US-Märkte steigen trotz Unsicherheit bei Iran-Verhandlungen
Trump nennt Iran-Gespräche „erfreulich", doch neue Bedingungen rund um das Abraham-Abkommen trüben die Aussichten.

Nach dem Memorial-Day-Wochenende zeigen sich die US-Aktienmärkte in guter Verfassung: Die Futures für alle drei großen US-Indizes legten um rund 1% zu. Gleichzeitig gaben die Ölpreise weiter nach – Brent notierte bei 96,14 US-Dollar, West Texas Intermediate (WTI) bei 90,30 US-Dollar pro Barrel. Händler reagieren damit verhalten optimistisch auf die jüngsten Signale aus den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die laufenden Gespräche mit dem Iran als „erfreulich verlaufend". Ein konkreter Zeitplan für ein mögliches Abkommen bleibt jedoch weiterhin vage. Der ehemalige CIA-Direktor und pensionierte Vier-Sterne-General David Petraeus deutete an, dass der Iran an der Straße von Hormus – einem strategisch bedeutsamen Nadelöhr für den globalen Ölhandel – einlenken könnte.
Militärische Spannungen im Hintergrund
Parallel zu den Verhandlungen führten US-Streitkräfte am frühen Dienstag sogenannte „Selbstverteidigungsschläge" im Südiran durch. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) erklärte, dies diene dem „Schutz unserer Truppen vor Bedrohungen durch iranische Streitkräfte". CENTCOM-Sprecher Tim Hawkins gab an, dass zu den Zielen Raketenabschussrampen sowie iranische Boote gehörten, die versuchten, Minen zu legen.
Diese militärischen Aktionen unterstreichen, wie fragil die diplomatische Lage trotz der positiven Rhetorik aus Washington bleibt. Die Gleichzeitigkeit von Verhandlungen und Militärschlägen verdeutlicht die Komplexität des Konflikts, der die globalen Energiemärkte und damit auch deutsche Anleger direkt betrifft.
Abraham-Abkommen als neue Verhandlungshürde
Trump hat die Verhandlungen mit einer zusätzlichen Bedingung belastet: Er knüpft ein Friedensabkommen mit dem Iran an die Unterzeichnung des Abraham-Abkommens durch arabische Länder. Das Abraham-Abkommen ist eine Vereinbarung zur Normalisierung der Beziehungen zwischen arabischen Staaten und Israel, die unter Trumps erster Amtszeit initiiert wurde.
Pakistan hat diese Verknüpfung entschieden zurückgewiesen und erklärt, die beiden Themen seien „nicht miteinander verknüpft und können auch nicht verknüpft werden". Saudi-Arabien betonte seinerseits, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, solange es keinen klaren Weg zu einem palästinensischen Staat gebe – ein für Israel hochsensibles Thema. Trump beharrt derweil darauf, dass es „entweder ein großartiger Deal für alle oder gar kein Deal" sein werde.
Warnung vor Boom-and-Bust bei Speicheraktien
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Zur AktienanalyseAbseits der geopolitischen Lage warnen Marktbeobachter vor einem anderen Risiko: dem Zyklus bei Speicheraktien. Die Speicherindustrie befindet sich seit der Einführung von ChatGPT im Dezember 2022 in einer Phase anhaltenden Wachstums, was eine enorme Nachfrage nach sogenanntem High-Bandwidth Memory (HBM) ausgelöst hat. Überdurchschnittliche Renditen haben seitdem zu erheblichen Gewinnen an den US-amerikanischen und südkoreanischen Aktienmärkten beigetragen.
William de Gale, Portfoliomanager bei BlueBox Asset Management, warnte jedoch gegenüber CNBC, dass die Branche zu „enormen Höhen und Tiefen" neige. „Langfristig gesehen ist es eine ziemlich schreckliche Branche", sagte er. Anleger, die die Zyklizität des Marktes ignorieren, täten dies auf eigenes Risiko – eine Mahnung, die gerade in Zeiten der KI-Euphorie besondere Relevanz hat.
Für deutsche Privatanleger bleibt die Lage damit zweigeteilt: Kurzfristig sorgen sinkende Ölpreise und steigende US-Futures für Erleichterung. Mittel- bis langfristig jedoch mahnen sowohl die geopolitischen Unwägbarkeiten im Nahen Osten als auch die strukturellen Risiken im Technologiesektor zur Vorsicht.


