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USA: Erste kommerzielle Kernkraftprojekte seit einem Jahrzehnt im Bau

TerraPower und Kairos Power starten Bauarbeiten – ein möglicher Wendepunkt für die lange stagnierende Kernkraftbranche.

USA: Erste kommerzielle Kernkraftprojekte seit einem Jahrzehnt im Bau

Die USA erleben einen historischen Moment in ihrer Energiegeschichte: Erstmals seit einem Jahrzehnt befinden sich wieder kommerzielle Kernkraftprojekte im Bau. Zwei Unternehmen haben in dieser Woche den entscheidenden Schritt von der Planungsphase in die Realität gewagt – ein Signal, das die gesamte Energiebranche aufhorchen lässt.

TerraPower, ein Unternehmen, das von Bill Gates vor fast 20 Jahren gegründet wurde, hat am Mittwoch mit den Bauarbeiten an einem Projekt im US-Bundesstaat Wyoming begonnen. Nahezu zeitgleich erfolgte bei Kairos Power der erste Spatenstich für eine Anlage im Bundesstaat Tennessee. Der dort erzeugte Strom soll künftig an den Technologieriesen Google verkauft werden.

Jahrelange Stagnation überwunden

Lange Zeit war die viel beschworene Renaissance der Kernkraft kaum mehr als ein Versprechen auf dem Papier. Die Branche war geprägt von Entwürfen, Klimaversprechen und politischen Absichtserklärungen – doch konkrete Bauvorhaben blieben die Ausnahme. Kostenüberschreitungen und massive Verzögerungen hatten das Vertrauen in die Technologie über Jahre hinweg geschwächt und den Enthusiasmus für neue Projekte erheblich gedämpft.

Die meisten Kernkraftwerke in den USA wurden vor 1990 gebaut. Seitdem hat die Branche kaum nennenswerte neue Kapazitäten errichtet. Dieses strukturelle Defizit trifft nun auf eine dramatisch veränderte Nachfragesituation.

KI-Boom befeuert Energiehunger

Das neu erwachte Interesse an der Kernkraft fällt mit dem größten Anstieg der Stromnachfrage seit einer Generation zusammen. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem der rasant wachsende Bedarf von Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Die Tech-Branche sucht händeringend nach gewaltigen, zuverlässigen Energiemengen – und sieht in der Kernkraft eine vielversprechende Antwort auf diese Herausforderung.

Für deutsche Leser ist dieser Trend besonders bemerkenswert: Während Deutschland seinen letzten Kernreaktor 2023 abgeschaltet hat, setzt die weltgrößte Volkswirtschaft nun wieder verstärkt auf diese Technologie. Die Entwicklung in den USA könnte mittelfristig auch die europäische Debatte über die Rolle der Kernkraft in der Energiewende neu entfachen.

Kleinere Reaktoren als Lösung

TerraPower und Kairos Power verfolgen dabei einen neuen Ansatz. Beide Unternehmen gehören zu den Entwicklern, die auf kleinere, optimierte Reaktordesigns setzen. Das Ziel: die klassischen Schwachstellen der Branche zu überwinden, die in der Vergangenheit immer wieder zu Kostenexplosionen und jahrelangen Bauverzögerungen geführt haben.

Ob diese neue Generation von Reaktoren tatsächlich die versprochenen Vorteile liefern kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Bauarbeiten in Wyoming und Tennessee sind jedoch ein klares Zeichen, dass die Kernkraft in den USA nicht länger nur Konzept ist – sondern wieder Wirklichkeit wird. Für Investoren und Energiemärkte weltweit bleibt die Entwicklung dieser Projekte ein wichtiger Gradmesser für die Zukunft der Atomkraft.

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