druck – Zinserhöhung im Gespräch
Die hartnäckige Inflation bringt die US-Notenbank Federal Reserve zunehmend unter Zugzwang. Bereits vor Veröffentlichung der Juli-Daten hatten namhafte Fed-Vertreter eine Zinserhöhung gefordert. Die Fed hatte die Zinsen seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran unverändert gelassen – während andere Zentralbanken in Europa und Japan die Zinsen bereits angehoben haben.
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Zur AktienanalyseBeth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, machte ihren Standpunkt am Dienstag auf LinkedIn deutlich: „Jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Je länger wir warten, um Maßnahmen zu ergreifen, die die Inflation wieder auf unser 2-Prozent-Ziel bringen, desto schwieriger wird es sein, sie wieder zu senken, und desto teurer wird es für die amerikanische Bevölkerung."
Nicht alle Ökonomen teilen diese Einschätzung. Mike Skordeles, Leiter der US-Wirtschaftsabteilung bei Truist, sieht die Fed vorerst in der Warteschleife: „Insgesamt stützen diese Daten unsere Einschätzung, dass die Fed in naher Zukunft abwarten wird." Er verwies darauf, dass bis zur nächsten Zinsentscheidung Mitte September noch wichtige Daten ausstehen – darunter die Arbeitsmarkt- und Verbraucherpreisberichte für August. Die Debatte über den geldpolitischen Kurs der Fed bleibt damit offen.


