US-Zinssenkungen in weiter Ferne: Trumps neuer Fed-Chef unter Druck
Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh steht vor einem Dilemma: Hartnäckige Inflation verhindert günstigere Kreditzinsen für Verbraucher.

Die Hoffnung auf günstigere Kredite in den USA muss vorerst warten. Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve signalisierten am Mittwoch, dass sie kurzfristig mit einer anhaltend hohen Inflation rechnen. Die Folge: Der Leitzins könnte bis Ende des Sommers sogar steigen – eine Entwicklung, die Millionen von Verbrauchern direkt betrifft.
Der sogenannte Federal Funds Rate beeinflusst sämtliche Kreditzinsen in der US-Wirtschaft, von Kreditkarten über Autokredite bis hin zu Hypotheken. Für deutsche Anleger und Beobachter ist dies ein wichtiges Signal: Was die Fed entscheidet, wirkt sich auf die globalen Finanzmärkte und damit auch auf europäische Anlageentscheidungen aus.
Warsh: Geldpolitik wirkt „ungleichmäßig"
Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der von Präsident Donald Trump ins Amt gebracht wurde, räumte ein, dass die aktuell hohen Zinsen den Immobilien- und Wohnungsmarkt belasten. Er bezeichnete die Auswirkungen der Geldpolitik als „ungleichmäßig". Gleichzeitig lehnte er es in seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Chef dezidiert ab, sich auf Zinserhöhungen festzulegen. „Die gute Nachricht ist, dass wir uns in sechs Wochen wieder treffen", sagte Warsh.
Dabei gibt es durchaus Hoffnungsschimmer: Da die Ölpreise infolge einer Deeskalation im Krieg mit dem Iran sinken, könnte Warsh eine Zinserhöhung in diesem Jahr noch vermeiden. Das würde auch dem erklärten Ziel von Präsident Trump nach niedrigeren Zinsen entgegenkommen. „Wenn sich die Inflationsdaten verbessern, könnten sie die Zinsen ein wenig senken und weniger restriktiv agieren", erklärte Logan Mohtashami, Chefanalyst der Immobilien-Fachpublikation HousingWire.
Hypotheken, Autokredite, Kreditkarten: Die Lage für Verbraucher
Die konkreten Auswirkungen auf US-Verbraucher sind erheblich. Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken war von einem Höchststand von 7,8 Prozent im Herbst 2023 bis Ende Februar auf 5,98 Prozent gesunken. Doch der Krieg im Iran ließ die Energiepreise steigen – und zusammen mit einer sich stabilisierenden US-Wirtschaft und einem robusten Arbeitsmarkt kletterten die Hypothekenzinsen wieder nach oben. Stand Donnerstag lagen sie bei 6,47 Prozent.
Ähnlich verlief die Entwicklung bei Autokrediten: Sie erreichten im August 2024 einen Höchststand von rund 8,6 Prozent, fielen bis Februar auf etwa 7,4 Prozent und sind seitdem nicht weiter gesunken. Besonders belastend für Verbraucher sind die Kreditkartenzinsen, die seit drei Jahren über 20 Prozent verharren. Im Februar lagen sie laut Fed-Daten bei 21 Prozent.
Anleihemarkt sendet gemischte Signale
Der Anleihemarkt gibt bereits Hinweise auf die mögliche Entwicklung. Während die Kreditkosten für kurzfristige US-Staatsanleihen in den letzten 24 Stunden sprunghaft gestiegen sind, sinken die Renditen für länger laufende Papiere. Das deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer eine mögliche Zinserhöhung als kurzlebig einschätzen.
Zuletzt hatte die Fed ihren Leitzins im Juli 2023 erhöht – als Reaktion auf die Inflation, die während der Covid-19-Pandemie durch überschüssige Liquidität bei den Verbrauchern angeheizt worden war. Seitdem sind die Zinsen schrittweise gesunken.
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Zur AktienanalyseInflation bleibt das zentrale Risiko
Der Inflationsausblick bleibt jedoch trüb. Auch wenn der Konflikt mit dem Iran abzuflauen scheint und die Ölpreise sinken, treiben Zölle und Ausgaben für Künstliche Intelligenz das Preiswachstum weiter an, warnte Krishna Guha, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Finanzgruppe Evercore ISI. Die Inflation müsse „noch deutlichere Anzeichen einer Verlangsamung zeigen", um eine Zinserhöhung zu vermeiden, so Guha.
Die am Mittwoch veröffentlichten Inflationsprognosen der Fed bestätigen diese Einschätzung: Das wichtigste Inflationsmaß der Notenbank soll für den Rest des Jahres voraussichtlich über 3 Prozent bleiben. „Im Moment haben wir große Fragezeichen bei der Inflation", sagte Adam Turnquist, Chef-Marktanalyst der Vermögensverwaltungsgruppe LPL Financial. „Es deutet alles auf eine unruhige Fahrt hin."
Warsh betonte in seiner Pressekonferenz, die Fed sei der Preisstabilität verpflichtet. Ob er dabei Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen erfüllen kann, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Inflationsdaten in den kommenden Wochen entwickeln.


