US-Zölle auf brasilianischen Instantkaffee treffen Verbraucher und Unternehmen
Ein geplanter US-Zoll von 25% auf brasilianischen Instantkaffee könnte Preise erhöhen und Geringverdiener besonders hart treffen.

Die USA importieren mehr als ein Fünftel ihres Instantkaffees aus Brasilien – rund 15.500 Tonnen jährlich. Nun droht ein US-Zolltarif von 25% auf dieses Produkt, der laut der brasilianischen Instantkaffee-Industrie die Kosten für amerikanische Unternehmen und Verbraucher deutlich in die Höhe treiben würde. Der brasilianische Verband der löslichen Kaffeeindustrie (Abics) warnt vor erheblichen Folgen für die gesamte Lieferkette.
Mehr als 90% des brasilianischen Instantkaffees ist für den US-Markt bestimmt. Gleichzeitig produzieren die USA weniger als 6% ihres eigenen Instantkaffees selbst. „Die (USA) sind auf Importe angewiesen, und es gibt derzeit keine Lieferanten, die in der Lage wären, die Mengen Brasiliens zu vergleichbaren Preisen zu ersetzen", sagte Aguinaldo José de Lima, Exekutivdirektor von Abics.
Doppelte Zollbelastung durch Trump-Administration
Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) hat im Rahmen einer Untersuchung nach Abschnitt 301 einen neuen Zoll von 25% auf brasilianische Produkte vorgeschlagen. Zusätzlich hat die Trump-Administration separat einen Zoll von 12,5% auf Waren aus mehr als 60 Ländern angekündigt, der ebenfalls brasilianischen Instantkaffee betrifft. Derzeit unterliegt brasilianischer Instantkaffee dem vorübergehenden globalen Einfuhrzoll von 10%, den das Weiße Haus verhängt hatte, nachdem US-Gerichte einen früheren Zoll von 50% auf die meisten brasilianischen Waren gekippt hatten.
Vertreter von Abics, der brasilianischen Kaffee-Exporteursgruppe Cecafe sowie der in den USA ansässigen National Coffee Association (NCA) nahmen an öffentlichen Anhörungen des USTR in Washington teil. Sie argumentierten gemeinsam, dass der vorgeschlagene Zoll die Verbraucherpreise erhöhen, die Margen der Unternehmen unter Druck setzen und Haushalte mit geringerem Einkommen unverhältnismäßig stark belasten würde. „Durch die Erhebung zusätzlicher Zölle treffen die ersten Auswirkungen Unternehmen und Arbeitsplätze, und diese höheren Kosten werden letztendlich an die amerikanischen Verbraucher weitergegeben", betonte Lima.
Wachsende Beliebtheit von Instantkaffee in den USA
Instantkaffee hat in den USA zuletzt deutlich an Beliebtheit gewonnen. Laut der National Coffee Association konsumieren ihn inzwischen 11% der täglichen Kaffeetrinker – gegenüber lediglich 6% im Jahr 2021. Dieser Trend macht die Abhängigkeit vom Import umso bedeutsamer, da die heimische Produktion den Bedarf bei weitem nicht decken kann.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBesonders auffällig ist aus Sicht der brasilianischen Industrie die ungleiche Behandlung von Instantkaffee im Vergleich zu anderen Kaffeeprodukten. Lima wies darauf hin, dass alle anderen Kaffeeprodukte von den Zöllen befreit wurden – nur Instantkaffee nicht. „Sogar aromatisierter Instantkaffee ist befreit, daher gibt es keine technische Rechtfertigung dafür, Instantkaffee anders zu behandeln", sagte er. Die Branche sieht darin eine sachlich nicht begründbare Ungleichbehandlung, die sie gegenüber dem USTR klar kommuniziert hat.
Für deutsche Beobachter ist der Handelsstreit ein weiteres Beispiel dafür, wie die US-Zollpolitik unter der Trump-Administration globale Lieferketten unter Druck setzt – mit direkten Folgen für Endverbraucher und mittelständische Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks.


