ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

USA brauchen ein neues Manhattan-Projekt für Fusionsenergie

Ein Columbia-Professor fordert massive staatliche Investitionen, während China die USA bei der Fusionsforschung zunehmend überholt.

USA brauchen ein neues Manhattan-Projekt für Fusionsenergie

Die Fusionsenergie gilt als eine der vielversprechendsten Energiequellen der Zukunft: Sie erzeugt Strom ohne Treibhausgasemissionen, ist unabhängig von Wetterbedingungen und nutzt einen Brennstoff, der nicht an geopolitische Lieferketten gebunden ist. Ein Pfund dieses Brennstoffs kann so viel Energie erzeugen wie zehn Millionen Pfund Kohle oder sechs Millionen Pfund Erdgas. Doch trotz dieser enormen Potenziale hinken die USA bei der staatlichen Förderung deutlich hinterher.

Das mahnt zumindest Jeremy Donat, Direktor des Columbia Fusion Research Center und außerordentlicher Professor für angewandte Physik an der Columbia University, in einem Gastbeitrag für die Financial Times. Er warnt: Das Land, das die Fusionsenergie zuerst kommerziell nutzbar macht, werde eine Vielzahl strategischer Vorteile erlangen – ähnlich wie einst die Kernspaltung die Weltordnung neu gestaltet hat.

Chronische Unterfinanzierung bremst den Fortschritt

Die US-Regierung stellt derzeit lediglich 800 Millionen US-Dollar jährlich für die Fusionsenergieforschung bereit. Das entspricht nur etwa drei Prozent des NASA-Budgets. Die jüngste Initiative des Energieministeriums, das neue Office of Fusion, hatte in diesem Jahr sogar nur einen Budgetantrag von zehn Millionen US-Dollar. Donat sieht darin ein strukturelles Problem: Die Kernfusion rücke stets ins öffentliche Bewusstsein, wenn Energiekrisen auftreten, gerate aber wieder in Vergessenheit, sobald der Druck nachlasse.

Dieses Muster zeigt sich historisch deutlich. Der Energieschock der 1970er Jahre löste einen Finanzierungsschub für die Fusionsforschung aus – doch als die Ölpreise Ende der 1980er Jahre einbrachen, versiegte auch die Förderung. Danach stagnierte das Fachgebiet über Jahrzehnte. Zwar hat inzwischen privates Risikokapital die öffentliche Förderung in den Schatten gestellt, doch ein unkoordinierter Ansatz sei laut dem Wissenschaftler nicht der richtige Weg, um eine so bahnbrechende Technologie voranzubringen.

China investiert massiv – und baut Infrastruktur

Besonders alarmierend ist der Vergleich mit China. Einer Schätzung zufolge hat China seit Anfang 2023 mindestens 6,5 Milliarden US-Dollar für Fusionsprojekte mobilisiert – fast das Dreifache der Mittel, die dem Fusion Energy Sciences Program des US-Energieministeriums im gleichen Zeitraum zugewiesen wurden. Darüber hinaus legt China den Grundstein für massive Fusions-Infrastrukturprojekte und setzt damit auf eine langfristige Strategie, die industriellen Hebel zu beherrschen – selbst wenn die grundlegende Wissenschaft anderswo entwickelt wird.

Die Parallelen zur Solarenergie sind laut Donat unübersehbar: Die zugrunde liegende Technologie der Photovoltaik wurde in den Bell Labs in New Jersey erfunden – doch China dominiert heute die globale Solarindustrie. Ein ähnliches Szenario drohe bei der Fusionsenergie, wenn die USA nicht gegensteuern.

Hinzu kommt ein weiteres kritisches Problem: der Fachkräftemangel. Berichten zufolge übertrifft China die USA bei der Anzahl der Doktoranden, die im Bereich der Fusion arbeiten, um den Faktor zehn. Ohne koordinierte staatliche Förderung fehlen die Anreize, qualifizierte Wissenschaftler in diesem Bereich auszubilden und zu halten.

Der Ruf nach einem neuen Manhattan-Projekt

Donat zieht eine historische Parallele: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die wissenschaftlichen Grundlagen der Kernkraft erstmals in der Pupin Hall der Columbia University demonstriert – rund 150 Meter von seinem heutigen Arbeitsplatz entfernt. Die Physiker John R. Dunning und Enrico Fermi nutzten dort einen eigens gebauten Teilchenbeschleuniger, um die spaltbare Form von Uran zu identifizieren. Diese Experimente ebneten den Weg für das Manhattan-Projekt im Jahr 1942.

Genau ein solches Großprojekt – unterstützt durch ehrgeizige staatliche Mittel – fordert Donat nun für die Fusionsenergie. Die Wissenschaftler seien zuversichtlich, dass die grundlegende Physik verstanden sei und Fusionsbedingungen im Labor reproduziert werden könnten. Was fehle, seien die Mittel, um die verbleibenden ingenieurtechnischen Hürden zu überwinden.

Sein Appell ist klar: Die Geschichte zeige, dass Energiekrisen zum Handeln anspornen können. Dieses Mal sollten die USA handeln, bevor das Gefühl der Dringlichkeit wieder nachlasse.

FusionsenergieManhattan-ProjektUsa China WettbewerbKernfusion ForschungEnergiepolitik UsaColumbia University FusionFusionsreaktor Finanzierung

Disclaimer