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US-Raffinerien profitieren von Biokraftstoff-Mandaten und steigenden RIN-Preisen

Neue EPA-Rekordvorgaben und hohe Kraftstoffpreise bescheren US-Raffineriebetreibern nach Jahren der Verluste wieder deutliche Gewinne.

US-Raffinerien profitieren von Biokraftstoff-Mandaten und steigenden RIN-Preisen

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat Ende März Raffineriebetreiber verpflichtet, in diesem und im nächsten Jahr Rekordmengen an Biokraftstoffen beizumischen. Der Plan sieht eine Steigerung der Verwendung von Biodiesel und erneuerbarem Diesel um 60 Prozent vor – ergänzt durch die langjährige Anforderung, jährlich rund 15 Milliarden Gallonen Ethanol in Benzin einzumischen. Diese verbindlichen Vorgaben haben die US-Raffineriebranche dazu veranlasst, die Biokraftstoffproduktion deutlich hochzufahren.

Die Folge: Nach einer langen Durststrecke kehren die Gewinne zurück. Zuvor hatte ein Überangebot die Margen belastet, die Nachfrage blieb hinter den Erwartungen zurück, und Produzenten mussten Verluste aus einer raschen Expansion vor rund fünf Jahren verkraften. Nun sorgen die Pflichtquoten für eine verlässliche Nachfragebasis – und das in einem Umfeld, in dem das weltweite Dieselangebot ohnehin knapp bleibt.

Valero und HF Sinclair mit starker Trendwende

Besonders eindrucksvoll fällt die Erholung bei Valero aus, dem größten Biokraftstoffproduzenten der USA. Das Unternehmen verzeichnete im ersten Quartal einen Gewinn von 139 Millionen US-Dollar im Bereich erneuerbarer Diesel – nach einem Verlust von 141 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Auch die Gewinne im Ethanolgeschäft haben sich mehr als vervierfacht. Führungskräfte des Unternehmens bezeichneten die Biokraftstoff-Mandate als „ziemlich starken Rückenwind".

Auch HF Sinclair verzeichnete eine bemerkenswerte Wende: Das Unternehmen erzielte im Bereich erneuerbarer Diesel einen Gewinn von 133 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 17 Millionen US-Dollar zu Buche gestanden hatte. „Wir haben die harten Zeiten durchgestanden. Lassen Sie uns nun diese guten Zeiten ernten", sagte Franklin Myers, CEO von HF Sinclair, Anfang des Monats gegenüber Investoren. Phillips 66, einer der größten unabhängigen Raffineriebetreiber, konnte die Verluste in seiner Sparte für erneuerbare Kraftstoffe ebenfalls deutlich verringern. Die Anlagen für erneuerbaren Diesel des Unternehmens laufen laut Brian Mandell, Executive Vice President für Marketing und Handel, sogar über ihrer Kapazität.

RIN-Zertifikate als zentraler Gewinntreiber

Ein wesentlicher Faktor hinter der Erholung sind die sogenannten Renewable Identification Numbers, kurz RINs. Diese handelbaren Zertifikate werden Raffinerien zugeteilt, die mehr Biokraftstoff beimischen als gesetzlich vorgeschrieben – und können an Unternehmen verkauft werden, denen die entsprechende Kapazität fehlt. Die neuen Rekordmandate ziehen faktisch eine Untergrenze für die Nachfrage nach biomassebasiertem Diesel ein, wie John Deal, Managing Director für Kapitalmärkte bei der Post Oak Group, erläuterte.

Die Preise für RIN-Zertifikate sind in diesem Jahr laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG um mehr als 80 Prozent auf über 2 US-Dollar pro Stück gestiegen. Dabei werden verschiedene Typen unterschieden: D4-Zertifikate gelten für Biodiesel und erneuerbaren Diesel, D6-Zertifikate für Ethanol auf Maisbasis. „Die neuen Rekordmandate bringen mehrjährige Planungssicherheit und stärkere RINs", sagte Rand Taylor, CEO von Fuel Ox Inc, einem Zulieferer von Kraftstoffadditiven für die Raffinerieindustrie.

Risiken bleiben: Rohstoffpreise und Dieselmarkt unter Druck

Trotz der positiven Entwicklung bestehen erhebliche Unsicherheiten. Die starke Nachfrage der Biokraftstoffproduzenten nach Rohstoffen – insbesondere Sojabohnenöl – sowie eine Verlangsamung der Sojamahlkapazitäten durch Frühjahreswartungen könnten die Sojapreise in die Höhe treiben. Höhere Rohstoffpreise und ein knappes Angebot könnten die Produktion von Biodiesel und erneuerbarem Diesel wiederum bremsen, warnen Händler und Analysten.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Dieselpreise sind infolge des Iran-Krieges um 46 Prozent gestiegen. Angesichts knapper Vorräte bietet die konventionelle Dieselproduktion kurzfristig stärkere Renditen, was sie für einige Raffinerien attraktiver macht als den Ausbau erneuerbarer Kapazitäten, wie Arif Gasilov, Partner beim Beratungsunternehmen Gasilov Group, erklärte.

Ob die aktuelle Erholung nachhaltig ist, bleibt offen. Bereits 2024 legte Chevron zwei Biodiesel-Produktionsanlagen im US-Mittleren Westen aufgrund schlechter Marktbedingungen still. Im selben Jahr unterbrach Vertex Energy die Produktion von erneuerbarem Diesel in seiner Raffinerie in Mobile, Alabama, und kehrte zur fossilen Brennstoffproduktion zurück. „Ob sich dies als nachhaltige Verschiebung oder als vorübergehender Anstieg erweist, wird davon abhängen, wie sich diese Variablen im Laufe der Zeit entwickeln", sagte Geoff Moody, Senior Vice President bei den American Fuel and Petrochemical Manufacturers.

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