USA und Japan intervenieren gemeinsam erstmals seit 30 Jahren am Yen-Markt
Das US-Finanzministerium kaufte Yen über die New York Fed – abgewickelt durch Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Das US-Finanzministerium hat am Freitag direkt am Devisenmarkt interveniert und damit gemeinsam mit Japan die japanische Währung gestützt. Es ist das erste Mal seit fast 30 Jahren, dass Washington und Tokio ihre Kräfte bündeln, um den Yen durch direkte Käufe zu stärken. Die Federal Reserve Bank of New York führte dabei den ungewöhnlichen Schritt aus, im Auftrag des Finanzministeriums Euro zu verkaufen und dafür Yen zu kaufen.
Die Transaktionen wurden laut drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen über Goldman Sachs und Morgan Stanley abgewickelt. Das Finanzministerium hatte zuvor mehreren Banken an der Wall Street signalisiert, dass eine Intervention zur Stützung des Yen erwogen werde. Die New York Fed und Goldman Sachs lehnten eine Stellungnahme ab, das Finanzministerium und Morgan Stanley reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Historischer Hintergrund der Intervention
Die aktuelle Maßnahme ist die erste US-Intervention zur Stärkung des Yen seit 1998. Damals kauften die USA die japanische Währung, nachdem der Yen auf ein Achtjahrestief gefallen war und Japans Wirtschaft unter Druck stand. Im Jahr 2011 intervenierten die USA ebenfalls – allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Damals sollte der Yen im Rahmen einer koordinierten internationalen Aktion geschwächt werden, um eine gefährliche Aufwertung nach dem verheerenden Tohoku-Erdbeben und Tsunami zu verhindern.
Der Auslöser für die jetzige Intervention war die extreme Schwäche des Yen. Am 23. Juli hatte die japanische Währung gegenüber dem US-Dollar den schwächsten Stand seit 1986 erreicht – ein Niveau, das sowohl in Tokio als auch in Washington Alarm auslöste.
Yen erholt sich deutlich – Markt reagiert stark
Der Yen hat sich in den vergangenen sechs Handelstagen spürbar erholt. Am Donnerstag gab der Dollar gegenüber dem Yen um rund 4 Prozent nach, da Marktteilnehmer spekulierten, dass die japanische Regierung ebenfalls interveniert hatte – ein Anstieg des Handelsvolumens nährte diese Vermutungen. Am Freitag verlor der Dollar weitere 1,9 Prozent und notierte bei 157,57 Yen.
Analysten, die offizielle Daten und Schätzungen von Brokern auswerteten, gehen davon aus, dass die japanische Intervention am Donnerstag ein Volumen von etwa 8,45 Billionen Yen – umgerechnet rund 52,8 Milliarden US-Dollar – hatte. Das unterstreicht das Ausmaß der koordinierten Bemühungen beider Länder.
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Zur AktienanalyseDiplomatische Signale zwischen Washington und Tokio
Parallel zur Marktintervention sendete US-Finanzminister Scott Bessent auch diplomatische Signale. Er postete auf der Plattform X, dass er sich darauf freue, „meinen langjährigen Freund, den Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda", beim Treffen der G20-Finanzminister im August in North Carolina zu treffen. Bessent betonte zudem, dass die beiden Länder „weiterhin eine starke Beziehung und eine enge Abstimmung pflegen".
Die koordinierte Aktion zeigt, wie ernst beide Regierungen die Yen-Schwäche nehmen. Für deutsche Anleger und Exporteure ist die Entwicklung relevant, da Währungsbewegungen dieser Größenordnung globale Kapitalflüsse und die Wettbewerbsfähigkeit internationaler Unternehmen beeinflussen können. Ein schwacher Yen macht japanische Exporte günstiger und erhöht den Druck auf europäische und amerikanische Konkurrenten.


