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Venezuela setzt Militär gegen illegale Goldschürfer im Arco Minero ein

Truppen rücken im Bundesstaat Bolívar vor, während Caracas ausländische Investitionen im Bergbausektor anlocken will.

Venezuela setzt Militär gegen illegale Goldschürfer im Arco Minero ein

Venezuela hat Militärtruppen in den südlichen Bundesstaat Bolívar entsandt, um gegen illegale Gruppen vorzugehen, die wichtige Goldvorkommen kontrollieren. Der Einsatz konzentriert sich auf die Region um Las Claritas – eines der Hauptzentren des illegalen Goldbergbaus im mineralienreichen Gebiet „Arco Minero del Orinoco". Dieses riesige Areal erstreckt sich nahe der Grenzen Venezuelas zu Guyana und Brasilien.

Anwohner und Menschenrechtsaktivisten bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters die Präsenz der Truppen. Fünf Bewohner berichteten von Explosionen und Schüssen, die viele Menschen davon abhielten, ihre Häuser zu verlassen, und zur Schließung von Geschäften führten. „Im Dschungel waren Bomben und Schüsse zu hören", sagte ein 45-jähriger Anwohner. „In diesen Gebieten gibt es Minen. Das ist schlimm; man kann nicht nach draußen gehen." Alle befragten Anwohner lehnten es aus Sicherheitsgründen ab, namentlich genannt zu werden.

Ein Ladenbesitzer in Las Claritas berichtete zudem, dass Drohnen in der Nacht stundenlang tief über den Ort flogen. Das venezolanische Kommunikationsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme, und die Regierung hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Einsatz geäußert.

Menschenrechtsorganisationen warnen vor Übergriffen

Die venezolanische Menschenrechtsgruppe Provea veröffentlichte auf der Plattform X eine Warnung: „Die venezolanische Armee führt eine massive Operation in Las Cristinas und bei Kilometer 88 im Bundesstaat Bolívar durch. Wir warnen vor dem Risiko außergerichtlicher Hinrichtungen und willkürlicher Verhaftungen der Zivilbevölkerung in diesem Gebiet." Nichtregierungsorganisationen und von den Vereinten Nationen unterstützte Ermittler hatten zuvor erklärt, dass ein Großteil der Bergbauaktivitäten in der Region von organisierten kriminellen Gruppen und bewaffneten Fraktionen kontrolliert wird.

Der Arco Minero del Orinoco gilt als eine der goldreichsten Regionen Südamerikas. Jahrelang wurde das Gebiet von illegalen Akteuren dominiert, während der venezolanische Staat kaum Kontrolle ausübte. Die humanitäre Lage in der Region ist seit Jahren angespannt – Berichte über Gewalt, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem informellen Bergbau häufen sich.

Neue Investitionspolitik unter Interimspräsidentin Rodríguez

Der Militäreinsatz fällt in eine Phase politischer Neuausrichtung Venezuelas. Im Januar wurden US-Streitkräfte aktiv und nahmen Präsident Nicolás Maduro fest, woraufhin Delcy Rodríguez das Amt interimistisch übernahm. Seitdem verhandeln Washington und Caracas über Schritte zur Wiederbelebung von Investitionen im Öl- und Bergbausektor.

Im April verabschiedete Venezuela ein neues Bergbaugesetz, das ausländische Investitionen fördern soll. US-Innenminister Doug Burgum erklärte, dass die Regierung Sicherheitsgarantien für eintretende Unternehmen zugesagt habe. Beobachter sehen in dem Militäreinsatz möglicherweise auch den Versuch, die staatliche Kontrolle über die Goldvorkommen zu festigen – als Voraussetzung für künftige Investitionspartnerschaften.

Historischer Hintergrund: Crystallex und die Verstaatlichungswelle

Das kanadische Bergbauunternehmen Crystallex hatte einst geplant, das Goldprojekt Las Cristinas zu erschließen. Der damalige Präsident Hugo Chávez stoppte das Vorhaben jedoch im Jahr 2008 im Zuge einer umfassenden Verstaatlichungswelle, die neben dem Bergbau auch die Bereiche Elektrizität, Telekommunikation, Zement, Stahl und Öl erfasste. Nach diesen Übernahmen blieben ausländische Investitionen im venezolanischen Bergbau über viele Jahre hinweg begrenzt.

Einige Experten sehen nun Spielraum für eine kurzfristige Erholung der Exporte, insbesondere bei Gold. Sie warnen jedoch gleichzeitig, dass der Sektor massive Investitionen sowie erneute Explorationen erfordern wird, bevor er sein volles Potenzial entfalten kann. Für internationale Bergbauunternehmen bleibt Venezuela damit ein risikoreiches, aber potenziell lukratives Terrain.

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