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Venezuela-Anleihen: Investoren wittern Chance bei Schuldenumstrukturierung

Nach Madura-Verhaftung und IWF-Wiederannäherung wächst der Optimismus für eine historische Schuldenumstrukturierung Venezuelas.

Venezuela-Anleihen: Investoren wittern Chance bei Schuldenumstrukturierung

Venezuela war bei den IWF- und Weltbank-Frühjahrstagungen in Washington das dominierende Gesprächsthema – trotz fehlender offizieller Tagesordnungspunkte. Investoren, Anwälte und Beamte zeigten sich optimistisch, dass das sanktionierte und hochverschuldete Land vor einer wirtschaftlichen Wende stehen könnte. „Der Permafrostboden taut auf. Und deshalb sind die Investoren optimistisch", sagte Rodrigo Olivares-Caminal, Professor an der Queen Mary University, der Regierungen in Schuldenfragen berät.

Der Optimismus speist sich aus mehreren Entwicklungen: Im Januar wurde der abgesetzte Präsident Nicolas Maduro im Rahmen einer US-Militäroperation festgenommen und in ein New Yorker Gefängnis gebracht. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen dem Weißen Haus unter Donald Trump und der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodriguez merklich verbessert. Diese politische Neuausrichtung hat die Preise für einige venezolanische Anleihen auf den höchsten Stand seit rund einem Jahrzehnt getrieben.

Milliardenschwere Schulden im Fokus

Im Mittelpunkt der Investorengespräche stehen die notleidenden Schulden Venezuelas. Venezuela und sein staatlicher Ölkonzern PDVSA haben ausstehende notleidende Anleihen im Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar. Die gesamten Auslandsschulden, die für eine Umstrukturierung in Frage kommen könnten, belaufen sich laut Schätzungen auf 150 bis 170 Milliarden US-Dollar – wenn man bilaterale Kredite, Schiedssprüche und weitere Verpflichtungen des Energiekonzerns einbezieht. Eine erfolgreiche Umstrukturierung wäre eine der größten der jüngeren Geschichte.

Mindestens sechs Banken und Organisationen hielten in Washington gut besuchte Investoren-Briefings ab, darunter Bank of America, Barclays, JPMorgan und Morgan Stanley. „Ich habe drei verschiedene Vorträge gehalten. Alle drei waren voll besetzt", sagte Juan S. Gonzalez, Resident Fellow am Georgetown Americas Institute und ehemaliger stellvertretender US-Staatssekretär für die westliche Hemisphäre. Gonzalez sprach bei Bank of America, JPMorgan und der Eurasia Group; ein weiteres Panel bei Morgan Stanley zur Erörterung der Umschuldung war ebenfalls mit eifrigen Investoren überfüllt.

IWF und Weltbank nehmen Beziehungen zu Caracas wieder auf

Ein wichtiges Signal kam am späten Donnerstag der Tagungswoche: IWF und Weltbank erklärten, die Beziehungen zu Caracas zum ersten Mal seit 2019 wieder aufgenommen zu haben. Dieser Schritt könnte Venezuela den Zugang zu Sonderziehungsrechten des IWF im Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar ermöglichen – einem vom Fonds zugewiesenen Reserveaktivum. IWF-Chefin Kristalina Georgieva erklärte, der Fonds werde Caracas im Rahmen seines Engagements wahrscheinlich ein finanzielles Unterstützungsprogramm zur Verfügung stellen, betonte jedoch, es sei ein „sehr harter Weg", die makroökonomische und finanzielle Stabilität wiederherzustellen.

„Der Wiedereintritt in den IWF und der Zugang zu den Sonderziehungsrechten ermöglichen es Delcy Rodriguez, die Grundlagen für eine Umschuldung zu schaffen", so Gonzalez. Eine spätere wirtschaftliche Einschätzung des IWF kann zudem feststellen, welches Schuldenniveau für Venezuela tragfähig ist – eine wichtige Voraussetzung für jede Umstrukturierungsverhandlung.

Vorsicht bleibt angebracht

Nicht alle Marktteilnehmer teilen den Optimismus uneingeschränkt. Die Analysten von JPMorgan erklärten, dass es zwar Argumente dafür gebe, dass Caracas eine rasche Umstrukturierung seiner internationalen Anleihen anstrebe, es bisher jedoch kaum Anzeichen dafür gebe, dass dies tatsächlich geschehe. „Während die verbrieften Schulden die größte und am klarsten definierte Forderung darstellen, haben wir noch kein Gefühl dafür, dass eine eng gefasste Umstrukturierung verbriefter Forderungen schnell und getrennt von einer umfassenderen Umstrukturierung voranschreiten würde", so die JPMorgan-Analysten.

Für Venezuela sprechen auch die hohen Ölpreise, die durch den anhaltenden Nahost-Konflikt befeuert werden. Das Land verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Höhere Öleinnahmen könnten helfen, die nach Jahrzehnten der Unterinvestition marode Infrastruktur zu sanieren. Oppositionsführerin Maria Corina Machado erklärte unterdessen, sie erwarte, noch vor Ende 2026 in ihr Heimatland zurückzukehren, und dränge auf rasche Wahlen.

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