US-Renditen nach Iran-Friedensabkommen: Wie weit können sie fallen?
Wolfe Research analysiert, wie stark ein Iran-Friedensabkommen die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen senken könnte.

Investing.com – Eine Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran würde die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zwar unter Druck setzen, doch eine vollständige Rückkehr auf das Vorkriegsniveau ist laut Wolfe Research unwahrscheinlich. Analystin Stephanie Roth schätzt in einer aktuellen Mitteilung, dass etwa die Hälfte des Renditeanstiegs von rund 40 Basispunkten seit Kriegsbeginn auf den sogenannten Iran-Schock zurückzuführen ist.
Der verbleibende Anstieg erklärt sich laut Roth durch zwei weitere Faktoren: ein stärker als erwartet ausgefallenes Wirtschaftswachstum sowie die Umkehr einer Kursrallye, die im Februar durch Sorgen rund um Künstliche Intelligenz ausgelöst worden war. Diese Kombination macht deutlich, dass der Renditeanstieg kein rein geopolitisches Phänomen ist, sondern auch fundamentale Wachstumsdaten widerspiegelt.
Wolfe Research erwartet nur teilweise Umkehr der Renditen
„Falls oder sobald es zu einer Einigung mit dem Iran kommt, würden wir nicht erwarten, dass die Renditen auf das Vorkriegsniveau zurückkehren", schrieb Roth in ihrer Analyse. Stattdessen geht Wolfe Research davon aus, dass sich lediglich etwa 10 bis 15 Basispunkte der kriegsbedingten Bewegung umkehren würden. Der Rest bleibe aufgrund des robusten Wachstums und einer verbleibenden Risikoprämie bestehen.
Konkret bedeutet das: Die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen würden auch nach einem Friedensabkommen in einer höheren Spanne als vor dem Konflikt gehandelt werden – nämlich bei etwa 4,15 % bis 4,40 %. Für Anleger, die auf sinkende Zinsen spekulieren, ist das eine wichtige Einschränkung der Erwartungen.
Um die Bewegung von 40 Basispunkten methodisch aufzuschlüsseln, setzte Wolfe Research ein sogenanntes Sign-Restriction-Modell für tägliche Renditeänderungen ein. Das Ergebnis: Etwa 19 Basispunkte entfallen auf den Iran-Schock, 15 Basispunkte auf eine Neubewertung des Wachstums, und der Rest wird einer Kategorie „Sonstiges" zugeordnet.
Energiepreise und Risikoprämie bleiben belastende Faktoren
Roth betont zudem, dass die Energiepreise wahrscheinlich erhöht bleiben werden – selbst nach einem möglichen Abkommen. Eine gewisse geopolitische Risikoprämie dürfte damit dauerhaft in den Renditen eingepreist bleiben und den Spielraum für eine vollständige Normalisierung weiter einschränken. Für Anleger am Rentenmarkt bedeutet dies, dass das Zinsumfeld strukturell höher bleiben könnte als in der Vorkriegsphase.
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Zur AktienanalyseBesonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Zinserhöhungserwartungen: Wolfe Research stellt fest, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank Fed kräftig auf rund 44 % gestiegen ist. Das Unternehmen bewertet diesen Wert im Vergleich zum eigenen Basisszenario als erhöht – und sieht damit Raum für eine teilweise Auflösung dieser Einpreisung, insbesondere falls ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran zustande kommen sollte.
Für deutsche Anleger, die in US-Staatsanleihen oder zinssensitive Anlageklassen investiert sind, liefert die Analyse von Wolfe Research eine wichtige Orientierung: Ein geopolitischer Entspannungsimpuls allein reicht nicht aus, um die Renditen nachhaltig zu drücken. Wachstumsdaten und strukturelle Risikoprämien bleiben entscheidende Treiber des Zinsniveaus.


