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Virginia: Streit um medizinisches Cannabis in Genesungseinrichtungen eskaliert

Ein neues Gesetz zwingt Patienten in Virginia, zwischen legalem medizinischem Cannabis und ihrer Unterkunft zu wählen.

Virginia: Streit um medizinisches Cannabis in Genesungseinrichtungen eskaliert

In Virginia sorgt ein seit dem 1. Juli 2025 geltendes Gesetz für massive Probleme in Genesungseinrichtungen für Suchtkranke. Der Gesetzentwurf Senate Bill 270 (SB 270) verpflichtet zertifizierte Genesungseinrichtungen dazu, jeglichen Cannabiskonsum zu verbieten – einschließlich des ärztlich empfohlenen medizinischen Cannabis. Das betrifft auch Patienten mit gültigen medizinischen Empfehlungen, obwohl die US-Bundesregierung Cannabis inzwischen in die weniger strenge Kategorie Schedule III eingestuft hat.

Jeremy Tillem, Gründer und Betreiber von GreenhouseRVA, einer strukturierten Genesungseinrichtung im Henrico County, kritisiert die Regelung in einem Gastbeitrag scharf. Sein Unternehmen betreibt die Einrichtung seit 2021 und betreut jeweils rund 25 Bewohner, von denen viele durch Gerichte, Bewährungshelfer und Behandlungsanbieter vermittelt werden. „Virginias Genesungssystem wird erst dann stärker sein, wenn es die Menschen nicht mehr dazu zwingt, sich zwischen ihrer Medizin und einem Dach über dem Kopf zu entscheiden", schreibt Tillem.

GreenhouseRVA hatte bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes klare Sicherheitsvorkehrungen für den Umgang mit medizinischem Cannabis etabliert – darunter Mengenbegrenzungen, sichere Lagerung, Überwachung und eine Nulltoleranz gegenüber missbräuchlicher Weitergabe. Diese Richtlinien wurden laut Tillem beim ersten Zertifizierungsantrag monatelang ohne Einwände geprüft. Mit dem Inkrafttreten von SB 270 änderten sich die Regeln jedoch über Nacht.

Betreiber verweigert Streichung der Cannabis-Regelungen

GreenhouseRVA hat sich entschieden, die Bestimmungen zu medizinischem Cannabis nicht aus seinen Richtlinien zu streichen. Eine solche Streichung hätte bedeutet, Bewohner mit gültigen medizinischen Empfehlungen zu zwingen, entweder ihre Medikation aufzugeben oder die Einrichtung zu verlassen. Tillem betont, dass dies für einige Bewohner bereits eine Unterbrechung von Fortschritten bedeutet habe, deren Aufbau Monate oder Jahre gedauert hatte.

Das Unternehmen traf sich zuletzt mit dem Büro von Senator Schuyler VanValkenburg (D), dem Einbringer von SB 270, um die operativen und menschlichen Folgen des Konflikts zu besprechen. Das Gespräch verlief laut Tillem sachlich, konkrete Lösungen wurden jedoch nicht erzielt. Die Verantwortung für die Sackgasse wurde weitgehend der Virginia Association of Recovery Residences (VARR) zugeschoben.

Ein Mitarbeiter des Senators bat um ein Treffen, das Rechtsberater, GreenhouseRVA und das Department of Behavioral Health and Developmental Services (DBHDS) zusammenbringen soll. Auf eine erste E-Mail erhielt GreenhouseRVA eine Antwort, auf ein zweites Follow-up jedoch keine Reaktion. Tillem kritisiert den Mangel an Dringlichkeit angesichts des täglichen Drucks, dem betroffene Bewohner ausgesetzt sind.

Forderungen: Regulatorische Notfallprüfung und Gesetzesänderung

Tillem fordert konkrete Schritte auf zwei Ebenen. Das DBHDS solle unverzüglich eine regulatorische Dringlichkeitsprüfung einleiten, um Virginias Standards für Genesungseinrichtungen mit der bundesweiten Schedule-III-Einstufung und dem staatlichen Programm für medizinisches Cannabis in Einklang zu bringen. Darüber hinaus müsse die Generalversammlung in ihrer Sitzungsperiode 2027 explizite Ausnahmeregelungen für medizinisches Cannabis in den Zertifizierungsrahmen aufnehmen.

Die Forderungen von GreenhouseRVA lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Sofortige Einberufung des beantragten Treffens zwischen DBHDS, GreenhouseRVA und Rechtsberatern
  • Einleitung eines regulatorischen Notfallprozesses durch das DBHDS
  • Öffentliches Bekenntnis von Senator VanValkenburg und der Generalversammlung zur Korrektur des Konflikts
  • Gesetzliche Ausnahmeregelungen für medizinisches Cannabis bis 2027

Für deutsche Leser ist der Kontext wichtig: In den USA regeln einzelne Bundesstaaten den Umgang mit Cannabis weitgehend eigenständig. Virginia hat ein eigenes Programm für medizinisches Cannabis, das Patienten mit ärztlicher Empfehlung den Zugang ermöglicht. Die bundesweite Neueinstufung von Cannabis in Schedule III bedeutet eine offizielle Anerkennung eines medizinischen Nutzwerts durch die US-Bundesbehörden – ein Schritt, der die bestehende Spannung zwischen staatlichem und bundesstaatlichem Recht in diesem Fall besonders deutlich macht.

Tillem betont abschließend, dass es sich nicht um eine theoretische Debatte handele. Menschen in der Genesungsphase mit gültigen Empfehlungen für medizinisches Cannabis würden gezwungen, entweder ein von der Bundesregierung anerkanntes Medikament abzusetzen oder die einzige stabile Unterkunft zu verlassen, die viele von ihnen haben. „Wir fordern keinen uneingeschränkten Konsum. Wir fordern Konsistenz", so Tillem.

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