US-Inflation fällt – doch der DAX zuckt nur kurz
Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

Die 25.000-Punkte-Marke wirkt derzeit wie eine Glasscheibe: Der DAX klopft an – und prallt wieder ab. Zum Wochenschluss am Freitag blieb vom großen Ausbruch erneut nur ein Zucken übrig, obwohl ausgerechnet die US-Inflation stärker nachgab als erwartet.
Der deutsche Leitindex schloss bei 24.914 Punkten mit einem kleinen Plus von 0,25 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von 0,8 Prozent. Auffällig ist dabei weniger die Zahl selbst als das Muster dahinter: Nach den Gewinnmitnahmen vom Donnerstag pendelte der Markt fast stoisch um das Vortagesniveau. Viele Anleger wirken, als hätten sie den Finger am Abzug – aber eben noch nicht am Abdrücken.
US-Daten liefern kaum Zündstoff
In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Januar im Jahresvergleich um 2,4 Prozent. Ökonomen hatten 2,5 Prozent erwartet, im Dezember hatte die Inflation bei 2,7 Prozent gelegen. NordLB-Experte Tobias Basse sieht damit eine befürchtete Inflationskatastrophe nicht bestätigt. Doch die Zahlen entfalten kaum Druck auf die Federal Reserve, schnell über Zinssenkungen nachzudenken: Die Teuerung liegt weiterhin über dem Ziel von zwei Prozent, und am Terminmarkt wirkt die nächste Senkung erst für Juni eingepreist. Der DAX reagierte entsprechend nur kurz – und auch an der Wall Street blieb der Auftakt ruhig, die Wochenbilanzen von Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq lagen weiter im Minus.
Gewinner, Verlierer – und ein Warnsignal
An der DAX-Spitze setzte SAP ein Zeichen: Nach dem kurzen Intermezzo von Siemens als wertvollstes DAX-Unternehmen zog der Softwarekonzern wieder vorbei. Die SAP-Aktie erholte sich um zwei Prozent, während Siemens im Kurs um die Dividende bereinigt wurde; die Aktionäre stimmten auf der Hauptversammlung einer Ausschüttung von 5,35 Euro je Aktie zu. Tagessieger waren Deutsche Börse und MTU mit Gewinnen um viereinhalb Prozent. Am anderen Ende der Liste rutschte die Commerzbank mit -5,7 Prozent ans DAX-Ende, Bankaktien standen europaweit unter Druck.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMan kann es drehen und wenden, wie man will: Wenn ein Index mehrere Anläufe auf eine runde Marke nimmt und jedes Mal scheitert, wird aus Hoffnung schnell Risiko. Aus technischer Sicht, heißt es von der Helaba, öffnet erst ein nachhaltiges Überwinden der 25.000 Punkte den Weg Richtung Bestmarke von knapp 25.508 Punkten. Gleichzeitig sorgt die Angst vor KI-Konkurrenz in Teilen der Wirtschaft für Nervosität; IG-Analyst Christian Henke spricht bei anziehender Volatilität von einem klassischen Warnsignal.
Heute am Montag kommt noch ein Bremsklotz hinzu: Wegen des President’s Day bleiben die US-Börsen geschlossen, traditionell wird der Handel hierzulande dadurch eher ruhiger. Spannung verspricht erst das Ende der Woche – mit der erwarteten ersten Schätzung zum US-BIP für das Schlussquartal 2025 sowie den Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und Europa. Entscheidend wird sein, ob der Markt daraus endlich genug Kraft zieht, um die Glasscheibe bei 25.000 Punkten zu durchstoßen – oder ob der DAX weiter nur dagegenklopft.


