US-Renditen steigen: Turbulenter Juli durch Nahost-Krieg und Fed-Verwirrung
Eskalierender Nahostkonflikt und unklare Fed-Signale treiben US-Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs – ein verlustreicher Monat endet.

Die Renditen für US-Staatsanleihen legten am Freitag zu und schlossen damit einen turbulenten Juli ab. Geprägt war der Monat von einem eskalierenden Nahostkonflikt und widersprüchlichen Signalen der US-Notenbank Federal Reserve, die die langfristigen Kreditkosten auf Mehrjahreshochs trieben. Die richtungsweisende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,69 Prozent, während die Rendite der langlaufenden 30-jährigen Anleihen 5,219 Prozent erreichte und damit nahe ihrem 19-Jahres-Hoch verharrte.
Die zinssensitive zweijährige US-Rendite kletterte auf 2,799 Prozent. Der Anstieg am Freitag bildete den Abschluss eines insgesamt verlustreichen Monats für den Handel mit US-Staatsanleihen. Die Referenzrenditen stiegen im gesamten Juli sprunghaft an, da Anleger am Rentenmarkt mit einem scharfen Anstieg der Rohölpreise rangen.
Nahostkonflikt als Inflationstreiber
Ausgelöst wurde der Ölpreisanstieg durch gemeinsame Luftangriffe der USA und Saudi-Arabiens im Irak, darauffolgende iranische Raketengegenangriffe sowie neue US-Militärschläge im Iran. Die anhaltenden Feindseligkeiten schürten erneut die Angst vor Zweitrundeneffekten bei der Inflation. Dies dämpfte die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren erheblich, da höhere Energiepreise die Teuerung anheizen und damit den Wert festverzinslicher Papiere schmälern können.
Die Verunsicherung am Anleihemarkt verstärkte sich weiter, nachdem der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) am Mittwoch die Leitzinsen unverändert ließ – obwohl drei Ratsmitglieder für eine sofortige Zinserhöhung stimmten. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh trug während seiner Pressekonferenz nach der Sitzung zur Verwirrung des Marktes bei, indem er von der traditionellen Forward Guidance abrückte, gleichzeitig aber die Verpflichtung zur Inflationsbekämpfung bekräftigte. Dies ließ die Händler ohne klaren Fahrplan für den Zinskurs der Zentralbank im Hinblick auf den September zurück.
Die Anleger verarbeiteten zudem gemischte makroökonomische Daten, darunter einen schwächer als erwartet ausgefallenen Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) für Juni. Da die Kerninflation jedoch hartnäckig über dem Zielwert der Fed von 2 Prozent blieb und das wachsende fiskalische Angebot in den USA die Schuldenlast erhöhte, forderten Anleihehändler weiterhin höhere Renditen für das Halten langlaufender Papiere.
Europäische Rentenmärkte ebenfalls unter Druck
Auch in Europa blieben die Anleihemärkte nicht verschont. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sank am Freitag leicht auf 3,15 Prozent und ging damit etwas von den im Wochenverlauf erreichten Mehrwochenhochs zurück. Die zinssensitive zweijährige deutsche Rendite gab auf 2,771 Prozent nach, was eine vorübergehende Pause bei der aggressiven Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen widerspiegelte.
Die bescheidene Erholung der Anleihekurse erfolgte nach Tagen intensiven Verkaufsdrucks an den globalen Rentenmärkten. Die Konsolidierung am Freitag schloss einen volatilen Juli für die europäischen Staatsanleihemärkte ab, in dem die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen im Monatsverlauf um rund 30 Basispunkte stiegen. Während des gesamten Julis wurden die europäischen Refinanzierungskosten durch steigende Energiepreise, hartnäckige Inflationsdaten und die wachsende Sorge vor einer länger anhaltenden restriktiven Geldpolitik stetig nach oben getrieben.
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Zur AktienanalyseEurozone-Inflation zieht im Juli an
Neue Makrodaten zeigten, dass die Gesamtinflation in der Eurozone im Juli auf 2,9 Prozent im Jahresvergleich anzog, nach 2,8 Prozent im Juni. Dies entsprach den Markterwartungen, da sich die Energiepreise beschleunigten. Die zugrunde liegende Kerninflation – ohne die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie – beschleunigte sich auf 2,5 Prozent, während die Dienstleistungsinflation mit 3,3 Prozent auf hohem Niveau verharrte.
Diese Zahlen folgen auf vorläufige Daten auf Länderebene aus Deutschland vom Donnerstag, die eine Erholung der Gesamtpreise signalisierten. Dies stützt die Argumentation für die Europäische Zentralbank (EZB), ihren vorsichtigen und restriktiven geldpolitischen Kurs beizubehalten. Für deutsche Privatanleger bedeutet das Umfeld anhaltend hoher Renditen sowohl Risiken für bestehende Anleiheportfolios als auch Chancen bei neu emittierten festverzinslichen Papieren.


