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Venezuelas Schuldenberg: Was Anleger über die Umschuldung wissen müssen

Venezuela steht vor einer der größten Staatsanleihen-Umschuldungen der Geschichte – mit Schulden von bis zu 240 Milliarden Dollar.

Venezuelas Schuldenberg: Was Anleger über die Umschuldung wissen müssen

Venezuela steht vor einer der potenziell größten Umschuldungen von Staatsanleihen in der Geschichte. Das genaue Ausmaß der Schuldenlast bleibt jedoch unklar, da das Land seit Jahren keine umfassenden Schuldenstatistiken mehr veröffentlicht hat. Die US-Sanktionen von 2017 haben Caracas weitgehend von der westlichen Finanzwelt isoliert und die Datenlage zusätzlich erschwert.

Während die meisten Analysten die Gesamtschulden auf 150 bis 200 Milliarden Dollar schätzen, berichtete die Financial Times, dass Venezuela einen unerwartet hohen Schuldenberg von 240 Milliarden Dollar enthüllen werde. Der Wirtschaftsberater der Regierung, Calixto Ortega, kündigte an, dass die Regierung in den „kommenden Wochen" eine Analyse der Schuldentragfähigkeit vorlegen werde – auch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der jüngsten Erdbeben.

Anleiheverbindlichkeiten: Rund 60 Milliarden Dollar Nennwert

Im Mai erklärte Venezuela, die ausstehenden externen kommerziellen Eurobond-Schulden der Regierung und des staatlichen Ölunternehmens Petroleos de Venezuela (PDVSA) umstrukturieren zu wollen. Der Nennwert dieser Verbindlichkeiten beläuft sich auf rund 60 Milliarden Dollar. Seit dem Zahlungsausfall im Jahr 2017 sind jedoch zusätzlich erhebliche Zinsen aufgelaufen. JPMorgan beziffert die gesamten Forderungen aus Anleihen inklusive überfälliger Zinsen auf 102 Milliarden Dollar.

Die Komplexität der Umschuldung wird durch unterschiedliche Anleihebedingungen erhöht. Eine PDVSA-Anleihe aus dem Jahr 2020 ist durch eine Mehrheitsbeteiligung am US-Raffinerieunternehmen Citgo besichert. Ältere Anleihen sind anfälliger für Rechtsstreitigkeiten durch sogenannte Holdout-Gläubiger, die sich einer Umschuldung verweigern. Hinzu kommt eine Anleihe des Elektrizitätssektors in Höhe von 650 Millionen Dollar, ausgegeben von Electricidad de Caracas (Elecar).

Bilaterale Schulden: China und Russland als Schlüsselgläubiger

Die gesamten bilateralen Kredite Venezuelas belaufen sich Berichten zufolge auf etwa 25 Milliarden Dollar. Venezuela schuldet den 22 Mitgliedsstaaten des Pariser Clubs 8,69 Milliarden Dollar – dieser Gläubigerclub legt in der Regel den Maßstab für den Schuldenerlass fest, der von anderen Gläubigern erwartet wird.

Russland hat Venezuela laut AidData in den vergangenen 15 Jahren mindestens zwei Kredite gewährt, darunter 3,2 Milliarden Dollar, die bereits 2017 umstrukturiert wurden. Besonders bedeutsam ist die Rolle Chinas: Peking hält ölbesicherte Kredite in Höhe von schätzungsweise 13 bis 15 Milliarden Dollar (laut JPMorgan), was China gegenüber anderen Gläubigern einen strukturellen Vorteil verschafft. Anfang Januar verurteilte Peking die Umleitung venezolanischer Ölexporte und betonte, dass die „legitimen Rechte und Interessen Chinas und anderer Länder in Venezuela geschützt werden müssen".

Multilaterale Gläubiger und Schiedsgerichtsforderungen

Gegenüber multilateralen Entwicklungsbanken – hauptsächlich der CAF (Entwicklungsbank von Lateinamerika und der Karibik) und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) – schuldet Venezuela laut Fitch rund 4 Milliarden Dollar. Diese Institutionen genießen in der Regel den Status eines bevorzugten Gläubigers und werden bei einer Umschuldung voraussichtlich keine Verluste hinnehmen müssen.

Zusätzlich haben mehr als 50 Unternehmen nach Enteignungen unter dem ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez Forderungen gegen Venezuela und PDVSA geltend gemacht. Schiedssprüche und Gerichtsurteile belaufen sich laut Daten von Transparencia Venezuela und #PublicDebtIsPublic auf mehr als 20 Milliarden Dollar – ohne überfällige Zinsen. Da diese Forderungen rechtlich durchsetzbar sind und keinem kollektiven Einigungsmechanismus unterliegen, stellen sie eine besondere Herausforderung dar. Experten betonen, dass sie mindestens 10 Prozent des venezolanischen Schuldenbestands ausmachen und zwingend berücksichtigt werden müssen.

Weitere Forderungen erschweren die Gesamtschau

Einige Schulden wurden nie vor Gericht oder ein Schiedsgericht gebracht, was ihre Nachverfolgung erheblich erschwert. Das spanische Ölunternehmen Repsol gibt an, dass Venezuela ihm 4,55 Milliarden Euro (rund 5,16 Milliarden Dollar) schuldet. Die italienische ENI erklärte, dass ihre ausstehenden PDVSA-Forderungen bis Ende 2025 auf 3,3 Milliarden Dollar ansteigen werden, einschließlich etwa 1 Milliarde Dollar an aufgelaufenen Zinsen.

Weitere Forderungen können Schuldscheine (Promissory Notes) im Zusammenhang mit Export- oder Lieferantenkrediten umfassen. Auch Inlandsschulden könnten die Gesamtsumme erhöhen – ein Aspekt, der Anleger beunruhigt, da deren Rechtmäßigkeit ohne externe Prüfung schwer zu verifizieren wäre. Ohne Beteiligung von Institutionen wie dem IWF oder der Weltbank dürften Anleger grundsätzlich infrage stellen, wie einzelne Forderungen bewertet und gewichtet werden.

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