USA verschärfen Zölle auf Stahl und Aluminium
Europa und Kanada reagieren mit Gegenmaßnahmen und neuen Handelskonflikten

Die von US-Präsident Donald Trump erhöhten Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte sind in Kraft getreten. Die Maßnahme führt zu einer globalen Eskalation der Handelskonflikte und löste umgehend Reaktionen aus Europa und anderen betroffenen Ländern aus. Die Importzölle betragen nun 25 Prozent und erfassen neben Rohmaterialien auch zahlreiche weiterverarbeitete Produkte, darunter Schrauben, Bulldozer-Schaufeln und Getränkedosen.
Die Europäische Kommission kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an. Ab dem kommenden Monat sollen Zölle in Höhe von 26 Milliarden Euro auf US-Waren erhoben werden. Auch Kanada, Großbritannien und Australien äußerten scharfe Kritik. Während Kanada mögliche Vergeltungsmaßnahmen prüft, erklärte der britische Handelsminister Jonathan Reynolds, dass alle Optionen in Betracht gezogen würden. Der australische Premierminister Anthony Albanese bezeichnete die Maßnahme als "völlig ungerechtfertigt" und widersprächlich zur langjährigen Partnerschaft beider Länder.
Besonders betroffen sind Kanada, Brasilien, Mexiko und Südkorea, die bislang teilweise von Zollerleichterungen profitierten. Kurz vor der Frist hatte Trump mit einer Verdopplung der Zölle auf kanadische Stahl- und Aluminiumexporte auf 50 Prozent gedroht. Diese Drohung wurde zurückgenommen, nachdem Ontarios Premier Doug Ford zusagte, einen 25-prozentigen Zuschlag auf Stromexporte in die USA vorerst auszusetzen. Ford und der kanadische Finanzminister Dominic LeBlanc reisen am Donnerstag nach Washington, um mit US-Handelsvertretern über mögliche Anpassungen des Handelsabkommens USMCA zu sprechen.
Die erneuten Zölle auf Stahl und Aluminium waren bereits während Trumps erster Amtszeit 2018 unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen eingeführt, später jedoch durch zahlreiche Ausnahmen abgeschwächt worden. US-Stahlproduzenten begrüßen die Wiederherstellung der umfassenden Schutzzölle. Philip Bell, Präsident der Steel Manufacturers Association, sprach von einer Stärkung der amerikanischen Industrie und neuen Investitionsmöglichkeiten.
Die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und Kanada verschärfen sich inmitten eines politischen Wechsels in Ottawa. Premierminister Justin Trudeau wird in dieser Woche die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Mark Carney übergeben, der sich am vergangenen Wochenende die Führung der regierenden Liberalen sicherte. Carney kündigte an, erst nach seiner offiziellen Vereidigung mit Trump sprechen zu können. Trump erneuerte unterdessen seine kontrovers diskutierte Forderung, Kanada solle der 51. Bundesstaat der USA werden.
Kanadas Energieminister Jonathan Wilkinson brachte als mögliche Gegenmaßnahmen nicht-tarifäre Beschränkungen ins Spiel. Darunter fielen Exportzölle auf Mineralien oder eine Drosselung der Öllieferungen in die USA, die täglich rund vier Millionen Barrel über Pipelines vor allem an Raffinerien im Mittleren Westen erhalten. Eine Besteuerung amerikanischen Ethanols sei ebenfalls denkbar.
Die meisten Handelsgüter zwischen den USA und Kanada bleiben im Rahmen des USMCA-Abkommens zollfrei. Dennoch hält Trump an seiner Kritik an Kanadas hohen Zöllen auf Molkereiprodukte fest. Ottawa erreichte zuletzt einen Aufschub der neuen 25-Prozent-Zölle für USMCA-konforme Exporte im Zusammenhang mit Vorwürfen des Fentanyl-Schmuggels. Im April könnte Kanada jedoch weiteren Vergeltungszöllen gegenüberstehen, die darauf abzielen, bestehende ausländische Importzölle zu spiegeln und nicht-tarifäre Handelshemmnisse auszugleichen.
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Zur AktienanalyseDie kanadische Aluminiumindustrie, die aufgrund günstiger Wasserkraftstandorte gegenüber US-Herstellern Wettbewerbsvorteile genießt, dominiert weiterhin den US-Markt. Während US-Hütten, die nach Trumps ersten Zollerhöhungen reaktiviert worden waren, inzwischen größtenteils wieder stillgelegt wurden, bleibt China der zweitgrößte Aluminiumlieferant. Peking unterliegt bereits hohen Strafzöllen wegen mutmaßlicher Subventionen und Dumpingpreisen sowie einer neuen 20-prozentigen Abgabe infolge von Vorwürfen der Fentanyl-Verbreitung.
Die anhaltende Fokussierung auf Zollerhöhungen seit Trumps Amtsantritt sorgt zunehmend für Unsicherheiten unter Investoren, Verbrauchern und Unternehmen. Wirtschaftswissenschaftler warnen vor wachsenden Rezessionsrisiken. Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage unter Kleinunternehmen zeigte einen Rückgang der Stimmung zum dritten Mal in Folge. Eine weitere Untersuchung der New Yorker Federal Reserve ergab, dass das Vertrauen der Verbraucher nach dem zwischenzeitlichen Anstieg im November wieder gesunken ist.

