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US-Rohöllagerbestände steigen überraschend um 17,4 Millionen Barrel

Der größte wöchentliche Zuwachs seit Januar 2023 überraschte die Märkte – Analysten hatten einen Rückgang erwartet.

US-Rohöllagerbestände steigen überraschend um 17,4 Millionen Barrel

Die US-Rohölvorräte haben in der Woche zum 7. August einen massiven und unerwarteten Anstieg verzeichnet. Laut der US-Energiebehörde EIA (Energy Information Administration) stiegen die Bestände um 17,4 Millionen Barrel auf insgesamt 424,4 Millionen Barrel. Dies markiert den größten wöchentlichen Zuwachs seit Januar 2023.

Der Bestandsaufbau kam für die Märkte völlig überraschend. Analysten hatten im Vorfeld einen Rückgang um 1,4 Millionen Barrel prognostiziert – tatsächlich entwickelte sich die Lage also diametral entgegengesetzt. Das aktuelle Lagerniveau stellt zudem den höchsten Stand seit dem 5. Juni dar.

Als wesentlicher Faktor für den Anstieg gilt ein gleichzeitiger Rückgang der US-Rohölexporte in der Berichtswoche. Auch die Rohölbestände am wichtigen Auslieferungslager in Cushing, Oklahoma – dem zentralen Lieferpunkt für WTI-Futures – erhöhten sich um 1,6 Millionen Barrel. Cushing gilt als Barometer für die physische Versorgungslage am US-Ölmarkt.

Marktreaktion: Öl-Futures weiten Verluste aus

Die Veröffentlichung der EIA-Daten sorgte unmittelbar für Bewegung an den Rohstoffmärkten. Die Futures für US-Rohöl (WTI) und die Nordseesorte Brent weiteten ihre Verluste nach Bekanntgabe der Bestandsdaten spürbar aus. Ein unerwartet hoher Lageraufbau signalisiert den Märkten in der Regel ein Überangebot, was Druck auf die Preise ausübt.

Auch die US-Benzinfutures gerieten unter Druck und fielen um 0,63 %. Hintergrund: Die Benzinvorräte sanken zwar um 1 Million Barrel auf 208,7 Millionen Barrel, der Rückgang fiel damit jedoch geringer aus als die erwarteten 1,2 Millionen Barrel.

Raffineriedaten und strategische Reserve

Auf der Verarbeitungsseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Rohöldurchsatz der Raffinerien stieg in der Berichtswoche um 26.000 Barrel pro Tag. Gleichzeitig sank die Raffinerieauslastung leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 96,2 % – ein nach wie vor sehr hohes Niveau, das auf eine starke Verarbeitungsaktivität hindeutet.

Wichtig für die Einordnung der Zahlen: Die veröffentlichten Bestandsdaten umfassen ausdrücklich keine Mengen aus der Strategischen Ölreserve (Strategic Petroleum Reserve, SPR) der USA. Die SPR ist ein staatlicher Notfallspeicher und wird separat ausgewiesen. Die gemeldeten 424,4 Millionen Barrel spiegeln damit ausschließlich die kommerziellen Lagerbestände wider.

Für deutsche Anleger und Energiemarktbeobachter sind die wöchentlichen EIA-Daten ein wichtiger Frühindikator für die globale Ölpreisentwicklung. Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, wirken sich Preisbewegungen auch auf die Energiekosten in Europa und damit auf die Inflation und Unternehmensgewinne hierzulande aus.

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