US-Sanktionslockerung bedroht chinesische Teapots
Irans Rückkehr auf den Ölmarkt könnte Preise senken und Geschäftsmodelle kippen

Ein mögliches Ende der US-Sanktionen gegen iranische Ölexporte könnte erhebliche Auswirkungen auf unabhängige chinesische Raffinerien haben. Diese sogenannten „Teapots“, überwiegend in der ostchinesischen Provinz Shandong angesiedelt, haben sich in den vergangenen Jahren als wichtige Abnehmer iranischen Rohöls etabliert. Sie verarbeiteten laut Schätzungen des Analyseunternehmens Kpler im Jahr 2024 rund 77 Prozent der iranischen Exporte. Der große Reiz liegt in den Preisnachlässen, die Teheran wegen der Sanktionen gewähren muss. Das Geschäftsmodell der kleinen Raffinerien basiert wesentlich auf diesen günstigen Importen.
Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, könnte iranisches Öl in den regulären Handel zurückkehren und zu marktkonformen Preisen angeboten werden. Damit entfiele der Preisvorteil, auf den die Teapots angewiesen sind, um im Wettbewerb mit großen staatlichen chinesischen Raffinerien bestehen zu können. Zusätzlich könnte ein solches Szenario zu einem allgemeinen Preisverfall auf den Weltmärkten führen. Grund dafür ist die potenzielle Ausweitung des Angebots durch eine Wiederaufnahme des offiziellen iranischen Ölexports.
Seit der US-Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen im Jahr 2018 hat die Regierung unter Präsident Donald Trump ein umfassendes Sanktionsregime gegen den iranischen Energiesektor verhängt. Dennoch gelang es Iran, seine Exporte nie vollständig auf null zu reduzieren, wie ursprünglich angekündigt. Während diese im Mai 2018 noch bei 2,8 Millionen Barrel pro Tag lagen, sanken sie im Mai 2020 auf ein Tief von 150.000 Barrel pro Tag. Im Jahr 2025 beträgt das Exportvolumen im Durchschnitt etwa 1,65 Millionen Barrel täglich.
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Zur AktienanalyseEin Großteil dieser Lieferungen erfolgt unter Umgehung offizieller Kanäle. Dabei kommt ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen und eine sogenannte „Dunkelflotte“ zum Einsatz, bei der das Öl während der Überfahrt zwischen verschiedenen Schiffen transferiert wird, um die Herkunft zu verschleiern. Offizielle chinesische Zolldaten weisen keine Importe aus Iran aus. Laut Kpler lag Chinas Anteil an den iranischen Exporten im bisherigen Jahresverlauf bei rund 50 Prozent. Der Rückgang im Vergleich zu 2024 wird mit neuen US-Sanktionen gegen bestimmte Teapots und Hafenbetreiber erklärt. Gleichzeitig befindet sich eine zunehmende Menge iranischen Rohöls in schwimmender Lagerung, was auf verzögerte Entladungen hindeutet. Sollte es zu einer Lockerung der Sanktionen kommen, könnte dieses Öl kurzfristig auf den Markt gelangen.


