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US-Inflation: Zwei Kennzahlen, zwei völlig verschiedene Botschaften

Aktuelle US-Daten zeigen ein widersprüchliches Bild: Je nach Messmethode liegt die Inflation weit über oder knapp am Fed-Ziel.

US-Inflation: Zwei Kennzahlen, zwei völlig verschiedene Botschaften

Das US-Handelsministerium hat vergangene Woche neue Inflationsdaten veröffentlicht – und die Zahlen könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Zwei anerkannte Messgrößen liefern ein gespaltenes Bild der Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten und stellen die Geldpolitik der Federal Reserve vor eine schwierige Interpretationsaufgabe.

Die viel beachtete Kerninflation der Verbraucherpreise – ein Maßstab, der die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise bewusst ausschließt – lag im vergangenen Jahr bei 3,3 Prozent. Damit entfernt sich dieser Indikator weiter vom offiziellen Inflationsziel der US-Notenbank Federal Reserve, das bei 2 Prozent liegt. Für die Fed ist dieser Wert ein zentrales Steuerungsinstrument bei Entscheidungen über den Leitzins.

Zwei Messgrößen, zwei Realitäten

Ein weniger bekannter, aber methodisch interessanter Indikator zeichnet hingegen ein deutlich optimistischeres Bild: die sogenannte „Trimmed Mean Inflation", auf Deutsch „getrimmte Mittelwert-Inflation". Diese Kennzahl filtert die extremsten Preisbewegungen – sowohl nach oben als auch nach unten – aus dem Datensatz heraus und konzentriert sich auf den mittleren Bereich der Preisentwicklungen. Das Ergebnis: lediglich 2,3 Prozent – und damit nahezu auf dem Niveau des Fed-Ziels.

Die Diskrepanz zwischen beiden Werten ist erheblich: Während die klassische Kerninflation mit 3,3 Prozent deutlich über dem Zielwert liegt, signalisiert die getrimmte Mittelwert-Inflation mit 2,3 Prozent, dass das 2-Prozent-Ziel fast erreicht ist. Für Anleger und Ökonomen stellt sich damit die entscheidende Frage: Welcher Messgröße soll die Federal Reserve bei ihren geldpolitischen Entscheidungen den Vorzug geben?

Kevin Warsh fordert ein Umdenken

Vor diesem Hintergrund fordert Kevin Warsh, ein ehemaliges Mitglied des Gouverneursrats der Federal Reserve, ein grundsätzliches Umdenken bei der Inflationsmessung und -bewertung durch die Notenbank. Die Debatte darüber, welche Kennzahl die tatsächliche Preisentwicklung am besten widerspiegelt, ist keine rein akademische – sie hat direkte Auswirkungen auf die Zinspolitik und damit auf Millionen von Verbrauchern, Unternehmen und Investoren weltweit.

Für deutsche Anleger ist diese Diskussion besonders relevant, da die US-Geldpolitik globale Auswirkungen hat. Entscheidungen der Fed beeinflussen Wechselkurse, internationale Kapitalströme und letztlich auch die Kursentwicklung an den europäischen Börsen. Ein höherer US-Leitzins – als Reaktion auf eine hartnäckig hohe Kerninflation – stärkt in der Regel den US-Dollar und erhöht den Druck auf andere Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank.

Die Wahl der richtigen Inflationskennzahl ist somit weit mehr als eine statistische Feinheit. Sie bestimmt, ob die Fed ihren Kurs beibehält, die Zinsen weiter erhöht oder möglicherweise Spielraum für Senkungen sieht. Die aktuellen Daten machen deutlich, dass diese Entscheidung alles andere als eindeutig ist.

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