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US-Inflation und Staatsverschuldung setzen Fed unter Druck

Hohe Anleiherenditen, schwacher Arbeitsmarkt und wachsende Schulden: Die US-Notenbank steht vor einem schwierigen Balanceakt.

US-Inflation und Staatsverschuldung setzen Fed unter Druck

Die Preise steigen – das spüren die Amerikaner im Alltag. Ob beim Einkauf, an der Tankstelle oder bei den Energiekosten: Die Inflation bleibt ein drückendes Thema für Millionen US-Bürger. Die offizielle Inflationsrate liegt aktuell bei 3,4 Prozent – und damit deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. Als Haupttreiber gelten der Iran-Krieg und gestiegene Ölpreise.

Doch die Teuerung ist nicht das einzige Problem, das Anleger und Notenbanker beschäftigt. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen – mit Laufzeiten von zehn oder 30 Jahren – haben ein 25-Jahres-Hoch überschritten und notieren bei über fünf Prozent. Das signalisiert: Die Unsicherheit an den Märkten ist erheblich, insbesondere mit Blick auf den künftigen geldpolitischen Kurs der Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh.

„Die langfristigen Zinsen sind zuletzt aufgrund der Inflation gestiegen und weil man vielleicht auch sieht: Die Notenbank wird gar nicht tätig in der Inflationsbekämpfung", erklärt Kapitalmarktexperte Stefan Riße.

Staatsverschuldung erschüttert das Vertrauen in US-Anleihen

Neben der Inflation belastet die ausufernde Staatsverschuldung das Vertrauen in die USA. Die Schuldenquote gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt bei mehr als 120 Prozent. Das Haushaltsdefizit ist seit Jahren auf hohem Niveau – eine Entwicklung, die Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel, mit Sorge beobachtet: „Wir haben in den USA die Situation, dass das Haushaltsdefizit seit Jahren sehr hoch ist."

Die Folge: US-Staatsanleihen sind als Investment weniger gefragt. Wer den USA Geld für zehn oder 30 Jahre leiht, verlangt dafür höhere Renditen als Risikoausgleich. Das verteuert nicht nur die Staatsfinanzierung, sondern wirkt sich direkt auf die Realwirtschaft aus. „Wenn die Renditen von Staatsanleihen am langen Ende steigen und hoch sind, dann heißt das auch, dass Unternehmen für Kredite höhere Konditionen zahlen oder eben auch Privatpersonen, wenn sie beispielsweise Hypothekenkredite aufnehmen", so Mumm.

Zusätzlich trübt der Arbeitsmarkt das Bild: Zuletzt wurden deutlich weniger Stellen geschaffen als erwartet – ein weiteres Warnsignal für die Konjunktur.

Fed zwischen Inflation und Vollbeschäftigung

Die Fed steht damit vor einem klassischen Dilemma. Anders als die Europäische Zentralbank, die primär auf Preisstabilität ausgerichtet ist, hat die US-Notenbank ein doppeltes Mandat: Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Schwächelt der Arbeitsmarkt, spricht das gegen Zinserhöhungen – auch wenn die Inflation noch zu hoch ist.

Hinzu kommt: Die Fed hat keinen direkten Einfluss auf die langfristigen Anleiherenditen, sondern steuert lediglich die kurzfristigen Leitzinsen. Mumm bringt es auf den Punkt: „Wenn die Inflation steigt oder hoch bleibt, dann werden die Renditen am langen Ende wahrscheinlich nicht runterkommen, selbst wenn die Fed möglicherweise die Zinsen senken sollte."

Zuletzt hatte die Fed den Leitzins unverändert gelassen. Der nächste Zinsentscheid steht Mitte September an. Die Märkte preisen eine Zinserhöhung im September zunehmend aus. Tobias Basse, Volkswirt der NORDLB, sieht in den aktuellen Inflationsdaten einen Grund für Warsh, weiter abzuwarten: „Die aktuellen Zahlen zu den US-Konsumentenpreisen liefern Warsh zusätzliche Gründe, um bei den von einigen Beobachtern der Fed-Geldpolitik geforderten Leitzinsanhebungen weiterhin auf Zeit zu spielen."

Folgen für Verbraucher, Anleger und Europa

Sollte die Fed den Leitzins doch anheben, wären die Auswirkungen für US-Verbraucher spürbar. In den USA spielt Kreditfinanzierung eine weit größere Rolle als in Deutschland. „Die Konditionen für Kreditkartenschulden würden steigen, die Konditionen für Autokredite, für Studentenkredite würden entsprechend steigen und das bremst den Konsum aus", warnt Mumm.

Auch Europa bliebe nicht verschont. Höhere US-Zinsen machen den Dollar attraktiver – und schwächen den Euro. Ein schwächerer Euro verteuert Rohstoffe, die international in Dollar gehandelt werden. Das Ergebnis: steigende Importpreise und potenziell höhere Inflation auch in der Eurozone.

Das Fed-Gremium ist in der Zinsfrage gespalten. Tom Barkin, Präsident der regionalen Fed von Richmond, hat die Notwendigkeit einer Zinserhöhung öffentlich in Frage gestellt. Wie Notenbankchef Warsh letztlich entscheiden wird, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Sorgen um Inflation und den wachsenden Schuldenberg in den USA werden die Märkte noch länger beschäftigen.

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