Vietnam setzt auf Fiskalpolitik statt Geldpolitik für Wachstumsziel
Vietnams Zentralbank sieht kaum Spielraum für weitere geldpolitische Maßnahmen und priorisiert expansive Fiskalpolitik für das 10-Prozent-Wachstumsziel.

Vietnams stellvertretender Zentralbankgouverneur Pham Thanh Ha hat am Montag klargestellt, dass das Land künftig stärker auf Fiskalpolitik setzen wird, um das ambitionierte Wirtschaftswachstumsziel der Regierung zu erreichen. Der Spielraum für geldpolitische Maßnahmen sei geschrumpft, erklärte Ha gegenüber der Zeitung Dau Tu Chung Khoan. Gleichzeitig betonte er, dass Vietnam Stabilität nicht für schnelles, kurzfristiges Wirtschaftswachstum opfern werde.
Vietnam verfolgt für das laufende Jahr das ehrgeizige Ziel eines BIP-Wachstums von mindestens 10 Prozent. Parallel dazu soll die Inflation bei 4,5 Prozent gehalten werden – ein Balanceakt, der angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger wird. Die Teuerungsrate hat sich zuletzt beschleunigt, während sich das Handelsbilanzdefizit im Mai auf ein Rekordhoch ausweitete.
Als Belastungsfaktor nennt die Quelle die Auswirkungen des Iran-Krieges, die das südostasiatische Land spürbar treffen. Diese externen Schocks erhöhen den Druck auf die Wirtschaftspolitik und erschweren es der Zentralbank, gleichzeitig Wachstum zu fördern und die Preisstabilität zu wahren.
Fiskalpolitik als neue Wachstumssäule
Ha formulierte die neue Prioritätensetzung deutlich: „Angesichts des derzeit geringen Spielraums für die Geldpolitik sollte einer gezielten expansiven Fiskalpolitik Vorrang eingeräumt werden, damit diese zu einer echten Säule für die Förderung eines hohen und nachhaltigen Wachstums wird." Die Zentralbank verfolge dabei konsequent ihre Politik zur Gewährleistung der makroökonomischen Stabilität und zur Kontrolle der Inflation.
Die Kreditvergabe der vietnamesischen Banken ist zum 21. April gegenüber dem Jahresende um 3,83 Prozent gestiegen. Vietnam setzt traditionell stark auf eine Ausweitung der Kreditvergabe, um das Wirtschaftswachstum zu stützen. Für das Gesamtjahr strebt die Regierung ein Kreditwachstum von 15 Prozent an – ein Ziel, das angesichts des bisherigen Tempos noch erhebliche Anstrengungen erfordert.
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Zur AktienanalyseFür internationale Investoren und deutsche Anleger, die den vietnamesischen Markt beobachten, ist die Verschiebung hin zur Fiskalpolitik ein wichtiges Signal. Sie deutet darauf hin, dass die Zentralbank die Zinspolitik und geldpolitische Lockerungen als Wachstumsinstrument weitgehend ausgereizt sieht. Stattdessen sollen staatliche Ausgabenprogramme und gezielte fiskalische Impulse die Konjunktur ankurbeln.
Vietnam gilt als eine der dynamischsten Volkswirtschaften Südostasiens und hat in den vergangenen Jahren durch starke Exportorientierung und ausländische Direktinvestitionen von sich reden gemacht. Das 10-Prozent-Wachstumsziel für 2026 ist jedoch selbst für vietnamesische Verhältnisse außergewöhnlich hoch und stellt die Wirtschaftspolitik vor erhebliche Herausforderungen – insbesondere in einem von geopolitischen Spannungen geprägten globalen Umfeld.


