US Mint: Gold aus kolumbianischen Kartell-Netzwerken in Lieferkette
Eine NYT-Untersuchung bringt Teile der Goldvorräte der US Mint mit kolumbianischen kriminellen Netzwerken und Drogenkartellen in Verbindung.

Eine Untersuchung der New York Times bringt Teile der Goldvorräte der US Mint mit kolumbianischen kriminellen Netzwerken in Verbindung. Gestützt auf Interviews, Handelsregister und Vor-Ort-Berichte zeigt die Recherche, wie illegal abgebautes Gold aus Kolumbien – häufig unter Kontrolle bewaffneter Gruppen und Drogenkartelle – über Zwischenhändler gewaschen und mit scheinbar rechtmäßigen Papieren exportiert wird, bevor es in globale Lieferketten gelangt.
In einigen Fällen gelangte dieses Gold demnach in die Lieferkette der US Mint, der amerikanischen Münzprägeanstalt. Diese ist nach Bundesrecht eigentlich verpflichtet, für ihre Anlagemünzen Gold aus amerikanischem Abbau zu verwenden – eine Vorschrift, die offenbar seit Jahrzehnten nicht konsequent durchgesetzt wird.
Lückenhafte Verantwortungskette und widersprüchliche Aussagen
Der Bericht verdeutlicht eine erschreckend lückenhafte Verantwortungskette. Auf Nachfrage eines NYT-Reporters gab die US Mint die Schuld an ihre Lieferanten weiter, die ihrerseits die Verantwortung auf andere Zwischenhändler abwälzten. Alle Beteiligten beteuerten, die Annahme von kolumbianischem Gold inzwischen eingestellt zu haben.
Das US-Finanzministerium, das die Aufsicht über die Münzprägeanstalt führt, bestritt die Richtigkeit der Untersuchungsergebnisse. Ein Sprecher erklärte gegenüber der Zeitung zudem, dass der Kauf von ausländischem Gold für Anlagemünzen nicht gegen das Gesetz verstoße.
Gleichzeitig stellten die NYT-Prüfer fest, dass die Münzprägeanstalt seit langem eine weitgefasste Definition von „US-Gold" verwendet. Demnach kann ausländisches Material als qualifiziert gelten, wenn es durch inländische Käufe ausgeglichen wird – eine Anforderung, die laut einem Bericht der staatlichen Aufsichtsbehörde aus dem Jahr 2024 seit mehr als 20 Jahren nicht mehr durchgesetzt wurde.
Kolumbien als größter Goldlieferant der USA
Die Dimension des Problems zeigen UN-Handelsdaten aus dem Jahr 2024 deutlich: Kolumbien exportierte in jenem Jahr Gold im Gesamtwert von rund 4,1 Milliarden US-Dollar. Davon landeten etwa 1,5 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten – was die USA zum größten Einzelabnehmer kolumbianischen Goldes machte.
Diese Zahlen unterstreichen, wie tief die Verflechtung zwischen dem US-Goldmarkt und kolumbianischen Lieferketten tatsächlich ist. Für Anleger und Institutionen, die in physisches Gold investieren, wirft das grundlegende Fragen zur Herkunftssicherheit auf.
Illegales Gold dringt seit Jahren in US-Märkte ein
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Zur AktienanalyseDie Erkenntnisse der NYT reihen sich in eine wachsende Zahl von Belegen ein, dass illegal abgebautes Gold seit Jahren in offizielle US-Märkte eindringt. Frühere Untersuchungen und Strafverfolgungsmaßnahmen haben Gold aus Lateinamerika – darunter Peru und Kolumbien – bis zu nordamerikanischen Raffinerien und Händlern zurückverfolgt, oft nachdem es mit legalen Beständen vermischt und mit gefälschten Dokumenten exportiert worden war.
Ein Bericht des World Wide Fund for Nature UK aus diesem Jahr ergab, dass über 80 Prozent der Finanzinstitute – einschließlich jener in den USA – Gefahr laufen, in Geschäfte mit illegalem Goldabbau verwickelt zu sein. Diese Fälle zeigen wiederholt, wie schwierig es für nachgelagerte Käufer ist, die Herkunft eines Rohstoffs lückenlos zu verifizieren, der eine so lange Geschichte im globalen Finanzsystem hat.
Die jüngsten Erkenntnisse unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen bei der Erzielung vollständiger Transparenz in den Goldlieferketten sowie die Grenzen bestehender Aufsichtsmechanismen. Im Anschluss an die Untersuchung teilte das Finanzministerium mit, dass es nun die Beschaffungspraktiken der Münzprägeanstalt überprüfe und die Standards für die Rohstoffbeschaffung verschärft habe.


