Value oder Growth: Warum es noch bessere Investmentfaktoren gibt
Zwischen Waffenstillstandshoffnungen und Ölpreisanstieg zeigt sich: Im Rennen der Investmentstile gibt es schnellere Pferde als Value und Growth.

Die Aktienmärkte stehen unter Druck. Nach den kräftigen Gewinnen vom Mittwoch, die auf Hoffnungen auf einen Waffenstillstand zurückzuführen waren, droht nun eine Gegenbewegung. Der Grund: Die erhoffte Waffenruhe blieb aus, und die Ölpreise steigen erneut. Der Iran scheint seinen Einfluss auf die strategisch bedeutsame Straße von Hormus weiter gefestigt zu haben.
Die kurzlebige Euphorie vom Vortag spiegelte laut einem Marktstrategen „eine Art Nachholbedarf für ein Mindestmaß an guten Nachrichten" wider. Solche reaktiven Marktbewegungen verdeutlichen, wie stark geopolitische Faktoren derzeit das Börsengeschehen dominieren – und wie schnell sich Stimmungen wieder umkehren können.
Value-Aktien im Aufwind – aber nicht unangefochten
Das laufende Jahr war bislang ein gutes Jahr für Value-Aktien – zumindest im relativen Vergleich. Zwei wesentliche Treiber stehen dahinter: ein Energieschock sowie ein massiver Ausverkauf bei Softwareunternehmen. Letzterer wurde durch Befürchtungen ausgelöst, dass Künstliche Intelligenz traditionelle Softwareanbieter verdrängen könnte.
Doch trotz dieser relativen Stärke von Value stellt sich die Frage, ob dieser Investmentstil wirklich die beste Wahl ist. Im Wettrennen der Investmentfaktoren gibt es laut Marktbeobachtern schlicht „schnellere Pferde" als die klassische Gegenüberstellung von Value und Growth.
Growth: Schnell, klar definiert – aber nur auf der Kurzstrecke stark
Von den beiden bekannten Investmentstilen stach Growth zuletzt besonders hervor. Der Stil ist zudem vergleichsweise einfach zu definieren: Entscheidend sind die Wachstumsgeschwindigkeit von Umsatz und Gewinn sowie das Kursmomentum der Aktie. Auf kurze Sicht gewinnt Growth den Sprint – das zeigen die Marktdaten immer wieder.
Value hingegen gilt als der unangefochtene Langstrecken-Champion unter den Investmentstilen. Über lange Zeiträume hinweg haben günstig bewertete Aktien historisch betrachtet eine starke Outperformance gezeigt. Das Problem liegt derzeit jedoch weniger darin, dass der Stil aus der Mode gekommen ist, sondern vielmehr in der Art und Weise seiner Bewertung – also darin, wie Value-Aktien identifiziert und gemessen werden.
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Zur AktienanalyseWas bedeutet das für Anleger?
Für deutsche Privatanleger lässt sich daraus eine wichtige Erkenntnis ableiten: Die klassische Frage „Value oder Growth?" greift möglicherweise zu kurz. Beide Stile haben ihre Berechtigung – je nach Marktphase und Anlagehorizont. Wer jedoch ausschließlich auf diese beiden Kategorien setzt, könnte andere Investmentfaktoren übersehen, die in bestimmten Marktphasen deutlich besser abschneiden.
Die aktuelle Gemengelage aus geopolitischen Spannungen, Energiepreisschocks und dem KI-getriebenen Technologiewandel macht eine differenzierte Betrachtung wichtiger denn je. Anleger sollten ihren Blick über das klassische Value-Growth-Spektrum hinaus weiten und die gesamte Bandbreite verfügbarer Investmentfaktoren in ihre Überlegungen einbeziehen.


