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US-Verbündete setzen auf Europa für neue Weltordnung nach Trump

Kanada und Großbritannien warnen: Das westliche Sicherheits- und Handelssystem sei irreparabel zerstört – Europa soll nun führen.

US-Verbündete setzen auf Europa für neue Weltordnung nach Trump

Einige der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten schlagen Alarm. Kanada und Großbritannien warnen offen davor, dass das internationale Sicherheits- und Handelssystem, das die westlichen Mächte seit mehr als 70 Jahren aufgebaut und verteidigt haben, irreparabel zerstört sei. Die Botschaft ist klar: Europa müsse nun die Führung übernehmen und eine neue Weltordnung mitgestalten.

Der kanadische Premierminister Mark Carney trat dabei besonders deutlich in Erscheinung. Bereits früher in diesem Jahr hatte er gewarnt, dass die sogenannte regelbasierte internationale Ordnung an ihr Ende gekommen sei. Diese Ordnung – bestehend aus multilateralen Institutionen, Handelsabkommen und Sicherheitsbündnissen – war nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich von den USA und ihren westlichen Partnern errichtet worden.

Carneys Appell in Armenien

Am Montag wandte sich Carney bei einem internationalen Treffen in Armenien direkt an Dutzende von Staats- und Regierungschefs. Er rief sie eindringlich dazu auf, sich nicht einer zunehmend „transaktionalen, isolationistischen und brutaleren Welt" zu unterwerfen. Die Wortwahl ist bemerkenswert: Sie spiegelt eine wachsende Frustration unter traditionellen US-Verbündeten über die außenpolitische Ausrichtung Washingtons wider.

Der Begriff „transaktional" ist dabei kein Zufall. Er beschreibt eine Außenpolitik, die internationale Beziehungen weniger nach gemeinsamen Werten und Regeln gestaltet, sondern primär nach unmittelbarem nationalem Nutzen und bilateralen Deals bewertet. Für viele langjährige Partner der USA bedeutet dieser Wandel eine fundamentale Erschütterung des bisherigen Bündnissystems.

Europa in der Pflicht

Die Forderung, dass Europa nun eine gestaltende Rolle übernehmen solle, stellt den Kontinent vor erhebliche Herausforderungen. Jahrzehntelang konnten sich europäische Staaten in Sicherheitsfragen weitgehend auf den Schutzschirm der USA verlassen. Eine eigenständigere Rolle in der Weltpolitik würde nicht nur mehr diplomatisches Gewicht, sondern auch deutlich höhere Investitionen in Verteidigung und internationale Institutionen erfordern.

Für deutsche und europäische Anleger ist diese geopolitische Verschiebung von unmittelbarer wirtschaftlicher Relevanz. Eine fragmentiertere Weltordnung mit weniger verlässlichen multilateralen Handelsregeln erhöht die Unsicherheit für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland. Gleichzeitig könnten europäische Rüstungsunternehmen und Infrastrukturinvestoren von einem stärkeren europäischen Engagement profitieren.

Die Entwicklungen zeigen, dass die geopolitische Neuordnung, die sich seit einiger Zeit abzeichnet, nun auch von engsten US-Verbündeten offen thematisiert wird. Ob Europa tatsächlich bereit und in der Lage ist, die beschriebene Führungsrolle zu übernehmen, bleibt eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre – mit weitreichenden Folgen für Märkte, Handel und Sicherheit weltweit.

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