US-Iran-Krieg setzt Weltmärkte massiv unter Druck
Von asiatischen Währungseinbrüchen bis zur Pleite einer US-Airline: Der Nahostkonflikt hinterlässt weltweit tiefe Spuren.

Der andauernde Krieg zwischen den USA und dem Iran erschüttert die globalen Finanzmärkte und stellt deren Widerstandsfähigkeit auf eine harte Probe. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran im Februar verzeichnen Devisenmärkte, Rohstoffpreise und Anleihemärkte erhebliche Verwerfungen. Analysten und Strategen weltweit warnen vor einer Eskalation der wirtschaftlichen Folgen.
Besonders hart trifft es Asien: Rund 80% des auf dem Seeweg transportierten Ölhandels durch die Straße von Hormus ist üblicherweise für die Region bestimmt. Die indonesische Rupiah stürzte auf ein Rekordtief, ebenso die Währungen Indiens und der Philippinen. Auch der südkoreanische Won, der thailändische Baht und der malaysische Ringgit gerieten unter Druck.
Die betroffenen Zentralbanken intervenieren seit Wochen an den Devisenmärkten – direkt oder über staatliche Banken. „Die Zentralbanken werden zögern, ihre Reserven abzubauen", sagte Mitul Kotecha, Leiter der Strategie für asiatische Devisen und Zinsen bei Barclays. „Daher werden wir wahrscheinlich kreativere Maßnahmen zur Stützung der jeweiligen Währungen sehen."
Yen unter doppeltem Druck
Auch der japanische Yen leidet besonders stark. Japan bezieht etwa 95% seines Öls aus dem Nahen Osten, was die Währung hochsensibel gegenüber steigenden Energiekosten macht. Der Yen war bereits durch Japans niedrige Zinssätze und Sorgen über die kreditfinanzierten Wachstumspläne von Premierministerin Sanae Takaichi geschwächt. Als der Kurs in Richtung 160 Yen pro Dollar rutschte, intervenierten die Behörden. „Angesichts sprunghaft steigender Ölpreise griffen Händler naturgemäß den Yen an, da dies eine niedrigverzinsliche Währung ist, deren Fundamentaldaten zudem am stärksten von hohen Ölpreisen beeinträchtigt werden", erklärte Thierry Wizman, Strategist für globale Devisen und Zinsen bei der Macquarie Group. Analysten halten Interventionen für wenig wirksam, solange der Krieg anhält und die Zinsen niedrig bleiben.
Der Konflikt droht auch die Lebensmittelpreise erneut in die Höhe zu treiben. Die Volatilität hatte sich nach dem Schock durch die russische Invasion in der Ukraine 2022 gerade erst beruhigt. Nun verknappt der Krieg im Nahen Osten die Düngemittelvorräte und treibt die Energiekosten hoch – Belastungen, die durch die Rückkehr des Wetterphänomens El Niño noch verstärkt werden könnten. Der Baltic Shipping Index befindet sich auf dem höchsten Stand seit 2023. „Erhöhte Lebensmittelpreise sind weltweit ein Problem, aber insbesondere in Volkswirtschaften, in denen Lebensmittel einen großen Anteil am Inflationskorb ausmachen oder die Lebensmittelversorgung von Importen abhängt", sagte James Pomeroy, Global Economist bei HSBC.
Benzinpreise als politischer Zünder in den USA
Verbraucher spüren den Druck besonders an der Zapfsäule. Die durchschnittlichen US-Benzinpreise sind laut der Autofahrer-Interessengruppe AAA von etwa 3 Dollar auf über 4,50 Dollar pro Gallone gestiegen. „Sollte der Anstieg anhalten und wir uns der Marke von 5 Dollar nähern, wird es im Inland große Unruhen geben, was Trump dazu zwingen könnte, seinen Kurs im Krieg mit dem Iran erneut zu ändern", sagte Guy Miller, Chefmarktstratege der Zurich Insurance Group. Beobachter sehen die Benzinpreise als möglichen politischen Druckpunkt vor den US-Zwischenwahlen im November.
Der Energieschock erhöht zudem die Preise für Haushaltsprodukte aus Erdöl oder Erdgas – von Zahnpasta bis Waschmittel. Die Inflationserwartungen steigen spürbar: Die Umfrage der Europäischen Zentralbank zu den Konsumentenerwartungen zeigte, dass die Inflationserwartungen für das kommende Jahr im März auf 4,0% gestiegen sind, nach 2,5% im Februar. Dies könnte Zentralbanken zu Zinserhöhungen bewegen.
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Zur AktienanalyseLuftfahrt und Anleihemärkte unter Beschuss
Der Luftfahrtsektor steht vor seinem größten Test seit der COVID-19-Krise 2020. Die Preise für Kerosin sind seit Beginn des Konflikts um fast 84% gestiegen. Die Ultra-Billigairline Spirit Airlines stellte Anfang des Monats den Betrieb ein und nannte steigende Treibstoffpreise als Grund. Europäische Luftfahrtaktien sind in diesem Jahr um rund 14% eingebrochen, während der breitere Markt um 3% zulegte.
Auch die wichtigsten Anleihemärkte zeigen erneut Risse. Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen liegen bei etwa 4,40% – rund 40 Basispunkte über dem Vorkriegsniveau. In Großbritannien verschärfen politische Risiken den Druck auf den Gilt-Markt zusätzlich. Höhere US-Renditen gefährden zudem Schwellenländer, deren Kreditkosten sich an US-Treasuries orientieren. „Es gibt eine Gefahrenzone für Aktien- und Kreditmärkte, wenn die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen über das Niveau von 4,5% steigen", warnte Miller von der Zurich Insurance Group.

