US-Marktrallye: Wer profitiert wirklich von den Kursgewinnen?
Trump lobt die jüngsten Börsengewinne – doch Daten der Federal Reserve zeigen, dass vor allem das reichste 1% profitiert.

Präsident Donald Trump feiert die jüngsten Kursgewinne an den US-Börsen als Erfolg für alle Amerikaner. Doch aktuelle Daten der Federal Reserve zeichnen ein anderes Bild: Das Aktienvermögen in den USA ist extrem ungleich verteilt – und die jüngste Rallye hat diese Kluft weiter vertieft.
Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 sind beeindruckend. Der Dow Jones Industrial Average legte um 8,9% zu und erzielte damit seine beste Performance im ersten Halbjahr seit 2021. Der S&P 500 stieg um 9,6%, der Nasdaq Composite um 12,8%. Besonders stark zulegte der Small-Cap-Index Russell 2000 mit einem Plus von fast 22% – sein bestes erstes Halbjahr seit 1991.
Wer besitzt eigentlich Aktien?
Trotz dieser beeindruckenden Kursgewinne profitiert ein erheblicher Teil der US-Bevölkerung gar nicht davon. Laut einer Gallup-Umfrage, die Finanzminister Scott Bessent regelmäßig zitiert, haben 38% der amerikanischen Haushalte keinerlei Engagement in Aktien. Sie sind vom Börsenaufschwung vollständig abgekoppelt.
Unter denjenigen, die tatsächlich investiert sind, konzentriert sich der Aktienbesitz stark an der Spitze der Einkommenspyramide. Stand des ersten Quartals 2026 hielt das oberste 1% der US-Haushalte die Hälfte aller Unternehmensaktien und Investmentfondsanteile – ein Vermögen von rund 27,64 Billionen US-Dollar. Die obersten 10% der Amerikaner kontrollierten sogar mehr als 87% dieses Aktien- und Fondsvermögens.
Das andere Ende der Skala zeigt das volle Ausmaß der Ungleichheit: Die unteren 50% der Haushalte hielten zusammen lediglich 1% – oder rund 590 Milliarden US-Dollar – dieses Aktien- und Fondsvermögens. Diese Dynamik hat laut Experten zusammen mit dem jüngsten Bullenmarkt die Vermögenskluft in den USA weiter verschärft.
Auch Trumps eigene Finanzen spiegeln diese Realität wider. Laut seinem jährlichen Finanzbericht haben ihm Einnahmen aus dem Krypto-Bereich sowie Beteiligungen an Unternehmen wie Apple, Microsoft und Nvidia viele Millionen eingebracht.
Trump Accounts als mögliche Lösung?
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Zur AktienanalyseFinanzminister Bessent und andere Befürworter der bald startenden sogenannten „Trump Accounts" argumentieren, dass breitere Investitionen in US-Aktien die Vermögenskluft verringern könnten. Das Konzept soll mehr Möglichkeiten zum Vermögensaufbau für Kinder aller Einkommensschichten schaffen.
Eine neue Analyse der Beratungsgesellschaft McKinsey kommt zu dem Ergebnis, dass Trump Accounts in den nächsten zehn Jahren potenziell zwischen 80 Milliarden und mehr als 900 Milliarden US-Dollar an langfristigem Vermögenszuwachs für einkommensschwächere Haushalte generieren könnten. Allerdings betonen die Analysten, dass Beteiligung, Einzahlungsverhalten und ein dauerhaftes Engagement entscheidende Faktoren für diese Ergebnisse seien.
Für deutsche Anleger ist diese Debatte ein bekanntes Thema: Auch hierzulande ist die Aktionärsquote im internationalen Vergleich niedrig, und die Diskussion über breiteren Zugang zu Kapitalmärkten – etwa durch staatlich geförderte Aktienrenten – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die US-Erfahrung zeigt, dass steigende Börsenkurse allein die Vermögensungleichheit nicht lösen – entscheidend ist, wer überhaupt am Markt teilnimmt.


