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USA als Klumpenrisiko: Wie Anleger ihr Depot jetzt schützen

Dollar-Schwäche, KI-Konzentration und Rekorddefizite: Warum das US-Übergewicht im Depot für Privatanleger gefährlicher wird.

USA als Klumpenrisiko: Wie Anleger ihr Depot jetzt schützen

Die USA galten für Anleger jahrzehntelang als verlässlicher Renditegarant. Wer in den vergangenen zehn Jahren auf den S&P 500 gesetzt hat, konnte seinen Einsatz mehr als verdreifachen. Tech-Giganten wie Apple, Microsoft, Alphabet, Nvidia und Amazon trieben die Kurse an – befeuert von KI-Fantasie und global dominanten Geschäftsmodellen.

Doch genau diese Erfolgsgeschichte birgt heute ein unterschätztes Risiko. Viele Privatanleger sind weit stärker in den USA investiert, als ihnen bewusst ist – auch jene, die schlicht einen ETF auf den MSCI World besparen.

Warum der MSCI World ein Amerika-Problem hat

Der Grund liegt in der Konstruktion des Index: Der MSCI World gewichtet nach Marktkapitalisierung. Je stärker US-Aktien steigen, desto größer wird ihr Anteil. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Aktuell entfallen rund 72 Prozent des MSCI World auf US-amerikanische Titel.

„Die Anleger unterschätzen ganz massiv, dass der MSCI World Index mittlerweile massiv übergewichtet ist in den USA", warnt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Acatis. „Wir reden über einen Anteil von 72 Prozent, mit denen man an US-Aktien hängt – und damit auch am Dollar."

Seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2025 hat der Dollar gegenüber dem Euro mehr als elf Prozent an Wert verloren. Für deutsche Anleger bedeutet das: Selbst wenn US-Aktien an der Wall Street kräftig zulegen, frisst die Währungsschwäche einen erheblichen Teil der Rendite auf. In Euro gerechnet kommt ein Teil der Kursgewinne schlicht nicht an.

Dollar-Vertrauen schwindet – auch bei Superreichen

Dass dieses Thema längst keine Nischendiskussion mehr ist, zeigt eine aktuelle UBS-Umfrage unter sehr vermögenden Family Offices weltweit. Rund zwei Drittel der befragten Familien rechnen damit, dass das Vertrauen in den Dollar als globale Reservewährung in den nächsten zwölf Monaten abnimmt. Fast die Hälfte sieht sich zu stark im Dollar engagiert und plant eine breitere Aufstellung.

Die Ursachen für den schwächeren Dollar sind vielschichtig: hohe Staatsverschuldung, wachsende Haushaltsdefizite, hartnäckige Inflation und geopolitische Unsicherheiten unter der Trump-Regierung spielen alle eine Rolle. Edgar Walk, Chefökonom bei Metzler Asset Management, bringt es auf den Punkt: „Die USA steuern in diesem Jahr auf ein rekordhohes Staatsdefizit von rund zwei Billionen Dollar zu. Gleichzeitig gibt es keine Perspektive, dass die Regierung auf absehbare Zeit sparen will."

Riße ergänzt: „Die Schulden steigen unter Trump nochmals schneller als unter Biden oder Obama." Hinzu kommt, dass Trump einen schwachen Dollar durchaus begrüßt, weil er US-Exporte wettbewerbsfähiger macht.

KI-Konzentration verschärft das Klumpenrisiko

Neben dem Währungsrisiko kommt ein weiteres Problem hinzu: Die US-Börse ist heute stärker auf wenige Konzerne aus einer einzigen Branche konzentriert als je zuvor. Walk formuliert es zugespitzt: „Die US-Börse repräsentiert nicht mehr die US-Wirtschaft, sondern nur noch den Technologiesektor." Und innerhalb dieses Sektors dreht sich alles um ein einziges Thema – Künstliche Intelligenz.

Kapitalmarktexperten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Klumpenrisiko. Bei einem hohen USA-Anteil im Depot bündeln sich gleich mehrere solcher Risiken: ein Land, eine Währung, eine Branche und ein Investmentthema. Das macht das Portfolio anfälliger für Schocks – egal ob politischer, wirtschaftlicher oder technologischer Natur.

Diversifizierung statt Panikverkauf

Die Antwort auf diese Risiken lautet jedoch nicht, Amerika aus dem Depot zu streichen. Die USA bleiben der bedeutendste Kapitalmarkt der Welt – mit den meisten global führenden Börsenkonzernen und dem größten Kapitalzufluss. Auch Riße warnt ausdrücklich: „Man kommt an den USA am Ende nicht vorbei, man muss sie im Portfolio schon drin haben." Die entscheidende Frage sei nicht ob, sondern mit welchem Gewicht. Ein US-Anteil von über 70 Prozent, wie ihn der MSCI World abbildet, hält er für deutlich zu hoch.

Das Stichwort lautet Diversifizierung – also die Risikostreuung über Regionen, Branchen, Währungen und Anlageklassen hinweg. ETF-Anleger haben dabei konkrete Alternativen:

MSCI ACWI

und

FTSE All-World

umfassen neben Industrieländern auch Schwellenländer

MSCI ACWI IMI

geht noch einen Schritt weiter und bezieht zusätzlich kleinere Unternehmen ein

  • Anleihen bieten eine weitere Möglichkeit zur Risikostreuung
  • Gold kann als Beimischung sinnvoll sein – Riße betont: „Gerade vor dem Hintergrund der hohen Verschuldungszuwächse in der Welt, aber insbesondere auch in den USA, ist eine gewisse Goldbeimischung sicherlich nicht falsch"

Ein erster sinnvoller Schritt für Privatanleger ist schlicht die Bestandsaufnahme: Wie hoch ist der tatsächliche USA-Anteil im eigenen Depot – inklusive ETFs und Fonds mit hoher Dollar-Quote? Wer darauf keine klare Antwort hat, ist womöglich stärker von der Entwicklung in den USA abhängig, als ihm bewusst ist. Die alte Gleichung „viel USA gleich viel Rendite" ist nicht falsch – aber sie ist riskanter geworden.

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