US-Ölreserven auf Jahrzehnte-Tiefstand – Preisexplosion droht
Strategische Ölreserven der USA fallen auf den niedrigsten Stand seit 1983, während die Straße von Hormus weiter blockiert bleibt.

Die US-amerikanischen Rohölvorräte befinden sich in einer kritischen Lage. Die Trump-Regierung zapft die Strategische Petroleumreserve (SPR) an, um die Benzinpreise zu dämpfen – doch die Bestände schmelzen in einem alarmierenden Tempo. Laut Daten des US-Energieministeriums ist die SPR in Louisiana und Texas auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen.
Gleichzeitig sanken die kommerziellen Lagerbestände am wichtigen Ölknotenpunkt Cushing im Bundesstaat Oklahoma auf lediglich 20 Millionen Barrel. Dieser Wert entspricht laut Rory Johnston vom Analysehaus Commodity Context einem Niveau von „operativem Stress". Johnston bezeichnete die Situation als „besorgniserregenden Belastungspunkt" – „ohne unmittelbare Entlastung am Horizont".
In der zweiten Juniwoche sanken die kommerziellen Rohölvorräte um 8,3 Millionen Barrel. Zusätzlich wurden weitere 8,9 Millionen Barrel aus der strategischen Reserve entnommen. Es war die zehnte Woche in Folge mit sinkenden US-Reserven – ein Trend, der die Märkte zunehmend beunruhigt.
Straße von Hormus weiter blockiert
Der Hintergrund der Krise ist der anhaltende Iran-Krieg, der die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr faktisch zum Stillstand gebracht hat. Durch diese Meerenge wurden vor Kriegsbeginn mehr als 20 Prozent der weltweiten Energielieferungen transportiert. Ihr Ausfall trifft die globale Ölversorgung empfindlich.
US-Raffinerien arbeiten bereits auf Hochtouren: In der vergangenen Woche verarbeiteten sie Erdöl mit 96,7 Prozent ihrer operablen Kapazität, wie die Energy Information Administration (EIA) berichtete. Dennoch reicht dies nicht aus, um den Wegfall der Lieferungen aus dem Persischen Golf zu kompensieren.
Präsident Donald Trump verkündete am Sonntag, dass ein Friedensabkommen mit dem Iran vereinbart worden sei und die Straße von Hormus „unmittelbar nach" der Unterzeichnung am Montag wieder geöffnet werde. Als dies nicht geschah, verschob Trump den Termin auf Freitag. Bis Mittwoch blieb die Meerenge jedoch nahezu im Stillstand. Weder Washington noch Teheran haben bislang einen Vertragstext veröffentlicht.
Selbst im Falle einer Einigung warnen Reedereien, dass es Wochen dauern könnte, bis die Straße von Hormus wieder regulär befahrbar ist. Trumps Ankündigungen trugen zwar dazu bei, die weltweiten Ölpreise kurzfristig zu drücken – doch bereits am Mittwoch stiegen die Rohölpreise nach Veröffentlichung der EIA-Lagerdaten wieder um ein Prozent.
Chevron und ExxonMobil warnen vor Preisschock
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Zur AktienanalyseFür US-Verbraucher liegt der landesweite Durchschnittspreis für eine Gallone bleifreies Benzin derzeit knapp über vier Dollar – ein Rückgang von mehr als 50 Cent gegenüber dem Höchststand. Doch wie lange dieser Puffer noch hält, ist fraglich.
Chevron-CEO Mike Wirth äußerte sich am Freitag gegenüber Bloomberg skeptisch: „Das ist die eigentliche Frage: Wie lange können diese Maßnahmen das Risiko noch abmildern? Irgendwann sind sie dazu vielleicht nicht mehr in der Lage." Auf die Frage nach dem Zeitpunkt nannte Wirth „wahrscheinlich" Juli oder August.
Noch deutlicher formulierte es Neil Chapman, Vorstand bei ExxonMobil. „Sobald dieser Punkt erreicht ist, werden die Preise in die Höhe schießen", sagte er im vergangenen Monat auf einer Investorenkonferenz von Bernstein. Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung relevant: Steigende US-Benzinpreise und ein angespannter globaler Ölmarkt wirken sich erfahrungsgemäß auch auf die europäischen Energiepreise aus.


