US-Kreditkosten auf höchstem Stand seit 2007 nach Fed-Entscheidung
Die Federal Reserve lässt die Zinsen unverändert – die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen springt auf 5,23 Prozent.

Die langfristigen US-Kreditkosten haben ihren höchsten Stand seit 2007 erreicht. Auslöser war die gestrige Entscheidung der Federal Reserve, die Leitzinsen unverändert zu belassen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg um bis zu 0,14 Prozentpunkte auf 5,23 Prozent – der stärkste Anstieg seit Donald Trumps Ankündigung der Zölle zum „Tag der Befreiung" im April 2025.
Am heutigen Morgen verharrt die 30-jährige Rendite auf hohem Niveau bei rund 5,22 Prozent. Das droht die langfristigen Refinanzierungskosten für US-Haushalte und Unternehmen weiter in die Höhe zu treiben. Gleichzeitig schürt die Entwicklung Zweifel an der Fähigkeit der US-Zentralbank, die Inflation angesichts der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran wirksam zu bekämpfen.
Ein differenziertes Bild zeigt sich bei den kürzeren Laufzeiten: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel nach der Fed-Entscheidung deutlich auf 4,25 Prozent, nachdem sie im Vorfeld auf 4,34 Prozent gestiegen war. Heute Morgen tendierte sie etwas fester bei rund 4,28 Prozent. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen – eine globale Benchmark für viele Finanzverträge – sank um vier Basispunkte auf 4,64 Prozent.
Inflation bleibt weit über dem Fed-Ziel
Analyst Robert Armstrong schreibt im „Unhedged"-Newsletter der FT, der anfängliche Rückgang der zweijährigen Rendite zeige, dass der kurzfristige Ausblick für die US-Zinsen „taubenhaft" sei. Gleichzeitig könnte die höhere 30-jährige Rendite darauf hindeuten, dass die Märkte langfristig mit steigender Inflation rechnen. Fed-Chef Kevin Warsh betonte auf der Pressekonferenz nach der Entscheidung: „Diese Fed wird nicht wanken" in ihrem Engagement zur Bekämpfung der Inflation.
Heute wird das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, der PCE-Preisindex, veröffentlicht. Der Gesamtindex stieg im vergangenen Monat auf 4,1 Prozent, wird für Juli jedoch niedriger erwartet. Auch für den Kern-PCE-Preisindex, der volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, wird ein Rückgang auf eine Jahresrate von 3,3 Prozent erwartet, nach 3,4 Prozent im Juni. Beide Werte liegen damit deutlich über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent.
Zusätzlich wird heute die BIP-Aktualisierung für das zweite Quartal veröffentlicht, die ein neues Bild vom allgemeinen Zustand der US-Wirtschaft liefern soll. Die Benzin- und Dieselpreise, eine Schlüsselkomponente der Inflationsmessung, sind seit der letzten Fed-Sitzung im Juni sprunghaft angestiegen.
US-Iran-Konflikt belastet Energiemärkte
Die geopolitische Lage verschärft die Unsicherheit an den Märkten zusätzlich. Die Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran flammten erneut auf, nachdem das Oval Office einen „Überraschungsangriff" mit mehreren ballistischen Raketen auf ein Hauptquartier des US-Zentralkommandos in Jordanien gemeldet hatte. Amerikanische Streitkräfte starteten am Mittwochabend eine zweistündige „schwere" Angriffswelle – ihren ersten direkten Angriff auf die Islamische Republik seit fast einer Woche.
Die erneute Gewalt birgt das Risiko einer Eskalation und eines größeren regionalen Krieges. Eine mehrtägige Kampfpause hatte die globalen Energiemärkte zuvor beruhigt. Brent, die internationale Referenzsorte, stieg heute Morgen um 2 Prozent auf 92,60 US-Dollar pro Barrel. WTI, das US-Pendant, notierte wieder über 85 US-Dollar pro Barrel.
Weitere Anzeichen für eine regionale Ausweitung des Konflikts gab es nach einem Drohnenangriff auf zwei LNG-Tanker im ägyptischen Hafen von Damiette an der Mittelmeerküste. Kairo beschuldigte kein bestimmtes Land und keine Gruppe, gab jedoch bekannt, den Vorfall zu untersuchen.
Tech-Aktien unter Druck – Meta, Microsoft und Qualcomm im Fokus
Parallel zu den makroökonomischen Entwicklungen sorgen Quartalszahlen großer Technologiekonzerne für Bewegung an den Märkten. Die Aktien von Meta fielen am Mittwoch im nachbörslichen Handel um 7,5 Prozent, nachdem das Social-Media-Unternehmen schwächere Umsätze als erwartet für das laufende Quartal sowie steigende Ausgaben prognostiziert hatte.
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Zur AktienanalyseMicrosoft unterzeichnete im zweiten Quartal neue Leasingverträge für Rechenzentren im Wert von mehr als 130 Milliarden US-Dollar. Qualcomm hingegen meldete sinkende Umsätze und Gewinne, was auf eine Verlangsamung der weltweiten Smartphone-Verkäufe zurückzuführen ist. Der britische Chipdesigner Arm lieferte solide Umsatz- und Finanzprognosen.
Chinesische Technologieaktien brachen am Donnerstag ebenfalls ein, als Zulieferer des KI-Booms von einem globalen Tech-Ausverkauf erfasst wurden. Chinas CSI 300 Index fiel um 1,1 Prozent und ist in diesem Monat bereits um 8,6 Prozent gefallen – der stärkste Rückgang seit Januar 2016.
Eurozone wächst stärker als erwartet
Etwas Positives kommt aus Europa: Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent und übertraf damit die Erwartungen. Die Zahl markiert eine Verbesserung gegenüber der nach oben korrigierten Nullwachstumsrate in den ersten drei Monaten des Jahres. Der Euro blieb gegenüber dem Dollar bei 1,145 US-Dollar nahezu unverändert. Die Europäische Zentralbank hatte im vergangenen Monat ihre BIP-Wachstumsprognosen für die Eurozone für 2026 auf 0,8 Prozent gesenkt.


