US-Luftfahrtaktien: UBS sieht Konsolidierung nach starker Rallye
Nach einem Kursanstieg von 12 % in drei Tagen verlagert sich der Fokus der Anleger wieder auf Fundamentaldaten und Q2-Ergebnisse.

Die Aktien US-amerikanischer Fluggesellschaften stehen laut einer aktuellen Analyse von UBS Global Research vor einer Phase kurzfristiger Konsolidierung. Eine makroökonomisch getriebene Rallye verliert an Schwung, und der Fokus der Anleger verschiebt sich zurück auf unternehmensspezifische Fundamentaldaten. Als nächsten wichtigen Kurstreiber nennen die UBS-Analysten Atul Maheswari und Thomas Wadewitz die anstehenden Ergebnisse des zweiten Quartals.
Der U.S. Global Jets ETF (NYSE: JETS), der die Entwicklung des gesamten US-Luftfahrtsektors abbildet, legte in einem jüngsten Dreitageszeitraum um beachtliche 12 % zu. Befeuert wurde dieser Anstieg durch den Marktoptimismus rund um eine mögliche Beilegung des Konflikts im Iran und die erwartete Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Allerdings schlossen die Aktien der Fluggesellschaften unter ihren Intraday-Höchstständen – ein Signal, dass die durch Bewertungsausweitung getriebene Aufwärtsbewegung weitgehend ausgereizt ist.
„Von hier an sollte sich die Volatilität rund um makroökonomische Schlagzeilen normalisieren und Mikro- sowie Aktiengrundlagen sollten wieder in den Fokus rücken, wobei die Ergebnisse des zweiten Quartals wahrscheinlich der nächste Katalysator sein werden", schrieben die Analysten. Sie betonten zudem, dass Aufwärtskorrekturen der Gewinnprognosen notwendig sein werden, um den Sektor in die nächste Wachstumsphase zu führen.
Bewertungslücke zwischen Delta und United im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit widmet UBS der wachsenden Bewertungsdiskrepanz zwischen Delta Air Lines (NYSE: DAL) und United Airlines Holdings (NASDAQ: UAL). Delta wird auf Basis der Schätzungen für 2027 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt, das mehr als doppelt so hoch ist wie jenes von United – eine Spanne, die historisch gesehen zuletzt im Zeitraum 2014 bis 2015 Bestand hatte.
UBS erwartet, dass sich diese Bewertungslücke verengen wird – primär durch eine Ausweitung des Multiplikators bei United und weniger durch einen Rückgang bei Delta. Allein diese Bewertungsanpassung könnte die United-Aktie um rund 12 % nach oben treiben. Laut dem Bericht sollte der jüngste Rückgang beim Kerosinpreis „offensichtlich den Gewinnen von UAL helfen, aber auch dem Bewertungsmultiplikator gegenüber DAL". Zusätzlich dürfte die nachlassende Angst vor potenziellen Risiken durch fremdfinanzierte Fusionen und Übernahmen bei United den Weg für eine Bewertungsausweitung freimachen.
Treibstoffpreise als entscheidender Gewinnhebel
Die Entwicklung der Kerosinpreise spielt für den gesamten Sektor eine zentrale Rolle. Über drei Handelstage brachen die Treibstoffpreise um 13 % ein und liegen damit 40 % unter den Höchstständen vom April. Für Anleger, die gezielt von sinkenden Energiekosten profitieren wollen, verweist UBS auf Alaska Air Group (NYSE: ALK) und American Airlines Group (NASDAQ: AAL) als die Unternehmen mit der höchsten Gewinnsensitivität gegenüber den Energiepreisen.
Ein Rückgang der Treibstoffpreise um 0,10 US-Dollar steigert den Gewinn je Aktie (EPS) für 2027 bei Alaska um 13 % und bei American sogar um 16 %. Zum Vergleich: Bei Delta beträgt der Effekt moderate 4,5 %, bei United und Southwest Airlines (NYSE: LUV) jeweils rund 6 %. Diese Unterschiede in der Kostensensitivität machen Alaska und American zu besonders interessanten Titeln in einem Umfeld fallender Ölpreise.
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Zur AktienanalyseNachfrage bleibt robust – aber Bewertungsfrage bleibt offen
Während die Konsensschätzungen der Wall Street für den Umsatz pro verfügbare Sitzmeile (RASM) im zweiten Halbjahr implizit eine Verlangsamung der Reisenachfrage unterstellen, zeichnet die UBS-Analyse ein positiveres Bild. Gespräche mit Unternehmen und aktuelle Marktprüfungen ergaben „bisher wenig bis gar keine Verlangsamung der Nachfrage" – was potenzielles Aufwärtspotenzial für die aktuellen Umsatzprognosen des zweiten Halbjahres bietet.
Dennoch warnt UBS vor einer wichtigen Einschränkung: Der Markt wird Fluggesellschaften wahrscheinlich nicht mit höheren Bewertungsmultiplikatoren belohnen, wenn Gewinnsteigerungen rein durch günstigeren Treibstoff und nicht durch systemische Umsatzstärke getrieben werden. Trotz der branchenweiten Belastung durch volatile Lohnkosten und eine allgemeinere makroökonomische Abkühlung behält UBS die Einstufung „Buy" für Delta, United, American und Alaska Air bei.


