Venezolanisches Öl erreicht China unter falscher Flagge
Händler deklarieren Lieferungen als brasilianisch und umgehen so Sanktionen und Umwege über Malaysia

Händler haben im vergangenen Jahr venezolanisches Rohöl im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar für den Export nach China als brasilianisches Öl umdeklariert. Dies geht aus Informationen zweier Schiffsverfolgungsdienste, Unternehmensdokumenten sowie Aussagen von vier Rohölhändlern hervor. Ziel dieser Praxis ist es, die Logistikkosten zu senken und US-Sanktionen gegen Venezuela zu umgehen. China ist der weltweit größte Rohölimporteur, und unabhängige chinesische Raffinerien zählen zu den Hauptabnehmern von Schiffslieferungen aus sanktionierten Ländern. Offshore-Gewässer Malaysias dienen dabei häufig als Zwischenstation für venezolanisches und iranisches Rohöl.
Seit Juli 2024 wird venezolanisches Öl nicht mehr nur als malaysisch, sondern auch als brasilianisch deklariert. Dadurch entfällt der Zwischenstopp vor Malaysia, was die Reisezeit um rund vier Tage verkürzt. Laut chinesischen Zolldaten importierte China zwischen Juli 2024 und März 2025 etwa 2,7 Millionen Tonnen sogenannter Bitumenmischungen aus Brasilien – im Durchschnitt rund 67.000 Barrel pro Tag – im Gesamtwert von 1,2 Milliarden US-Dollar. Die staatliche brasilianische Ölgesellschaft Petrobras meldet jedoch, dass Brasilien seit mindestens 2023 keine Bitumenmischungen nach China exportiert hat.
Die Verschleierung erfolgt unter anderem durch Manipulation der Ortungssignale der Schiffe, sogenanntes "Spoofing". Schiffe erscheinen dadurch in der digitalen Schiffsverfolgung so, als würden sie aus brasilianischen Häfen auslaufen, obwohl sie tatsächlich in Venezuela beladen werden. Händler verändern zudem die Frachtpapiere und fügen neue Ursprungszertifikate bei, ohne die Route tatsächlich über Brasilien zu führen. Diese Methode erspart nicht nur Zeit und Kosten, sondern erleichtert auch die Finanzierung durch Banken, da brasilianisches Öl nicht den gleichen Sanktionen unterliegt wie venezolanisches.
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Zur AktienanalyseIm Februar 2025 etwa hat der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Karina“ 1,8 Millionen Barrel venezolanisches Merey-Rohöl für das Unternehmen Hangzhou Energy geladen und unter dem Decknamen „Katelyn“ den Anschein erweckt, aus Brasilien zu stammen. Die Lieferung wurde Anfang April im chinesischen Hafen Yangpu entladen. Hangzhou Energy fungiert seit 2021 als Zwischenhändler für venezolanisches Öl. Venezuela exportierte 2024 rund 351.000 Barrel pro Tag nach China, in den ersten vier Monaten des Jahres 2025 stiegen die Mengen auf 463.000 Barrel pro Tag. Weniger als zehn Prozent dieser Lieferungen werden offiziell als venezolanisch deklariert.

