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Varta plant radikalen Sanierungskurs

Schuldenabbau und Kapitalspritze sollen den Batteriehersteller retten, Aktionäre bleiben außen vor

Varta plant radikalen Sanierungskurs

Der schwäbische Batteriehersteller Varta steht vor einer radikalen finanziellen Umstrukturierung, um seine Existenz zu sichern. Am Montag meldete das Unternehmen beim Amtsgericht Stuttgart ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren an. Ziel ist es, die hohe Schuldenlast von fast 500 Millionen Euro zu reduzieren und frisches Kapital in Höhe von knapp 100 Millionen Euro zu beschaffen. Die Aktien des Unternehmens erlitten daraufhin einen massiven Einbruch, sie fielen um fast 80 Prozent auf ein Rekordtief von 2,10 Euro.

Michael Ostermann, der Vorstandschef, der im Mai zu Varta kam, erklärte, dass zwei Rettungspläne zur Debatte stehen. Einer dieser Pläne sieht eine gemeinsame Kapitalspritze des bisherigen Großaktionärs Michael Tojner und des Sportwagenbauers Porsche vor. Der andere Plan stammt von den Gläubigern, die einen Schuldentausch gegen Unternehmensanteile vorschlagen, was zu einer Verwässerung der Anteile von Tojner führen würde. Tojner hat sich bisher nicht öffentlich zu den Plänen geäußert.

Ostermann betonte, dass eine Reduzierung der Schulden notwendig sei, um Varta wieder investieren zu lassen. Er erklärte, dass die Banken und Hedgefonds, die in einen Konsortialkredit über 235 Millionen Euro investiert haben, sowie die Gläubiger der Schuldscheindarlehen über 250 Millionen Euro, in den Schuldenschnitt einwilligen müssten. Eine positive Fortführungsprognose der Gutachter, die Voraussetzung für die Vermeidung einer Insolvenz, hängt von einer hohen zweistelligen Millionen-Kapitalspritze ab.

Der österreichische Investor Tojner, der etwa 50 Prozent der Varta-Anteile hält, würde mehr als die Hälfte des benötigten Kapitals beisteuern und damit die Mehrheit behalten. Der Rest könnte von Porsche kommen. Ein Sprecher des Sportwagenbauers bestätigte, dass Verhandlungen mit Varta im Gange seien. Porsche ist vor allem an den großen Lithium-Ionen-Batteriezellen interessiert, die im nächsten Porsche 911 GTS verwendet werden sollen. Porsche hat signalisiert, die Mehrheit an der Varta-Tochter V4Drive zu übernehmen, die Auto-Batterien exklusiv für Porsche herstellt. Es geht um sogenannte Booster-Batterien, die zusätzliche Leistung liefern.

Investitionen aus den Jahren 2021 und 2022, insbesondere in große Lithium-Ionen-Batterien und Mini-Akkus für Kopfhörer, haben sich laut Ostermann bisher nicht ausgezahlt und zur aktuellen Schieflage des Unternehmens beigetragen. Der Bau einer Fabrik für große Lithium-Ionen-Batterien wurde mangels Aufträgen vorerst gestoppt.

Ein Jahresabschluss für 2023 steht noch aus, was Ostermann auf einen Cyberangriff im Frühjahr und die unsichere Zukunft des Unternehmens zurückführt. Bis zur Umsetzung des Sanierungskonzepts wird es mindestens bis in die zweite Augusthälfte dauern.

Das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG), das seit drei Jahren in Deutschland existiert, soll verhindern, dass operativ lebensfähige Unternehmen in die Pleite rutschen. Als erfolgreiches Beispiel gilt der Fall des Nürnberger Autozulieferers Leoni, bei dem die Aktionäre leer ausgingen. Großaktionär Stefan Pierer stellte 120 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung und übernahm einen Teil der Bankschulden. Varta, jedoch, gilt im Gegensatz zu Leoni nicht als systemrelevant für die Autoindustrie.

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